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20. November 2011, 14:02 Uhr

Suche nach neuem Gottschalk wird zur Farce

Die Suche nach einem Nachfolger von Thomas Gottschalk bei "Wetten, dass..?" nimmt absurde Züge an. Mittlerweile bewerben sich Moderatoren, die gar keiner auf dem Zettel hat. Von Katharina Miklis

Carsten Spengemann, Bewerbung, Wetten dass, ZDF, RTL, Bellut, Hunziker, Thomas Gottschalk

Carsten Spengemann fühlt sich dazu berufen Thomas Gottschalks Job bei "Wetten, dass..?" zu übernehmen. stern.de liegen Auszüge seiner Bewerbung vor, in denen er von seinen Qualitäten spricht© Fotomontage stern.de/DPA

Bisher sah alles danach aus, als müsste das ZDF seine Samstagabendshow "Wetten, dass..?" demnächst für einen Euro bei eBay reinstellen. Kaum ein Job in Deutschland scheint so unbeliebt. Topfavorit Hape Kerkeling hatte dem Mainzer Sender bereits live neben Thomas Gottschalk auf der Couch eine Absage erteilt. Seitdem gibt es einen Korb nach dem anderen für das ZDF – selbst von Leuten, die gar nicht gefragt wurden.
Für Jörg Pilawa, zweiter Favorit nach Hape Kerkeling, ist "Wetten, dass..?" definitiv kein Thema, beteuert er. Barbara Schöneberger und Ina Müller wollen auch nicht. Anke Engelke bedauert, sie sei nicht Rampensau genug für diesen Job. Auch an Michael "Bully" Herbig war das ZDF dran – er lehnte ab. Markus Lanz, Dieter Thomas Heck, Günther Jauch – kaum ein gefragter Moderator, der sich in den letzten Tagen noch nicht zu der Nachfolge von Thomas Gottschalk geäußert und seinen Standpunkt klar gemacht hat: Nicht mit mir!

Schnappatmung beim ZDF, Panik bei den Mainzelmännchen. Doch jetzt hat einer Erbarmen: Carsten Spengemann hat sich bei Programmdirektor Thomas Bellut um die Stelle des "Wetten, dass..?"-Moderatoren beworben. Offensichtlich traut sich der Moderator, der zuletzt in der Realityshow "Die Alm" auf ProSieben zu sehen war, den "schwersten Job der Welt" (Schöneberger) zu.

Vom Dschungelcamp auf die Alm

In Auszügen aus seiner Bewerbung, die stern.de vorliegen, schreibt Spengemann, warum er der richtige für den Job ist: "Ich habe Bohlen überlebt, den Dschungel, die Alm und das Boxen mit D! Und die schlimmsten Schlagzeilengewitter haben mich auch nicht aus der Bahn geworfen."

Damit spielt er nicht nur auf seine Ring-Affäre an, die ihn 2003 vor Gericht brachte, sondern auch auf seine Karriere im Trash-TV: Für RTL zog Spengemann vor ein paar Jahren in das Dschungelcamp und ließ sich beim Promiboxen von Detlef Soost vermöbeln. Für RTL2 ließ er sich tätowieren, ProSieben schickte ihn in einer Schlittschuhshow aufs Eis. Es scheint kaum ein Angebot zu geben, das Spengemann absagt.

Jetzt ist also keine geringere Show als "Wetten, dass..?" sein Ziel: In seiner Bewerbung fabuliert der 39-Jährige, dass der Gottschalk-Nachfolger Erfahrung mit einer Samstagabendshow haben sollte sowie auch die Gabe, unterschiedliche Generationen zu unterhalten. Es hat einen Grund, dass Spengemann gerade dies betont: Von 2002 bis 2004 moderierte er gemeinsam mit Michelle Hunziker die RTL-Show "Deutschland sucht den Superstar". Für ihn ein klares Zeichen seiner Qualifikation. "Darf ich noch erwähnen," schreibt Spengemann weiter, "dass Michelle und ich als Moderatorenduo in den ersten beiden Staffeln von DSDS phasenweise über 15 Millionen Zuschauer erreicht haben".

Warum er sich einen Schritt vom Privatfernsehen auf die öffentlich-rechtliche Bühne vorstellen kann? Der ehemalige Schauspieler, der Ende der 90er in der ARD-Soap "Verbotene Liebe" bekannt wurde, hat auch dafür eine Erklärung: Als er 2002 bei "DSDS" anfing, habe es "jede Menge Unkenrufe gegeben, dass diese ARD-Nase von der Alster niemals im Privatfernsehen Fuss fassen würde". Und doch schaffte er es in den Samstagabend auf RTL: "Naja, es kam anders. Doch im Leben kommt es immer anders, als man denkt - und die Gedanken sind frei. Immer noch..."

Ein Statement wollte Spengemann laut Management am Sonntag nicht abgeben. Er befand sich nach einer Lesung auf der Autobahn.

Kaum ernsthafte Kandidaten beim ZDF

Carsten Spengemanns Bewerbung ist nicht die einzige, die in den vergangenen Wochen in Mainz eingegangen ist. Rund 300 schriftliche Bewerbungen sollen dem Chefbüro des Senders mittlerweile vorliegen. Nur die wirklich großen Namen, die das ZDF gerne hätte – und auch dringend für diesen Job braucht – die bleiben weitgehend aus. Laut Thomas Bellut soll die Zahl der ernsthaften Kandidaten deutlich im einstelligen Bereich liegen.

Bei Facebook hat sich Anfang des Jahres eine Gruppe mit dem Titel "Wir wollen Carsten Spengemann zurück im TV" formiert. Bis zum heutigen Tag hat sie jedoch nur 266 Fans gesammelt. Bis zur Entscheidung des ZDF muss sich die kleine Truppe noch etwas gedulden: Der Sender will Gottschalks Nachfolger erst Anfang 2012 bekannt geben.

Von Katharina Miklis
 
 
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