Syphilis, auch Lues genannt, ist eine bakterielle und chronisch verlaufende Krankheit. Ihre Erreger dringen durch winzige Verletzungen der Schleimhaut oder Haut in den Körper ein. Zu 90 Prozent wird sie beim Sex übertragen. Eine unbehandelte Syphilis verläuft in vier Stadien. Zwischendurch gibt es auch immer wieder Phasen ganz ohne Beschwerden und Entzündungen. Betroffene wiegen sich dann in einer trügerischen Sicherheit und denken, sie seien gesund. Bei etwa 30 Prozent aller Fälle gibt es tatsächlich Spontanheilungen.
Im ersten Stadium geht es mit einer Entzündung los. Die zeigt sich etwa zwei bis drei Wochen, nachdem Sie sich angesteckt haben. Ob sie am Penis, an den Schamlippen oder in der Scheide, im Mund oder am Anus entstehen, ist abhängig von Ihren Sexualpraktiken. Es bildet sich zunächst ein kleines Knötchen, das sich in ein meist schmerzloses hartes Geschwür verwandelt. Das Geschwür ist gerötet und sondert eine farblose Flüssigkeit ab, die viele Erreger enthält. Außerdem können die Lymphknoten der Umgebung anschwellen. Dieses Geschwür heilt allerdings auch ohne Behandlung nach vier bis sechs Wochen ab. In den ersten Wochen ist die Syphilis extrem ansteckend. Verzichten Sie in dieser Zeit völlig auf Sex. Da die Schleimhäute verletzt sind, ist auch das Risiko hoch, sich mit dem HI-Virus anzustecken.
Das zweite Stadium beginnt nach etwa acht Wochen. Die Betroffenen sind matt und fiebrig, haben Gelenk- und Kopfschmerzen - ähnlich wie bei einem grippalen Infekt. Die Lymphknoten können jetzt überall am Körper anschwellen. Haut und Schleimhaut bekommen verschiedene Ausschläge, nässende hoch ansteckende Geschwüre und trockene Knötchen. Sie sind ganz unterschiedlich geformt. Manchmal zeigen sich zudem Pigmentstörungen: weiße erbsengroße Flecken rund um den Hals - das so genannte "Halsband der Venus". Auch die Haare können ausfallen. Im Laufe des zweiten Stadiums verringert sich die Ansteckungsgefahr wieder. Nach ein bis zwei Jahren klingen die Ausschläge ab. Und auch die Haare wachsen wieder nach.
Das dritte Stadium startet mit einer symptomfreien Zeit, die ein oder sogar mehrere Jahre dauern kann. Die Syphiliserreger sind trotzdem aktiv und wüten im Körper: Sie befallen nun die inneren Organe. Geschwülste, so genannte Gummen, können sich am Herzen, in der Lunge, im Auge oder am Hoden bilden und deren Funktion beeinträchtigen. Die Kranken leiden wieder unter Hautausschlägen und -veränderungen.
Das vierte und letzte Stadium, die so genannte Neurosyphilis, tritt meistens erst nach zehn bis zwanzig Jahren auf. Jetzt ist das Nervensystem betroffen, die Hirnhäute, Nervenknoten und Nervenstränge. Die Betroffenen quälen sich mit fortschreitenden Lähmungen, Schmerzanfällen und psychischen Störungen, die schließlich zu Demenz und Tod führen. Die Spätsyphilis ist aber dank der Behandlung mit Penicillin selten geworden.
Wenn Sie befürchten, sich mit Syphilis angesteckt zu haben, gehen Sie sofort zum Arzt. Er kann eine Infektion meist sehr gut nachweisen. Dafür nimmt er einen Abstrich an den betroffenen Hautstellen und bestimmt den Erreger. Der Arzt wird Ihnen dann Penicillin verschreiben. Falls Sie dagegen allergisch sind, nehmen Sie andere Antibiotika. Ganz wichtig: Lassen Sie sich frühzeitig und konsequent behandeln, dann werden die Erreger auch abgetötet. Und bis zum Ende des zweiten Stadiums kann die Krankheit vollständig ausheilen. Wenn Ihre Syphilis erst in der Spätphase entdeckt wird, ist sie zwar immer noch zu stoppen. Aber die Schäden an den betroffenen Organen bleiben.