Wenn die Arbeit krank macht

Nicht nur Pollen oder Tierhaare können Allergien auslösen, sondern auch Stoffe aus dem Berufsumfeld: Bäcker reagieren auf Mehlstaub, Friseure auf Haarfärbemittel, Ärzte auf Desinfektionsmittel.

Für viele junge Menschen endet die Ausbildung, bevor sie richtig begonnen hat. Sie müssen ihre Lehrstelle, die sie vielleicht nur mit viel Mühe gefunden haben, wieder abbrechen, weil sie allergisch auf bestimmte Stoffe in ihrem Arbeitsumfeld reagieren. 30.000 Jugendlichen ergeht es jedes Jahr so.

Insgesamt ist die Zahl der beruflich bedingten Hauterkrankungen in den vergangenen 20 Jahren stark gestiegen. Betroffene leiden doppelt darunter, weil mit der Erkrankung oft auch eine große Zukunfts- und Existenzangst einhergeht.

Der wirtschaftliche Schaden sei ebenfalls enorm, sagt der Dermatologe und Allergologe Swen Malte John von der Universität Osnabrück. Da die Behandlung meist sehr lange dauert, fällt der Betroffene auf unbestimmte Zeit im Job aus. Hinzu kämen Kosten in Höhe von bis zu 100.000 Euro für eine Umschulung sowie der indirekte Schaden aufgrund des Produktivitätsverlusts.

Mit zunehmendem Alter werde es außerdem schwieriger, wieder ins Arbeitsleben zurückzufinden, sagt John. Der stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Berufsdermatologie schätzt, dass für die Volkswirtschaft Folgekosten von mehr als 1,25 Milliarden Euro im Jahr allein aufgrund von Arbeitsausfall entstehen. Die direkten Kosten für berufsbedingte Hauterkrankungen beziffert er mit mehr als vier Milliarden Euro.

Besonders betroffen: Haut und Atemwege

Die meisten beruflich bedingten Erkrankungen in Deutschland betreffen die Haut. Bei 90 bis 95 Prozent dieser Hautprobleme handelt es sich um Kontaktekzeme, die sich wiederum meist an den Hände äußern. Die häufigste Form sind so genannte akut-toxische Kontaktekzeme, die durch das direkte Einwirken von Säuren, Laugen oder anderen aggressiven Chemikalien entstehen. An zweiter Stelle der beruflich bedingten Hauterkrankungen steht schon das allergische Kontaktekzem, bei dem es im Körper zu folgender Reaktion kommt: Zunächst entsteht unbemerkt die für eine Allergie typische Sensibilisierung gegenüber dem jeweiligen Kontaktallergen. Bei erneutem Kontakt mit der Substanz in einer eigentlich ungiftigen Konzentration bildet sich dann das Ekzem. Da die Haut meist vorher schon gereizt und geschädigt war, funktioniert die Barriere- oder Schutzfunktion der Haut nicht mehr so gut, so dass Allergene leichter eindringen können.

Eine weitere häufige berufsbedingte Erkrankung ist das Asthma bronchiale. Etwa 1.200 bronchienverengende Atemwegserkrankungen werden jedes Jahr als Berufskrankheit anerkannt, in drei von vier Fällen liegen allergische Prozesse zugrunde. Hierbei ist es so, dass der Körper, nachdem der Betroffene das Allergen eingeatmet hat, verstärkt IgE-Antikörper (IgE) bildet. Das ist die Phase der Sensibilisierung. Bei erneutem Kontakt mit dem Allergen werden dann Histamin und andere Botenstoffe ausgeschüttet, um das Allergen zu bekämpfen - worauf sich die Bronchien zusammenziehen, die Schleimhäute anschwellen und verstärkt Schleim produziert wird.

Auch die so genannte exogen allergische Alveolitis wird durch eingeatmete Allergene verursacht. Hierbei lösen organische Stäube eine entzündliche Reaktion aus: Sie dringen in die Lungenbläschen ein und führen nach entsprechender Sensibilisierung sowie erneutem Einatmen zu einer Entzündung des Lungengewebes und der kleinsten Bronchien. Dabei können grippeähnliche Symptome entstehen, sowohl vier bis zwölf Stunden (Typ-III-Reaktion) als auch noch Tage bis Wochen nach Allergenkontakt (Typ-IV-Reaktion). Sie verschwinden aber schnell wieder, sobald der Patient nicht mehr mit dem problematischen Allergen belastet ist.

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Der stern-Experte
Prof. Dr. med. Torsten Zuberbier und sein Team von der Berliner Charité und der europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) stehen dem Ratgeber Allergie ehrenamtlich als Experten zur Seite.