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31. Mai 2006, 06:01 Uhr

Der Retter der Wildkatze

Puma sah alt aus. Bis 1993 der neue Chef Jochen Zeitz Sport und Mode verschmolz. Ein Gespräch über den verblüffenden Aufstieg einer Marke.

Boss ohne Krawatte: Jochen Zeitz, 43. Vor 13 Jahren übernahm er die Leitung von Puma - als jüngster Chef eines börsennotierten Unternehmens in Deutschland© Olaf Tiedje; Charles Platiau/Reuters

Herr Zeitz, wie modebewusst sind Sie?

Ich kaufe das, was mir gefällt. Ein Fashion-Victim bin ich sicher nicht.

Gehören Sie zu den Männern, die sich von ihren Frauen die Anzüge kaufen lassen?

Diese Frage stellt sich nicht. Einen Anzug habe ich mir seit vielen Jahren nicht mehr gekauft.

Als Sie vor 13 Jahren Vorstandschef wurden, war Puma eine reine Sportmarke. Heute wird Ihr Unternehmen zunehmend als sportorientiertes Modelabel wahrgenommen. Wann streichen Sie den Sport komplett aus Ihrem Programm?

Niemals, denn wir sind ganz klar Sport und Mode. Wir müssen Produkte schaffen, die funktionell sind und gleichzeitig hohen Design-Ansprüchen genügen. Wenn ein Produkt nicht gut aussieht, wird es einfach nicht gekauft, Punkt.

Früher setzte Puma auf Sportstars wie Diego Maradona und Lothar Matthäus. Heute machen Sie mit Design-Stars von sich reden, die Puma-Produkte entwerfen; zuletzt mit dem Briten Alexander McQueen. Warum dieser Richtungswechsel?

Das sehe ich so nicht. Bei uns geht die sportliche Leistung Hand in Hand mit dem modischen Bewusstsein. Bei der Fußball-WM werden starke Mannschaften wie Italien und Tschechien in Puma auflaufen, andererseits statten wir auch Exoten wie Ghana, Tunesien und Togo aus - Mannschaften, die sehr stylish sind.

Bei der Weltmeisterschaft treten alle fünf afrikanischen Mannschaften in Puma an. Warum?

Puma will stets neue Wege gehen, und diese Wege sind im Fußball am ehesten auf dem afrikanischen Kontinent zu finden. Dort gelang uns 2002 mit Kamerun der erste Coup mit den ärmellosen Trikots. In Afrika geht es nicht allein darum, um jeden Preis zu gewinnen, sondern auch darum, Spaß zu haben. Das ist es, was für uns wichtig ist.

Und welche Geschäftsinteressen verfolgen Sie dort?

Klar steckt hinter unserem Engagement auch eine Strategie: 2010 findet die Fußball-WM in Südafrika statt, und wir werden die Mehrzahl der afrikanischen Teams stellen.

Diese Puma-Schuhe hat Alexander McQueen entworfen

Noch einmal zurück zu den Designer-Kooperationen. Alexander McQueen verkörpert eine Art Afrika unter den Modemachern: lebendig, extravagant...

...ja, und manchmal schwer zu steuern. Der Umgang mit den Stars der Modewelt ist nicht immer einfach. Aber die Anregungen von außen ermöglichen auch innen neue Perspektiven. Als wir 1998 mit Jil Sander die erste Designer-Kooperation eingegangen sind, haben die Mitbewerber sich noch die Hände gerieben, weil man dachte, Puma würde sich endgültig verzetteln. Damals war Sport noch Sport, und Mode war Mode. Dass Sportmode der Zukunftsmarkt sein würde, mochte niemand glauben.

Ihr Konkurrent Adidas sitzt nur wenige Straßen entfernt. Früher sprach man von Herzogenaurach als der "Stadt des gesenkten Blicks". Man schaute zunächst auf die Schuhe, um herauszufinden, zu welchem Lager jemand gehörte.

Wir leben jetzt im 21. Jahrhundert, da sind diese Zeiten vorbei. Heute wechseln Mitarbeiter sogar gelegentlich die Seiten.

Was aber, wenn ein Puma-Mitarbeiter mit Adidas-Schuhen zur Arbeit käme?

Wenn ich jemanden darauf hinweisen müsste, dass das nicht geht - das wäre schon ein echtes Armutszeugnis für den!

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 21/2006

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