Abschleppfirmen haben ein lukratives Geschäftsmodell entdeckt: Sie räumen Privatparkplätze frei - und fordern Unsummen von den Falschparkern. Doch jetzt graben Gerichte ihnen das Wasser ab. Von Roman Heflik

Abgeschlepptes Auto: Parkplatz-Sheriffs wie die Parkräume KG machen mit Falschparkern lukrative Geschäfte© Picture-Alliance
Noch heute rast Mathilde Scheuermair der Puls, wenn sie an den 2.November zurückdenkt. "Das war der Tag, an dem ich den teuersten Parkplatz meines Lebens bezahlt habe", erinnert sich die aufgebrachte Münchnerin. Glaubt man Scheuermairs Aussage, wurde sie gezwungen, für rund fünf Minuten Falschparken 185 Euro zu zahlen.
In der Nähe des Münchner Ostbahnhofs sah sie die Einfahrt zu einem großen Parkplatz in der Nähe der Gleise. Die gepflasterte Fläche habe zwar nicht ganz offiziell ausgesehen, gibt die Seniorin zu, "aber es hat so geregnet, dass ich dachte: Na, da fahre ich mal rein". Doch noch während sie aus ihrem BMW ausstieg, seien ihr Zweifel gekommen, sagt die Autofahrerin. Als sie zur Einfahrt gegangen sei, um nach Verbotsschildern zu schauen, habe sie plötzlich einen Abschleppwagen über den Platz fahren sehen. "Der muss schon da gewesen sein und auf der Lauer gelegen haben", versichert Scheuermair.
Sie eilte zu ihrem Wagen zurück, doch der Abschleppwagen hatte sich bereits quer hinter ihr Auto gestellt. Der Fahrer habe ein EC-Kartenlesegerät gezückt und erklärt: "Wenn Sie nicht sofort zahlen, nehme ich das Auto mit, dass wird Sie dann rund 400 Euro kosten." Wohl oder übel zahlte die Rentnerin – und bekam eine Quittung der Firma Parkräume KG, Nummer 19631. Die Firma Parkräume bestreitet, dass sich der Vorfall so zugetragen habe: Weder habe man gelauert, noch den Wagen blockiert. Scheuermair habe auf dem deutlich gekennzeichneten Privatparkplatz "mindestens 15 Minuten" geparkt.
So wie Mathilde Scheuermair ergeht es inzwischen immer mehr Autobesitzern in Deutschland. Hunderte, wenn nicht gar Tausende Falschparker dürften mittlerweile Firmen wie der bundesweit agierenden Parkräume KG oder der in Hamburg tätigen Aktiv Transport ins Netz gegangen sein. Beide Unternehmen gehören zu einer neuen Boom-Branche in Deutschland, den so genannten Parkraum-Bewirtschaftern - von Betroffenen meist nur als "Abschleppmafia" bezeichnet. Doch vor Gericht weht den Unternehmern jetzt ein rauer Wind ins Gesicht: Gegen einige laufen Verfahren wegen Nötigung, außerdem steht die Höhe der Gebühren auf dem Prüfstand.
Das Geschäftsmodell der Parkraumbewirtschafter in dieser Form ist erst wenige Jahre alt, macht aber nach Einschätzung des ADAC derzeit in Deutschland Schule: Im Auftrag von immer mehr Grundstücksbesitzern wie beispielsweise Supermarktketten oder Krankenhäusern überwachen die Firmen Privatparkplätze - und lassen Falschparker von Subunternehmern rigoros an den Haken nehmen. Dafür fordern sie von den Abgeschleppten horrende Summen an Schadenersatz. Wer sich weigert zu zahlen, erhält sein Auto nicht zurück.