An neuen Impfstoffen gegen das gefürchtete Vogelgrippevirus arbeiten zurzeit verschiedene Pharma-Unternehmen. Novartis, Glaxo Smith Kline und Solvay Pharmaceuticals wollen in Zukunft auf Hühnereier bei der Produktion verzichten: Im Ernstfall stünden dann schneller Impfstoffe bereit. Zwar gibt es bereits Präparate, die für Deutschland zugelassen sind, allerdings dauert deren Produktion etwa 11 bis 22 Wochen. Das ist wahrscheinlich zu lang, wenn der Ernstfall - eine Vogelgrippe-Epidemie - eintritt.
Bisher nutzen Pharmazeuten bebrütete Hühnereier für die Impfstoff-Herstellung. In solchen Eiern wachsen die Virenbestandteile heran, die die Vakzine ausmachen. Die künstlich abgeschwächten Virenbestandteile sollen das menschliche Immunsystem anregen, passende Abwehrstoffe zu bilden.
Tritt der Ernstfall ein, müssen sofort Millionen von Impfdosen bereitstehen. Dann könnte sich die herkömmliche Methode als zu langwierig herausstellen. Denn die benötigten Eier müssen stets frisch gekauft und künstlich bebrütet werden. Zudem müssen sie in ausreichender Menge zur Verfügung stehen.
Schneller lassen sich Impfstoffe mithilfe von Zell-Linien herstellen. Das sind Ansammlungen stets gleicher, im Labor vermehrter Zellen, deren biologische Eigenschaften genau bekannt sind. Solche Zell-Linien werden steril in großen Behältern gehalten. Sie müssen weder frisch gekauft werden noch sind Nachschub-Probleme zu erwarten. Denn die Zellen lassen sich in großen Mengen vorab vermehren und anschließend lagern.
Will ein Pharma-Unternehmen einen Impfstoff gegen die Vogelgrippe herstellen, steht es vor einem generellen Problem: Noch ist das Vogelgrippe-Virus nicht besonders bedrohlich für den Menschen. Erst wenn der Keim mutiert, könnte er für uns gefährlich werden. Impfstoffe schützen aber nur dann zuverlässig, wenn sie genau auf den betreffenden Erreger abgestimmt sind. Das bedeutet: Weil noch niemand weiß, wie der Erreger in Zukunft aussehen wird, kann man jetzt noch keine wirkungsvolle Vakzine herstellen. Mit der Produktion kann erst begonnen werden, wenn die Bedrohung durch das Virus da ist. Deshalb ist es wichtig, dass der Impfstoff schnell hergestellt werden kann.
Eine Vorab-Produktion würde den Impfschutz schmälern. Denn als Vorbild für eine Vakzine steht nur das derzeit existierende Vogelgrippe-Virus bereit. Ein solcher Impfstoff kann zwar ein wenig schützen, aber nicht in dem Maße, wie es eine passgenaue Vakzine könnte. Impfstoffe, die auf Verdacht hergestellt werden, nennen Fachleute "präpandemische Vakzine". Ein entsprechendes Präparat stellt derzeit das Unternehmen Sanofi-Aventis für die amerikanische Regierung bereit. Im Ernstfall soll damit die Bevölkerung der USA geimpft werden.
Für Deutschland sind zwei Impfstoffe gegen die Vogelgrippe zugelassen, einer vom Hersteller GlaxoSmithKline, ein anderer von Novartis. Beide Präparate sind so genannte "pandemische Wirkstoffe": Sie werden genau auf das Profil des zukünftig auftauchenden Erregers abgestimmt sein. Denn beide Unternehmen werden erst dann mit der Produktion beginnen, wenn sich das Virus zu einer bedrohlichen Variante entwickelt hat. Diese zugelassenen Impfstoffe werden nach der herkömmlichen Hühnerei-Methode hergestellt.
Wann die Produktion der Impfstoffe anlaufen wird, entscheidet die Weltgesundheitsorganisation WHO: Sie beobachtet und analysiert ständig die aktuelle Lage und untersucht, ob das Vogelgrippe-Virus bereits so mutiert ist, dass sich Menschen schnell und leicht anstecken können.