Dieses Kunstwerk wird New York verändern. Ab heute werden auf sieben Außenwände des MoMA riesige Videos des kanadischen Künstlers Doug Aitken projiziert. Der Mann, der alles organisiert hat, kommt aus Berlin und hat eine Märchenkarriere hingelegt: Klaus Biesenbach. Von Anja Lösel

Vom MoMA-Balkon hat Klaus Biesenbach die Fassaden im Blick, auf die der kanadische Künstler Doug Aitken seine Filme projiziert© Baerbel Schmidt
Es klingt wie die Traumstory vom Tellerwäscher zum Millionär: Da kommt einer als Medizinstudent nach Berlin, gerät in die Kunstszene, macht ein paar Ausstellungen in einer heruntergekommenen Fabrik - und 16 Jahre später sitzt er als Abteilungs-Chef im MoMA New York, einem der wichtigsten Museen der Welt.
Klaus Biesenbach heißt der Senkrechtstarter, grade mal 40, aufgewachsen in Kürten bei Köln. Und wie er da in seinem ellenlangen, schlauchigen Büro steht und auf den Skulpturengarten des MoMA hinunter guckt oder auch mal hinauf in den Himmel und zu den Wolkenkratzern, sieht er ziemlich zufrieden aus. Hier ist einer am richtigen Platz angekommen.
"Media" steht an Biesenbachs Tür. So heißt die siebte Abteilung des Museum of Modern Art: eigens für ihn gegründet. Noch nie hat ein Deutscher es so weit geschafft im internationalen Kunstbetrieb. Im MoMA soll er sich um alles kümmern, was nicht in die klassischen Sparten Malerei, Skulptur, Architektur, Design, Zeichnung, Grafik oder Fotografie hineinpasst. Videos etwa, Performances oder Projektionen. Ein Riesenprogramm.
Seine große Bewährungsprobe ist "Sleepwalker" (Schlafwandler). Auf sieben Fassaden des MoMA, vorne, hinten, im Garten, werden ab dem 16. Januar Filme projiziert, die der kalifornische Künstler Doug Aitken mit Biesenbachs Unterstützung produziert hat. Stars wie Donald Sutherland, Tilda Swinton und Cat Power spielen kleine New-York-Szenen. Ineinander geschnitten und videoclipartig abgespielt ergeben sie ein Bild von der Stadt New York und ihrer Energie.
Donald Sutherland,72, spielt einen Businessman. So viel Spaß hatte er bei den Dreharbeiten, dass er sich sogar zu einem Tanz auf dem Autodach hinreißen ließ - und abstürzte. "Ich dachte, der ist tot", erzählt Biesenbach, und der Schreck steckt ihm immer noch in den Knochen. Aber der alte Profi Sutherland hatte sich nur einen Witz erlaubt und sprang wieder auf die Beine, als sei nichts gewesen.
Bei den Projektionen geht es um das Leben in der Stadt, um ineinander verschränkte Biografien, um Zeit und Rhythmus. Jeder in New York kann die Bilder gratis sehen, riesig groß werden sie schon von weitem leuchten. Sowas gab es noch nie am MoMA.
Als Klaus Biesenbach Anfang der Neunziger das Ausstellungshaus "Kunstwerke" in Berlin gründete, belächelten die Kunstexperten ihn. Später dann, als er die "Berlin Biennale" erfand, Künstler wie Santiago Sierra, Matthew Barney und Thomas Demand zeigte und von einem Ausstellungserfolg zum nächsten schwebte, wurde er auch bekämpft als Seiteneinsteiger und angebliches Leichtgewicht. Aber er ließ sich nicht beirren, machte einfach weiter: cool, mit penetranter Beharrlichkeit und einem unschlagbaren Gespür für Kunst. Heute, am MoMA, kann er allein für die Aitken-Projektion so viel ausgeben, wie drei Jahre Betrieb in den "Kunstwerken" kosten.
"Sleepwalkers" MoMA New York, 16. Januar bis 12. Februar täglich von 17 bis 22 Uhr
"Sleepwalkers" im MoMA