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16. September 2010, 17:00 Uhr

Der Uefa-Skandal

Der FC Bayern verkauft ein Spiel an die Russenmafia, und bei der Fußball-WM sind komplette Nationalmannschaften bestochen – diese unglaublichen Vorwürfe erheben Korruptionsbekämpfer der Uefa. Doch nach stern-Recherchen vertraut der Chefermittler einem Hochstapler. Nun hat Europas Fußball-Boss Michel Platini ein echtes Problem.

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Europas Sherlock Holmes im Kampf gegen die Wettmafia im Fußball: Peter Limacher© Vladimir Rys/Bongarts/Getty Images

Er redet bedächtig, wählt seine Worte wie ein Diplomat - Peter Limacher, Europas Sherlock Holmes im Kampf gegen die Wettmafia im Fußball, ist ein kultivierter Mann. Es ist Ende Juni, im fernen Südafrika messen sich die besten Nationalteams der Welt, aber den Chef der Disziplinarkommission der Uefa beschäftigt ein ganz anderes Match. Zum Gespräch mit dem stern im Schweizer Städtchen Nyon hat er einen jungen Mitarbeiter namens Robin Boksic mitgebracht, seinen "besten Mann", wie er ihn nennt - und eine Nachricht von höchster Brisanz.

Es ist Boksic, der erzählt, Limacher nickt dazu. Es geht um das Uefa-Cup-Halbfinal-Rückspiel im Mai 2008, die 0:4-Niederlage des FC Bayern bei Zenit St. Petersburg. Bayern München habe dieses Spiel seinerzeit tatsächlich verkauft, teilt der junge Uefa-Gesandte im Café Rapp in Nyon mit, Limacher widerspricht nicht. Russische Mafiosi hätten Millionen bezahlt, Belege über den Eingang achtstelliger Beträge auf ein Bayern-Konto bei der Privatbank Reuschel lägen vor.

Eine kleine Staatsanwaltschaft außerhalb Münchens ermittle bereits. Es habe Hausdurchsuchungen bei Bayern-Präsident Uli Hoeneß gegeben, bei Finanzvorstand Karl Hopfner, ebenso bei einem Spieler, in dessen Wohnung man neben einer Million US-Dollar auch Kokain gefunden habe. Limacher stellt dem stern die Belege in Aussicht, ein paar Wochen brauche er noch. Schon in diesem September werde die Disziplinarkommission der Uefa Anklage vor der Sportgerichtsbarkeit erheben - gegen Bayern München.

"Völlig aus der Luft gegriffen"

Die Anschuldigungen sind ungeheuerlich, aber sie kommen aus berufenem Munde. Wenn sie zuträfen, wäre die Reputation des FC Bayern zerstört. Deutschlands Rekordmeister, käuflich? Jener Verein, der stets so stolz auf sein gut gefülltes Festgeldkonto ist?

Der zwar unter der Finanzierung der Allianz-Arena ächzt und 2007 für 70 Millionen Euro Spieler einkaufte, aber kreditwürdig ist wie kein anderer Profiklub der Welt?

Die Anschuldigungen seien "völlig aus der Luft gegriffen", wird der FC Bayern Wochen später sagen und rechtliche Schritte ankündigen.

Der Verein will sich wehren.

Peter Limacher, 47, hatte im November 2009 weltweit Aufsehen erregt. Mit Bochumer Staatsanwälten war er vor die Presse getreten und hatte die Öffentlichkeit vom "größten Wettskandal in Europa" unterrichtet, den man gemeinsam aufgedeckt habe. Man gehe von 200 verschobenen Spielen aus, allein 32 in Deutschland, 17 Haftbefehle seien vollstreckt.

"Wir sind zutiefst betroffen vom Ausmaß der Spielmanipulationen durch internationale Banden", sagte Limacher an jenem 20. November.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 38/2010

 
 
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