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10. November 2009, 09:39 Uhr
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"Zweiklassenmedizin? Absoluter Quatsch!"

Wirbel um die Schweinegrippe-Impfung: Neben der Bundeswehr bekommt auch die Bundesregierung einen anderen Impfstoff. Die Aufregung ist groß, zu groß? "Wer von Zweiklassenimpfstoffen spricht, blickt nicht durch", kritisiert Wolfgang Becker-Brüser vom pharmakritischen Arznei-Telegramm. Von Lea Wolz

Schweinegrippe, Impfung, Pandemrix, Glaxo-Smith-Kline, H1N1

50 Millionen Dosen des Impfstoffs "Pandemrix" werden ab diesem Montag unter anderem an Arztpraxen verteilt© Conor Cahill/DPA

In Deutschland wird es gegen die Schweinegrippe zwei Impfstoffe geben: Einen für die Bundeswehr und die Bundesregierung und einen anderen für die breite Bevölkerung. Mitglieder der Bundesregierung, der Ministerien, Behörden und der Bundeswehr werden mit dem Impfstoff "Celvapan" des Herstellers Baxter geimpft. Die 200.000 dafür bestellten Dosen enthalten keine Wirkverstärker, sogenannte Adjuvantien. In dem Impfstoff "Pandemrix" von Glaxo-Smith-Kline, der für die Bevölkerung gedacht ist, sind die umstrittenen Zusatzstoffe dagegen beigemischt. "In diesem Zusammenhang von einer Zweiklassenmedizin zu sprechen, ist allerdings absoluter Quatsch", sagt Wolfgang Becker-Brüser, Herausgeber des pharmakritischen Arznei-Telegramms. Auch der Impfstoff, den die Behörden für sich reserviert haben, sei keinesfalls besser. "Den möchte ich auch nicht haben", meint der Arzt und Apotheker.

Das Problem dabei: "Celvapan" ist zwar ohne Wirkverstärker, allerdings ist das Vakzin auf Zellen von Grünen Meerkatzen gezüchtet und nicht auf Hühnereiern wie der traditionelle Impfstoff. Viel Erfahrung hat man daher auch mit diesem Impfstoff nicht. "Klinisch wurde 'Celvapan' nur an wenigen Personen und unter unzureichend kontrollierten Bedingungen getestet", sagt Becker-Brüser. Für Schwangere wäre diese Vakzine daher ebenfalls nicht geeignet - auch wenn sie keine Wirkverstärker enthält.

Doch warum werden Adjuvantien eingesetzt? Und was ist das Gefährliche an ihnen? Um einen Menschen zum Lachen zu bringen, können Sie entweder einen guten Witz erzählen oder gleich auf Nummer sicher gehen und mit einplanen, dass sie Ihr Gegenüber auch kitzeln. Ähnlich funktionieren die Wirkverstärker. Werden Sie Impfungen zugesetzt, ist weniger Antigen nötig. Die Adjuvantien stacheln das Immunsystem an und ermöglichen so, den Impfstoff zu strecken. Für eine Dosis werden weniger Antigene gebraucht. Die benötigten Impfdosen können daher schneller hergestellt werden - ein immer wieder beschworener Vorteil. Auch bei Krankheiten, bei denen das Immunsystem nicht so stark wie gewünscht auf die Eindringlinge reagiert - bei Aids zum Beispiel oder bei Malaria - kann der Einsatz von Wirkverstärkern durchaus sinnvoll sein. Bei dem bis jetzt sehr milden Schweinegrippevirus schießt man allerdings mit Kanonen auf Spatzen. Ob der Einsatz gerechtfertigt ist, ist daher fraglich - erst recht, da die Wirkverstärker nicht ganz so harmlos sind wie ein Kitzeln.

Adjuvantien: Bei H1N1 kein Nutzen, aber zusätzliches Risiko

Da sie die Immunabwehr gegen die Erreger aufwiegeln, können auch die Nebenwirkungen schlimmer ausfallen: Schwellungen und Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Fieber und Schüttelfrost zählen dazu. Wie das pharmakritische Arznei-Telegramm deutlich macht, ist es auch möglich, dass das Beigemisch die Häufigkeit eigentlich seltener, aber gravierender Nebenwirkungen erhöht, die nach dem Impfen auftreten können: Dazu zählt auch die Nervenkrankheit Guillain-Barré-Syndrom, die mit Lähmungserscheinungen einhergeht. Darüber, wie solche Impfungen mit einem Verstärkergemisch wirken, weiß man insgesamt noch wenig, da sie bis jetzt noch nicht großflächig zum Einsatz gekommen sind.

Problematisch ist allerdings vor allem eins: An Schwangeren und Kindern wurde dieser Impfstoff noch gar nicht oder unzureichend getestet. Dabei benötigen genau diese beiden Gruppen vorrangig einen Schutz gegen die Schweinegrippe. Es liegt also in der Hand der Ärzte, in jedem Einzelfall eine Abwägung zwischen Risiko und Nutzen zu treffen - ohne gesicherte Datenlage. Das Bundesgesundheitsministerium hat erst relativ spät auf dieses Dilemma reagiert: Anfang Oktober gab eine Sprecherin bekannt, dass Gespräche mit den Pharmakonzernen geführt würden, um für Schwangere einen nichtadjuvantierten Impfstoff nachzubestellen. Von Kindern ist bis jetzt nicht die Rede.

Doch warum hat die Deutsche Regierung eigentlich auf die adjuvantierte Variante gesetzt? "Sie haben sich in dem Vertrag von 2007, der angesichts der Vogelgrippe geschlossen wurde, auf Pandemrix geeinigt, dessen Antigen in Dresden bei Glaxo-Smith-Kline produziert wird", sagt Becker-Brüser. "Ohne einen Passus einzufügen, dass bei Bedarf noch einmal geprüft wird, ob der Erreger tatsächlich eine Wirkverstärker-Technik benötigt." Bei dem H1N1-Virus sei dies nicht der Fall, hier würden die Adjuvantien nur ein zusätzliches Risiko bedeuten.

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KOMMENTARE (10 von 25)
 
KurtRech (21.10.2009, 04:33 Uhr)
@sophia7519
ich bin kein quecksilberspezialist. ich habe mich jetzt etwas schlau gemacht. alles ohne gewähr.

die quecksilberverbindung, um die es hier geht, heisst Thiomersal. Thiomersal ist in deutschland auch in kosmetischen artikel erlaubt (zur Haltbarmachung von Schmink- und Abschminkmitteln für die Augen). ausserdem wird es zur Konservierung von Reinigungs- und Aufbewahrungslösungen für Kontaktlinsen verwendet. Thiomersal kann zu Konservierung von Augentropfen in Mehrdosenbehältnissen, für die eine Konservierung zwingend vorgeschrieben ist, von Nasen- und Ohrentropfen sowie von topischen Zubereitungen verwendet werden.

in den usa aber auch in europa ist er bei gewissen leuten umstritten.

ich habe auch gelesen, dass diese verbindung seit 40 jahren in gewissen impfstoffen gebraucht wird. es ist also auch möglich, dass du früher bereits bei einer anderen impfung was abgekriegt hast. es gibt bis heute keine beweise, dass die verbindung schädlich ist. trotz allem, aus sicherheitsgründen, wird trotzdem versucht, darauf zu verzichten in der zukunft, was aber nicht dringlich ist. . in wieweit das bis heute umgesetzt ist weiss ich nicht, ausser bei kinderimpfungen ist man schon weiter.

ausserdem wird betont, dass Thiomersal nur in kleinstmengen im impfstoff ist, und liegt deutlich unter dem wert, den ein erwachsener aufnehmen darf.

auch musste ich in einem artikel lesen, dass fische immer wieder mit quecksilber "verunreinigt" sind. trotzdem wird empfohlen, weiterhin fisch zu essen, da der nutzen überwiegt.

so wie ich das ganze interpretiere:

ob fisch, ohrentropfen, kosmetika, (früheren) impfungen, etc. wir alle kamen schon mit Thiomersal in kontakt. in hohen dosen ist es gefährlich; eingesetzt aber mit dieser impfung errachte ich es persönlich nicht als problem.

lasse mich gerne andersweitig belehren. gerne mit quellenangaben.

quellen: nzz, paul-ehrlich-institut, wiki, swiss paediatric, google
sophia7519 (20.10.2009, 18:32 Uhr)
Die Impftoten
Die Rechnung geht natürlich auf. Zieht man alle Toten, die den Nebenwirkungen der Impfung mit Quecksilber erlagen, prozentual bei der Gesamtzahl aller Opfer hinterher ab, ergibt das automatisch den reduziertenten Todessatz und zeigt wieso es ohne Impfung viel schlimmer gekommen wäre.
also_ne... (20.10.2009, 14:54 Uhr)
@ ramteid, @Gaffelfall
Artikel gelesen?
Steht alles drin. Begründet sogar.
ramteid (20.10.2009, 12:41 Uhr)
Gab es so etwas schon einmal?
Von absotem Quatsch zu sprechen ist schon mehr als Quatsch. Warum die zwei verschiedenen Impfstoffe für zwei Gruppen. Für Regierung und das Volk, das allein wirft ja die Frage überhaupt auf. Wer bezahlt das auch noch? Wer hat es veranlasst? Ist es Ulla Schmidts letzte Rache? Es ist mehr als ein Skandal!
Gaffelfall (20.10.2009, 11:52 Uhr)
Subabsolut
> In diesem Zusammenhang von einer Zweiklassenmedizin zu sprechen, ist allerdings absoluter Quatsch", sagt Wolfgang Becker-Brüser <

Ja - solch ein starkes Argument überzeugt immer, Herr Becker-Brüser; auch erläutert.
Bebuquin (20.10.2009, 08:36 Uhr)
@KurtRech
"obwohl man die situation von damals mit heute nicht 1:1 vergleichen kann, zeigt es auf, wie gefährlich eine pandemie werden könnte.
"
--> Wobei man auch bedenken sollte, dass es vor der damaligen Pandemie einen jahrelangen Weltkrieg mit entsprechender Belastung für die Bevölkerung gab. Dass da ein Virus genügend Spielraum findet, wundert mich nicht.
endbenutzer (20.10.2009, 07:57 Uhr)
Wenn es keinen Unterschied gibt, können...
...wir ja alle den Impfstoff ohne Wirkverstärker nehmen, oder?
Tempelhofer (20.10.2009, 06:59 Uhr)
@ Kurt Rech
Haben Sie vielen Dank für diese Klarstellung.

Leider dürfte dies die links- und rechtsextremen Kritiker hier nicht beeindrucken. Um die Sache geht es denen schon lange nicht mehr, an Fakten sind die nicht interessiert. Die wollen nur Ihren Hass auf alles und jeden loswerden.

Erst haben sich die Linken und Rechten hier beschwert, die ganze Impfung ist ein Fake, und so völlig überflüssig, jetzt schimpfen die rum, dass der verabreichte Impfstoff nicht gut genug ist. Wofür oder wogegen diese Extremisten sind, ist ohnehin völlig gleichgültig, und jederzeit austauschbar. Hauptsache, die können wieder ihre Brandsätze werfen.
KurtRech (20.10.2009, 05:55 Uhr)
AUFKLÄRUNG
hier ein paar objektive fakten zur schweinegrippe-und impfung:

warum wirkverstärker?

man setzt auf wirkverstärker, da damals am anfang der pandemie davon ausgegangen werden musste, dass nicht soviel antigen-serum erzeugt werden konnte für die ganze welt. mit wirkverstärker braucht man viel weniger serum.

vorteile: mit wirkverstärker werden auch gewisse mutationen des schweinegrippevirus abgedeckt

nachteil: eventuell kurzfristige stärkere immunantwort wie hautrötungen und gliederschmerzen.
kritiker bemängeln zu wenige studien

der impfstoff mit wirkverstärker wurde an zehntausenden von menschen getestet ohne grosse probleme.

der wirkverstärker von novartis (nicht in D erhältlich) wird für die saisonale grippe seit 12 jahren an über 30mio eingesetzt ohne probleme.

wieso impfen wenn grippe so mild? der grund ist, dass man nicht weiss, wie sich die schweinegrippe entwickeln wird. das steht in den sternen. einen blick in die vergangenheit, 1918-1920 "spanische-grippe", auch ein h1n1-virus, forderte weltweit 25 mio todesopfer. "interessant" ist: bei der 1. welle der spanischen grippe 1918 die im frühling/sommer ausbrach, gab es wenige tote. erst die 2. welle im herbst war so stark, dass es mio. von tote gab.

obwohl man die situation von damals mit heute nicht 1:1 vergleichen kann, zeigt es auf, wie gefährlich eine pandemie werden könnte.

da ich gerüstet werden will für den möglichen ernstfall, bin ich froh, dass ich die impfung MIT wirkverstärker erhalte, da diese gewisse mutationen abdeckt.

schwanger oder kleinkind? da ist die empfehlung, nicht mit wirkverstärker zu impfen, da es keine tests gibt an schwangeren. ob man (falls vorhanden) ohne wirkverstärker impfen soll, muss man mit dem arzt besprechen.

warum haben gewisse leute (krisenstäbe, bundeswehr etc.) anderen wirkstoff ohne wirkverstärker? siehe meine antwort vom (20.10.2009, 05:20 Uhr).

sehr zu empfehlen kann ich die impfneuigkeiten und empfehlungen des paul-ehrlich-institutes: www.pei.de

hoffe ein bisschen klarheit geschaffen zu haben. ansonsten weiter fragen.







KurtRech (20.10.2009, 05:20 Uhr)
@berthold3228 antwort
sie haben versäumt, dass es sich um dem vertrag, den die bundesregierung im 2008 abgeschlossen hat, um den VOGELgrippevirus gehandelt hat. da es aber (zum glück) nicht zur pandemie kam, wurde der vertrag erst jetzt eingelöst für den aktuellen schweinegrippevirus. der vertrag diente damals zur sicherheit, dass im pandemiefall der VOGELgrippe die krisenstäbe einsatzfähig sind. finde dieses vorgehen für 2008 vernünftig und richtig.
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