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18. Januar 2011, 17:00 Uhr

Die billige "Aldi"-Nummer

Der Wirtschaftsminister fordert Billigbenzin vom Discounter. Ein Blick nach Österreich und auf das Geschäftsmodell einer Tankstelle zeigt: Es ist ein naiver Wunsch. Von Gernot Kramper

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Der hohe Benzinpreis erregt die Gemüter. Nun sollen Discounter für günstigen Sprit sorgen© Kay Nietfeld/DPA

Alle regen sich über die hohen Benzinpreise auf. Mit Grund: Inzwischen koste der Liter Superbenzin deutschlandweit mehr als 1,50 Euro, teilte der ADAC nach einer Preiserhebung an 20 Tankstellen mit. Damit ist Benzin so teuer wie seit dem Sommer 2008 nicht mehr. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle von der FDP präsentierte sich nun als Retter in der Not. Seine Wunderwaffe gegen steigende Spritpreise: Discounter wie Aldi und Lidl sollen dem Tankstellen-Oligopol der Multis Paroli bieten und an ihren Supermärkten Billigbenzin anbieten. Das hört sich verlockend an. 1,25 Kilo Roggenmischbrot gibt es bei Aldi für 79 Cent, beim Bäcker um die Ecke kann so ein Brot auch 3 Euro kosten. Wäre doch toll, wenn es diese Discountpreise auch für die Tankfüllung gäbe.

Doch so einfach ist das nicht. An der Aldi-Tankstelle würde es sicherlich kein Benzin für 50 Cent den Liter geben, dafür sorgt schon die gewaltige Abgabenlast auf Treibstoff. Martin Richter betreibt seit 1999 die Internetseite Benzinpreis.de und hat für den Vorstoß des liberalen Ministers nur Spott übrig: "Das ist Populismus – das ist Schmarrn." Das zentrale Problem beim Benzinpreis sei, dass die Konzerne ihr Geld nicht unbedingt in Deutschland verdienen müssten. Und: Das Hauptgeschäft machten die Multis nicht mit den Tankstellen, sondern am Rohölmarkt, der steuerlich viel attraktiver sei.

Minimale Marge im Tankstellengeschäft

Der Hintergrund: Für das Geschäft mit dem Benzin bleibt eine Marge von etwa 12 Cent pro Liter Benzin, wenn Rohölpreis und Steuern vom Endpreis abzogen sind. Davon müssen Transport und Tankstelle betrieben werden. Diese Spanne ist nicht so attraktiv, dass ein anderer Anbieter den Endpreis massiv senken könnte. Auch Aldi oder Lidl müssten ihren Sprit an der Rohölbörse einkaufen. Der Bundeswirtschaftsminister sollte eigentlich wissen, dass eine Tankstelle in Deutschland ihren Gewinn mit dem angeschlossenen Shop erwirtschaftet. Beim Benzin reagiert der Kunde sensibel auf Preiserhöhungen, bei Scheibenreinigern, Tiefkühlpizza und alkoholischen Getränken akzeptiert er einen deutlichen Aufschlag im Vergleich zum Supermarkt.

Beispiel Österreich

Und was zeigt das von Brüderle gepriesene Beispiel Österreich, wo es seit anderthalb Jahren möglich ist, beim Discounter zu tanken? Die Ersparnis hält sich in Grenzen. Die Firma FE-Trading GmbH betreibt in der Gegend um Salzburg Tankstellen auf dem Gelände von Hofer Märkten, der österreichischen Aldi-Tochter. Während einer Sonderaktion zu Weihnachten zahlten Kunden für Diesel und Benzin 99 Cent für den Liter, schwärmte Brüderle in der "Bild"-Zeitung. Bei diesen Traumpreisen handelte es allerdings um einmalige Marketingaktionen oder Eröffnungsangebote.

Martin Grasslober vom ÖAMTC, dem österreichischen Pendant zum ADAC, erklärt: "Das sind automatisierte Tanksäulen. Es gibt keinen Service, kein Personal, und die Kunden können nur mit Karte bezahlen." FE-Trading wolle die Mitbewerber um zwei Cent je Liter unterbieten, was auch gelinge. Grasslober: "Regional bauen diese Tankstellen durchaus einen Preisdruck auf. Zuvor galt die Gegend um Salzburg als teuerstes Gebiet in Österreich, das ist inzwischen nicht mehr so."

Absage von Lidl

Nur, diesen Regionaldruck gibt es längst auch in Deutschland. Freie Tankstellen oder eine Kette wie Jet unterbieten nach Angaben von Benzinpreis.de die Multi-Marken durchschnittlich um 1,5 bis 1,8 Cent je Liter. Und sie schaffen das mit Personal und normalem Service.

Der Traum vom billigen Benzin - mag ihn Rainer Brüderle auch träumen, so einfach wird er nicht wahr.

Von Gernot Kramper
 
 
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