16. Februar 2011, 16:39 Uhr

Googles flotter Dreier

Konkurrenz für Apples iPad: Auf dem Mobile World Congress in Barcelona gibt es die ersten Tablet-PCs zu sehen, die auf Googles neuem Android-Betriebssystem "Honeycomb" laufen. stern.de hat aus der Honigwabe genascht. Von Ralf Sander, Barcelona

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Google ganz in Grün: Das Android-Maskottchen dominiert den World Mobile Congress in Barcelona©

Kleine grüne Männchen überall. Das Maskottchen des Smartphone-Betriebssystems Android - ein kleiner grüner Roboter - grinst dem Besucher des Mobile World Congress (MWC) im Minutentakt entgegen. Von T-Shirts, als Bonbonschalen-Halter am Messestand, sogar als Ansteck-Pin in rund 40 Varianten. Wer irgendetwas mit Googles Betriebssystem Android zu tun hat, bekennt sich dazu - ob App-Entwickler, Businesspartner oder Gerätehersteller. Und so dominiert in Barcelona nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch Android die weltgrößte Messe für mobile Kommunikation.

Apple, der große Gegner, fehlt allerdings, wie immer. In der Welt der Smartphones sind iPhone und die Android-Geräte die Supermächte. Bei den derzeit angesagten Tablets hat Google dem iPad von Apple nichts entgegenzusetzen – bis jetzt. Die heiß erwartete, speziell für Tablets optimierte Android-Version 3.0 steht kurz vor der Fertigstellung. stern.de hat auf dem MWC das Betriebssystem mit dem Codenamen "Honeycomb" (Honigwabe) erstmals ausprobiert.

Größe zählt doch

Weil Tablets größere Displays haben als Smartphones, bedient Android 3.0 höhere Auflösungen als die bisherigen Versionen. Beim Xoom des US-Herstellers Motorola mit seinem 10,1-Zoll-Bildschirm sind das beispielsweise 1280 x 800 Pixel. Doch die neue Schärfe ist nicht die offensichtlichste Veränderung: Bei "Honeycomb" herrscht viel Bewegung auf der Oberfläche. "Eine der wichtigsten Neuerungen sind die aktiven Widgets", sagt Motorola-Manager Andrew Morrow. Widgets gibt es bei Android schon länger - das sind Informationsschnipsel, die zum Beispiel das Wetter, den nächsten Termin oder aktuelle Nachrichten anzeigen und beliebig auf dem Bildschirm angeordnet werden können.

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Bei "Honeycomb" herrscht viel Bewegung auf der Oberfläche: das Motorola Tablet Xoom©

"Mit den neuen, aktiven Widgets kann der Nutzer interagieren. Früher startete sofort das dazugehörige Programm, wenn man ein Widget antippte", erklärt Morrow. Bei "Honeycomb" hingegen kann man sich beispielsweise im E-Mail-Widget mit einer Fingerbewegung durch die Nachrichten scrollen und die gesuchte Mail direkt aufrufen. Genauso funktioniert auch das Kalender-Widget. Fotos, aber auch die Browserfavoriten, können als eine kleine Bildergalerie dargestellt werden. Besonders stolz ist Morrow auf das neue Youtube-Widget: Die Vorschaubilder der Videos werden schräg hintereinander angeordnet, man kann wie durch eine Sammlung von Plattencovern blättern. Macht der User nichts, wird automatisch alle paar Sekunden weitergeblättert. Für Youtube-Videos gibt es außerdem eine aufgehübschte Abspielstation. Einen Riesensprung hat auch die überarbeitete Version von Googlemail gemacht, die neue mehrspaltige Darstellung ist übersichtlicher und praktischer.

Hübsch und aufgeräumt

Generell sieht "Honeycomb" edler aus als die bisherigen Smartphone-Androids, dank hübscher Animationen und neu gestalteter Designelemente. Die aktiven Programme kann man sich als kleine Fenster anzeigen lassen und so schnell zwischen ihnen hin- und herspringen - ähnlich wie beim Mac und Windows. Und wer Widgets oder Programmsymbole auf dem Desktop ablegen oder verschieben will, muss sich nicht mehr mühsam durch die fünf für Android typischen Bildschirmseiten scrollen, um einen freien Platz zu finden. Bei "Honeycomb" teilt sich dafür der Bildschirm, in der oberen Hälfte gibt es die Vorschau aller fünf Seiten, während unten alle zur Verfügung stehenden Icons und Widgets versammelt sind. Sie können einfach an ihren Platz in der Übersicht gezogen werden. Kurz: Für die großen Bildschirme der Tablets wurde Android ein ordentlicher Wohlfühlfaktor spendiert. Dazu passt auch, dass "Honeycomb"-Geräte keine Tasten mehr haben. Die vier Tasten, die für Android-Smartphones Pflicht sind, wurden durch Schaltflächen am unteren Bildschirmrand ersetzt.

Der erste Eindruck von Android 3.0 ist positiv, sein wahres Potenzial wird aber erst dann deutlich werden, wenn mehr Apps verfügbar sind. "Es wird einen speziellen Android-Markt für 'Honeycomb' geben", sagt Motorola-Mann Andrew Morrow, "das ist schon aufgrund des größeren Bildschirms und der aktiven Widgets notwendig." Apps, die nicht für Android 3.0 angepasst wurden, werden zwar laufen, allerdings aufgrund ihrer geringeren Auflösung entweder sehr pixelig aussehen oder einen schwarzen Rand haben. "Das entscheiden die App-Entwickler", so Morrow.

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