Glitazone sind noch nicht lange auf dem Markt. Fachleute meinen, diese Wirkstoffe hätten keinen Vorteil gegenüber anderen Tabletten. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQwiG) im Gesundheitswesen (IQwiG), eine unabhängige wissenschaftliche Einrichtung, sieht sogar überhaupt keinen Nutzen: Glitazone hätten viele Nebenwirkungen, seien nicht besser als langjährig erprobte Wirkstoffe wie Metformin oder Sulfonyl-Harnstoffe, und es lägen nur wenige Informationen darüber vor, ob die Substanzen auf lange Sicht taugen.
Viele Experten halten Glitazone lediglich für überschätzt: Bis heute fehlen wissenschaftliche Daten, die belegen, dass diese Substanzen besser vor typischen Komplikationen schützen als andere Therapien. Seit der Zulassung für den Wirkstoff Rosiglitazon im Oktober 2010 zurückgezogen wurde, steht mit Pioglitazon nur noch ein Medikament aus der Gruppe der Glitazone zur Verfügung.
Der Wirkmechanismus dieser Newcomer-Präparate ist im Detail unbekannt. Glitazone scheinen die Zellen im Fettgewebe, in den Muskeln und in der Leber empfindlicher für Insulin zu machen. Daher nehmen diese Zellen besser und schneller Zucker auf, die Blutzuckerkonzentration sinkt entsprechend. Die Folgen: Sowohl der Blutzuckerwert nach dem Essen als auch der HbA1c-Wert, der Blutzucker-Langzeitwert, sinken.
Ihr Diabetologe kann Ihnen Tabletten aus der Wirkstoffgruppe der Glitazone vorschlagen, wenn Sie Metformin und Sulfonyl-Harnstoffe nicht vertragen. Oder er verordnet Ihnen diesen Wirkstoff in Kombination mit anderen Präparaten, wenn deren Wirkung allein nicht ausreicht. Entsprechende Kombipräparate mit Metformin sind bereits auf dem Markt.
Glitazone haben zahlreiche Nebenwirkungen: Sie machen dick, gemäß einer Studie nehmen Patienten etwa vier Kilo zu. Außerdem kann es zu Wassereinlagerungen im Körper kommen. Insbesondere der Wirkstoff Rosiglitazon steht im Verdacht, das Herzinfarktrisiko zu erhöhen.
Wenn Sie bereits einen Schlaganfall erlitten haben, kann der Wirkstoff Pioglitazon weitere Schlaganfälle verhindern - allerdings steigt gleichzeitig das Risiko, eine Herzschwäche zu bekommen. Frauen leben mit Glitazonen besonders gefährlich: Wenn sie die diese Substanzen einnehmen, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, dass die Knochen brechen. Für schwangere oder stillende Frauen sowie Personen, die herz- oder leberkrank sind, kommt diese Wirkstoffgruppe nicht in Frage. Alkohol sollte man nicht zu sich nehmen, wenn man Glitazone einnimmt.
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat im Juni 2010 beschlossen, dass Glitazone nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden. "Bei den Glitazonen steht nach gründlicher Abwägung des Nutzen-Schaden-Verhältnisses fest, dass der mögliche Schaden beispielsweise in Form von Herzinsuffizienzen und Knochenbrüchen als Folge dieser Arzneimitteltherapie in der Versorgung deutlich überwiegt. Es stehen zudem andere Präparate zur Verfügung, die keine derartigen unerwünschten Nebenwirkungen und Langzeitrisiken haben", sagte Rainer Hess, der Unparteiische Vorsitzende des G-BA.
Auch das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) rät inzwischen davon ab, Pioglitazon weiter einzusetzen.