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24. Juni 2010, 17:21 Uhr

Glücklich mit Billig-Autos

Mehr Geld fürs Auto führt nicht automatisch zu mehr Zufriedenheit. Die Ergebnisse der Kundenbefragung eines Marktforschungsunternehmens überraschen: Große Verlierer sind die deutschen Hersteller. Sie punkten nur mit sehr teuren Wagen, bei bezahlbaren Autos müssen sie passen. Von Gernot Kramper

J.D.Power Kundenzufriedenheitsstudie, dacia

Daciakunden sind glücklich mit ihren Sparautos© Dacia

In Deutschland wurden die Autokäufer befragt. Anders als die Daten von TÜV, Dekra oder ADAC basiert die "Vehicle Owners Satisfaction Study" (VOSS) der Agentur J.D.Power nicht auf "harten" Daten oder Expertenurteilen, sondern auf der Einschätzung der Autokäufer. Für die Industrie ist diese Umfrage enorm wichtig, schließlich sollen die Kunden beim nächsten Kauf wieder ein Modell derselben Marke wählen.

Und natürlich stehen die Premiumhersteller in der Umfrage gut da. In Deutschland wird gern getitelt "BMW räumt ab" oder "der Stern strahlt". Das stimmt, die Ergebnisse geben solche Zeilen her. Spannend wird die Studie, wenn man sie etwas gegen den Strich liest. Dass man allen Grund hat, mit einem A8 zufrieden zu sein, wenn man ihn sich leisten kann, ist wenig verwunderlich. Aber dass Billigwagen bei ihren Kunden genauso viel Zufriedenheit produzieren können, verwundert dagegen schon.

Am Ende entscheidet der Kunde

Kundenzufriedenheit darf man nicht mit "Qualität an sich" verwechseln. Ein Dacia ist technisch gesehen kein besseres Auto als ein A4."Um eine außergewöhnlich hohe Zufriedenheit bei den Kunden zu erzielen, bedarf es eines guten Verständnisses der Kundenerwartungen vom Zeitpunkt des Kaufs bis zum Ende des Fahrzeuglebenszyklus“, sagt Martin Volk, Senior Research Manager bei J.D. Power and Associates. Kundenzufriedenheit wird am besten durch Ehrlichkeit erzielt. Die Erwartungen, die eine Marke schürt, bevor der Kunde den Wagen kauft, müssen später erfüllt werden. „Zum Beispiel gehören für Besitzer von Daihatsu-Automobilen niedriger Kraftstoffverbrauch und niedrige Wartungskosten zu den wichtigsten Kriterien beim Kauf eines Neuwagens."

In Deutschland hat Mercedes die zufriedensten Kunden, aber schon auf Platz zwei hat sich der Billigschreck Dacia breit gemacht und konnte immerhin mit BMW gleichziehen. Auf Platz drei und vier folgen Marken, denen man so eine gute Platzierung noch vor Audi und VW kaum zutrauen würde, nämlich Mazda und Nissan.

In der umfangreichen Studie wird viel gelistet, so dass jeder Hersteller einen Volltreffer landen kann. Der X5 stellt das beste Fahrzeug und den besten Geländewagen, der Audi A8 führt in der Oberklasse. Die guten Plätze deutscher Autobauer werden immer frenetisch bejubelt. Dabei ist die Platzierung kein großes Kunststück. In den teuren Segmenten fahren die deutschen Fahrzeuge fast ohne Konkurrenz.

Deutscher Totalausfall

In den Segmenten, auf die es letztlich ankommt, sieht das Bild sehr viel bescheidener aus. In den Volumengruppen Kleinstwagen, Kleinwagen, untere Mittelklasse und Mittelklasse konnten sich nur die A-Klasse von Mercedes in ihrem Segment unter die ersten drei mischen. Deutschland erzielt damit im Heimatmarkt einen Treffer von 16 möglichen. Das ist alarmierend schlecht. Die Massenhersteller Volkswagen, Ford und Opel enttäuschen auch in der Markenbewertung.

Durch die Bank sind die Fahrer von sehr teueren Wagen noch immer etwas zufriedener als andere. Aber nur ein wenig. Von einem Unglücksgefühl im Kleinwagen kann man nicht sprechen. Wagt man einen Ausblick, dann steckt in der Zufriedenheit mit den Billigheimern eine Menge Sprengstoff. Wenn ein Audi A8 exakt 858 Punkte erzielt, ein Dacia Logan aber beachtliche 839, führt ein mehrfach höherer Preis offenbar nicht zu entsprechend mehr "Glück" auf der Käuferseite. Auf Dauer besteht für die Autoindustrie die Gefahr, dass Kunden sich mit günstigen Wagen zufrieden geben und das ersparte Geld in Dinge und Dienstleistungen investieren, die mehr Zufriedenheit und Glücksgefühl versprechen, als ein besseres Auto.

Der Handel verärgert die Kunden

An der Studie waren 16.333 Fahrzeughalter beteiligt. 25 Automarken und 102 Modelle wurden berücksichtigt. Die Umfrage findet relativ schnell nach dem Kauf statt. Im Schnitt sind die Wagen zwei Jahre alt. Es dreht sich also um frische Wagen im Status der Vollgarantie. Eine Auskunft über die Zufriedenheit mit älteren Gebrauchten kann man den Daten nicht entnehmen. Den Neukäufern sind Fahrzeugattraktivität und Fahrzeugqualität besonders wichtig. Zufriedenheit hier führt zur Markenbindung. Motor- und Getriebeprobleme beeinflussen die Werte für Fahrzeugqualität besonders stark. Tolerant sind die Kunden hier nicht. Wer Ärger mit Motor oder Getriebe hat, ist auf dem Sprung zu einer anderen Marke.

Typische Schwachstelle in Deutschland ist der Service beim Händler. Der alarmierende Wert von 15 Prozent der Befragten gab an, beim nächsten bezahlten Service "wahrscheinlich" oder "definitiv" nicht wieder den gleichen Händler aufzusuchen. Diese Kunden wurden offenbar bei den Kontakten nach dem Kauf vom Autohaus massiv vergrault.

Von Gernot Kramper
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
im_norden2001 (25.06.2010, 13:52 Uhr)
Es würde mich sehr interessieren, wie die Zufriedenheit aussieht, wenn die Autos "in die Jahre" gekommen sind! Ich behaupte mal, dass das Ergebnis dann anders aussehen würde.
Ich persönlich fahre lieber einen Youngtimer mit moderatem Verbrauch, extrem günstiger Anschaffung und Mechanik, die noch wirklich repariert werden kann. Wer Ende der 80er in meinem Freundeskreis eine Ausbildung zum KFZ- Mechaniker machte, wurde mit "Teiletauscher" betiltelt- inzwischen kein Scherz mehr, sondern traurige Wahrheit.
Interessant wäre mal eine Zufriedenheitsstudie bei Fahrern von Autos , die älter als 15 Jahre sind.
corehead (25.06.2010, 13:42 Uhr)
Trotz Problemen
bin ich mit meinem C-Max 2.0 TDCi sehr zufrieden, tolle Fahreigenschaften, niedriger Verbrauch, komfortable Ausstattung. Auch als Ghia ist er kein Premiumfahrzeug. Ok, das der DPF alle 120.000 Kilometer gewechselt werden muss (Bj. 2005) und die Inspektion dann über 500,- Euro kostet, ist total ärgerlich. Trotzdem: ich habe das Fahrzeug nicht mal 2 Jahre alt für 14.000 Euro gekauft, und werde ihn noch einige Jahre fahren, weil er mir exakt das bietet, was ich möchte. Und das ist letztlich ja die Relation, in die die Ergebnisse zwischen Audi und Dacia gesetzt werden müssen. Will ich Premium in jedem Detail, oder will ich ein preiswertes Auto, das mich von A nach B bringt? So wäre der eine nie mit dem anderen zufrieden.
dist-bln (25.06.2010, 13:41 Uhr)
@picatd95
Glückwunsch, das sie Ihre Probleme so in den Griff bekamen!
ich habe irgendwann bei VW aufgegeben... ein Polo mit mittlerer Ausstattung/ Motor- dieser verbrauchte 8 l/100km- genausoviel wie ein großer audi-kombi mit doppelter Motorleistung... der VW- Meister darauf- "wir wissen doch alle, das die Katalog- Verbrauchswerte nicht zu erreichen sind"... als dann auch noch die Pumpe der Zentralveriegelung kurz nach Garantieablauf den Geist aufgab und nur das Teil ohne Montage knapp 400 DM kosten sollte...

irgendwann dachte ich dann- egal! für den gleichen Preis gab es einen Fiat Barchetta (obwohl vor dieser kapitalen Motorreparatur gewarnt wurde). aber der Wagen fuhr sich super und war zuverlässig! als dann doch diese Reparatur anstand, übernahm Fiat die Hälfte aus Kulanz (anders als VW) und es kostete knapp 400 DM inkl. Montage etc...
unterm Strich bekam ich bei VW für 23.000 DM einen langweiligen Polo bei FIAT ein wirklich- tolles Cabrio... und insgesamt kosteten Reparaturen/ Wartungen etc. bei VW das Doppelte!

und heute? der neue Polo startet mit untermotorisierten 60 PS erst bei 12.000 Euro... den Rest kann man sich sicher denken!
picatd95 (25.06.2010, 12:45 Uhr)
VW Werkstatt
1. Mein Passat TDI hatte Probleme (rucklige Beschleunigung): Fehlerspeicher auslesen mit 5 Min Probefahrt hätte 120 Euro gekostet mit zwei Wochen Wartezeit. Habe dann bei Ebay ein Diagnosekabel geholt für 25 Euro und selber ausgelesen. 2. Dann wollten sie wahllos Komponenten tauschen (Turbolader, Einspritzpumpe). Im Internet gesucht; kann am Ladedruckregelventil liegen. Bei VW für 35 Euro gekauft und selber getauscht...seitdem kein Ruckeln mehr. 3. Wegfahrsperre sperrt Motorsteuergerät: VW will gleich ein neues Steuergerät einbauen. Wieder Internet; erstmal checken ob ein Kabelbruch oder oxidierte Kontakte der Grund sind. Bingo. Einmal sauermachen und es läuft wieder. Meine VW Markenwerkstatt ist ein reiner Komponententauscher ohne Rücksicht auf den Preis.
tobix (25.06.2010, 12:13 Uhr)
Autor versteigt sich am Ende
"Wenn ein Audi A8 exakt 858 Punkte erzielt, ein Dacia Logan aber beachtliche 839, führt ein mehrfach höherer Preis offenbar nicht zu entsprechend mehr "Glück" auf der Käuferseite."

Zu Beginn des Artikels wusste der Autor noch, dass die Zufriedenheit mit der Erwartung zusammenhängt.

Wer einen A8 fährt, wird mit einem Logan wohl kaum 98% der A8-Zufriedenheit empfinden.
dist-bln (25.06.2010, 10:56 Uhr)
Harte Daten- Manipulierte ADAC-Pannenstatistik
"Anders als die Daten von TÜV, Dekra oder ADAC basiert... nicht auf "harten" Daten"
diese Daten sind nicht "objektiv" sondern manipuliert- ein Hersteller muss nur ein eigenes Pannenfahrzeug schicken oder den ADAC- Einsatz bezahlen- dann taucht dieser nie in der Statistik auf und die Marke steht super !

ich werde mir den Dacia Duster ernsthaft anschauen- mit 105 PS Diesel, Allradantrieb- beides von Nissan- nur ca. 1.300 kg Leergewicht-
(da liegen die meisten Golf- Modelle deutlich darüber- ich glaube der Rekord kommt von BMW mit dem Z4- ein Modell für 2 Personen+ 2 Taschen wiegt da ca. 1.800 KG)
der Duster kostet in Vollausstattung mit ESP, Leder... etc. nur 18.000 Euro...
da können mir Golf & Co. gestohlen bleiben..!
Silbador (25.06.2010, 09:14 Uhr)
Auch wir haben die Marke gewechselt,
da unser OPEL Vectra C CDTI mit nicht einmal 100 Tkm (und keine 5 Jahre alt) kapitale Schäden an der Abgasanlage und einen Ausfall in der Elektronik hatte. Alles in Allem mehr als 3000 Euro Schaden und OPEL war nicht kulant - Garantie vorbei, Pech gehabt.
Mal sehen, ob es OPEL in 5 Jahren noch gibt. Wir werden jedenfalls keinen mehr kaufen.
Resetti (25.06.2010, 09:01 Uhr)
Das Auto als Statussymbol .....
.... ist was für Charakterschwächlinge oder etwas für Leute, die genug Geld haben. Mich für einen Audi, Benz, BMW für die nächsten 10 Jahre in Schulden zu stürzen nur um eine Premiummarke zu fahren? Nee, ich habe mir vor rund 7 Jahren einen "Reiskocher" (Mazda) gekauft, der war gerade mal halb so teuer und dazu noch besser ausgestattet. Erfahrung mit Werkstätten der Firma hätte ich auch gerne gemacht, nur gab es ausserhalb der Inspektionen keinen Anlass dazu. Das einzige was in 6 Jahren und nach 110000 km kaputt gegangen ist, war eine Bremslichtbirne (und die habe ich selbst gewechselt). So sieht Zufriedenheit aus......
Pixelschubser (25.06.2010, 09:00 Uhr)
Premium? Was soll das?
Ehrlich gefargt: Was bringt es heute noch, ein "Premium"-Auto zu fahren? In meinen Augen istd as rausgeschmissenes Geld, das man durchaus sinnvoller einsetzen kann.
Ich fahre einen neuen KIA Cee'd, der ausgestattet ist mit allem, was das Herz begehrt, Platz hat wie ein Audi A4 und weniger kostet als ein Polo - und einen Citroen C2, der mich sicher, sparsam und mit viel viel Spaß zur Arbeit und wieder zurück bringt. Ich habe mit beiden Werkstätten und Händlern nur gut Erfahrungen machen können - was ich von den Kollegen von VW und Opel zuvor nicht behaupten konnte.

Premium? "Premium" braucht jeder, der selbst nichts zu bieten hat.
MarkusDippold (25.06.2010, 06:59 Uhr)
Ja, so ist das ...
... denn gurndsätzlich kann ich das auch bestätigen, was da so bisher an Kommentaren geschrieben wurde. Wenn man in einer Werkstatt reinkommt und vom Meister im Vorbeigehen gefragt wird "Wer sind Sie und was was wollen sie?", ist man schon versucht zu antworten: "Ich bin der Weihnachtsmann und hätte gerne ein Kilo Hackfleisch". Nach zwei weiteren negativen Vorfällen (unter anderem Steuergerät kaputt nach nur drei Tagen und dann das endlose Hickhack um den Garantieaustausch) dort habe ich mir eine andere Werkstatt gesucht und bin bisher zufrieden (immer persönliche Begrüßung, Kaffee für lau, aber nicht lau ;-) ).
So, die Modellpolitik der Hersteller ist aber auch ein Problem für mich, weshalb ich immer noch meinen inzwischen 12 Jahre alten Van fahre. Ein vergleichbares und von mir auch bezahlbares Fahrzeug gibt es derzeit einfach nicht. Das, was ich damals in DM dafür hingeblättert habe, reicht heute nichtmal in Euro bei etwas gleicher Ausstattung. Also fahre ich meine Kiste weiter bis zur Volljährigkeit und wenn sie hält, dann auch noch länger. Bios es eben ein Youngtimer ist, wie schon JoachimBuch geschrieben hat.
Ein weiteres Manko ist auch die Ausstattungspolitik, was die zusätzlichen Features betrifft. Warum muß ich immer ein fest instelliertes Navi mitkaufen, wenn ich einen Bordcomputer haben will oder auch nur eine bessere Radioanlage drinhaben will? ICH WILL KEIN FESTINSTALLIERTES NAVI!!! Geht das nicht in euren Schädel rein, ihr Prospektdrucker? "Ja aber wenn man doch schon ein großes Display hat, dann könnte man doch auch ..." "Ja und? Da sollen die Radiodaten und/oder BC-Daten angezeigt werden. Ein externes Navi ist aktueller, ich kann's schon im Wohnzimmer am Computer programmieren - und außerdem ist es viel billiger ..."
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