
Analoginsuline sind nicht besser als herkömmliches Humaninsulin, entschied das Iqwic© Colourbox
"Die Entscheidung, Sawicki zu entlassen, ist eindeutig politisch motiviert", sagt der Herausgeber des pharmakritischen "Arznei-Telegramms", Wolfgang Becker-Brüser zu stern.de. Die kritische Arzneimittelbeurteilung werde dadurch entscheidend geschwächt. "Sawicki hat sich bei seiner Beurteilung von Medikamenten immer auf wissenschaftliche Studien gestützt und sich nicht auf einen Handel mit den Pharmafirmen eingelassen", meint der Pharmazeut und Arzt. Bei der sogenannten evidenzbasierten Medizin muss ein Medikament in randomisierten und kontrollierten klinischen Studien beweisen, dass es besser ist als die bereits erhältlichen. Nun werde wohl ein industriefreundlicherer Kandidat den Posten erhalten, befürchtet Becker-Brüser. Zum Schaden der Verbraucher: "Langfristig treibt das die Krankenkassenbeiträge wieder hoch."
Auch international findet der Fall Sawicki Beachtung. Das renommierte Wissenschaftsmagazin "Science" berichtet in der aktuellen Ausgabe über die Entscheidung, die zu Druckschluss noch nicht gefallen war. Zu Wort kommt Gerd Antes, Direktor des deutschen Cochrane-Zentrums, der meint, dass Sawickis Ausscheiden die Arbeit des Iqwig untergraben würde. Es sei Teil einer politischen Strategie, die strengen Verfahren bei neuen Medikamenten und Medizinprodukten zu lockern.
Auch SPD, Grüne und Linke warnen, durch die Ablösung solle der Einfluss der Pharmaindustrie wachsen. Die Vorwürfe an Sawicki hinsichtlich der Amtsführung seien "lächerlich" und "vorgeschoben", sagte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zu stern.de. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass Union und FDP dass Institut nicht nach den Regeln der evidenzbasierten Medizin laufen lassen wollten. "Sawicki war für die Neuausrichtung des Instituts der falsche Mann. Deswegen musste er entsorgt werden", kritisiert Lauterbach.
Bei den Grünen sieht man das ähnlich: "Es ist schäbig, Sawicki über die Spesenabrechnung loswerden zu wollen. Weil es klar ist, dass der Hintergrund ein anderer ist, nämlich ein politischer: Man will einen Pharmakritiker kaltstellen", sagte Birgitt Bender, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, zu stern.de. "Wenn durch diese Personalentscheidung die Arbeit des Instituts weichgespült werden soll, werden das die Versicherten teuer bezahlen. Denn dann würden Mondpreise für Medikamente mit wenig Nutzen verlangt und die falschen Anreize für die Pharmaindustrie gesetzt." Die gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Martina Bunge, erklärte, mit der Entscheidung würden "alle enttäuscht, die sich ein unabhängiges Gegengewicht zur Übermacht der Pharmakonzerne wünschen".
Vorwürfen, die Arzneiprüfungen lockern zu wollen ist die Bundesregierung bereits entgegengetreten. Das Iqwig leiste eine notwendige und gute Arbeit, sagte Gesundheitsstaatssekretär Stefan Kapferer. "Eine Lockerung der Prüfregeln soll es nicht geben." Für den Posten als neuer Chef des Iqwig ist stern.de-Informationen zufolge unter anderem Leo Hansen von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein im Gespräch.