31. Oktober 2009, 14:22 Uhr

Verdächtiger begeht Selbstmord

Suizid in U-Haft: Der 20-jährige Hacker, der in großem Stil Nutzerdaten der Online-Plattform SchülerVZ kopiert hatte und damit die Betreiber erpressen wollte, hat sich das Leben genommen.

SchülerVZ, Verdächtiger, Selbstmord, Suizid, Datenklau

Mehr als eine Million SchülerVZ-Datensätze soll der Verdächtige illegal kopiert haben©

Der 20-Jährige, der wegen Datenklaus beim Internet-Netzwerk SchülerVZ in Berlin in Untersuchungshaft war, hat nach Informationen der Nachrichtenagentur DPA Selbstmord begangen. Der Sprecher der Justizverwaltung bestätigte, dass der junge Mann in seiner Zelle in der Jugendstrafanstalt Plötzensee tot aufgefunden wurde.

Der aus Erlangen stammende Mann war vor zehn Tagen wegen versuchter Erpressung festgenommen worden. Er hatte Daten von mehr als einer Million Nutzern aus SchülerVZ kopiert und wollte damit das Netzwerk mit 80.000 Euro erpressen.

Die VZ-Netzwerke betreiben neben SchülerVZ auch StudiVZ und MeinVZ. Sie sollen insgesamt rund 15 Millionen Mitglieder haben. Der 20-Jährige hatte den Ermittlungen zufolge auch Daten von StudiVZ- und MeinVZ-Teilnehmern gesammelt, aber noch nicht veröffentlicht. Bei einem Treffen mit Vertretern der VZ-Netzwerke forderte er Geld. Daraufhin riefen die SchülerVZ-Betreiber die Polizei.

Der Erpresser hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft zunächst 20.000 Euro, dann sogar ein Mehrfaches davon vom VZ-Netzwerk als Betreiber von SchülerVZ gefordert und angedroht, die Daten sonst nach Osteuropa zu schaffen. Der Verdächtige war der Polizei bereits aus anderen Zusammenhängen bekannt.

Die 1,6 Millionen Datensätze, die dem Blog Netzpolitik.org zugespielt worden waren, stammten aber nach Angaben der Polizei nicht selber vom Verstorbenen. Eine weitere Person habe damit auf die Sicherheitslücke aufmerksam machen wollen. Unklar ist, ob diese Person über eine Hacker-Plattform Zugriff auf die Daten des 20- Jährigen hatte oder selbst "recherchierte".

Wie sich jetzt herausstellte ist die Datenpanne möglicherweise größer als bisher angenommen. Aus den Profilen der Nutzer konnten nicht nur öffentliche, sondern auch private Daten "massenweise" gelesen werden, berichtete netzpolitik.org. Die Betreiber von SchülerVZ hatten das bislang bestritten. Der fragliche Datenbestand mit Geburtstag und Geschlechtsangabe sei älter, die Sicherheitslücke sei bereits Ende Juli geschlossen worden.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 24)
 
NewWorld (02.11.2009, 11:22 Uhr)
@Arniston
Wovon solten die Beamten abgelenkt sein? Eine Zelle wird weder Video-Überwacht, noch schaut alle 5 Minuten jemand zur Tür hinein. Soviel Personal gibt es gar nicht.
NewWorld (02.11.2009, 11:20 Uhr)
Selbstmord in der JVA...
...kommt doch immer wieder vor. Ich kenne einen JVA Mitarbeiter seit vielen Jahren und höre das nicht zum ersten mal.
Das ist tragisch, aber es war die Entscheidung des Täters und nichts anderes.
Erschreckend finde ich hier die Verniedlichung des Täters zum Opfer. Ja, es gibt sicher schlimmere Fälle und es ist auch nicht klar, warum hier U-Haft angeordnet wurde. Aber der junge Mann war laut Artilel schon Polizei-bekannt. Wer weiss, was er vorher schon angestellt hat?
1Stejn (02.11.2009, 00:39 Uhr)
hinterlist
den jungen mann hinzuhalten, zum schein auf die erpressungsversuche einzugehen um ihm mehr anlasten zu können und ihn dann in die falle zu locken ist widerlich. hätte man ihm sofort die möglichen konsequenzen vor augen geführt, hätte er klein beigegeben und niemand hätte jemals von der sache gehört.
Gisella (01.11.2009, 09:23 Uhr)
und hier nochmal
"das wort zum sonntag"und was den datenklau angeht-mit verlängerung meines Handy-vertrages gab es eine neues wo-da telefon und kurze zeit später eine Garantieabbuchung einer fremdfirma-da hatte doch wirklich der verkäufer eine unterschrift gefälscht und die bankdaten an diese firma weitergegeben...... dieser laden besteht immernoch-keine hilfe von der o.g. firma. Hat der sich etwa umgebracht??? Nee, der hat sich nur mal ins "deutsche ausland" nach hessen abgesetzt. wie gesagt-was für ein rechtsstaat?????
Toreador (01.11.2009, 09:07 Uhr)
Bitte
Wer mit seiner eigenen Schuld nicht klarkommt und sich lieber umbringt, als zu seiner Verantwortung zu stehen - bittesehr. Besser so als jahrelang im Knast oder durch endlose Verfahren dem Staat auf der Tasche liegen. Der junge Mann war ein Krimineller und hat seine eigenen Konsequenzen gezogen. Da ich bisher nirgends gelesen habe, wie er sich umgebracht hat, kann ich auch nichts über mögliche Vernachlässigung oder Mitschuld durch die Gefängnismitarbeiter sagen. Diese ins Kraut schießenden Verschwörungstheorien hier sind echt lächerlich!
arniston (01.11.2009, 07:09 Uhr)
heinz, die pizza kommt.
die mitschuld trägt wohl der pizzaservice.
und schon waren beamte abgelenkt.
aber mal in ernst, wie kommt ein 20 järiger in den knast ?, da wo andere längst hätten sitzen müssen.
nicht zu fassen so ein junger mensch bewacht von alten männern, wie ungleich .
Sternchen2020 (31.10.2009, 22:57 Uhr)
@Herr_Lich: Es geht darum,
dass hier ein junger Mensch so weit getrieben wird, dass er sich das Leben nimmt. Während andere, die den gleichen Tatbestand zu bieten haben, ohne jegliche Folgen davonkommen.

Sagen sie nun bitte nicht, die weitreichenden Datenmissbräuche großer Unternehmen könne man nicht mit der Tat des jungen Mannes vergleichen. Immerhin habe der ja erpressen wollen.

Doch genau das haben die Unternehmen auch getan und leider noch viel mehr. Von Diskriminierung bis zum Einruch in die tiefste Privatsphären war zusätzlich alles dabei. Ich sehe niemanden von ihnen im Knast und auch sonst wurden sie nicht behelligt.

In der BRD hat sich ein Zweiklassensystem etabliertt. Und das wirklich Bedauerliche ist es, dass niemand - auch nicht die Medien - dagegen handeln.
vlcd (31.10.2009, 21:06 Uhr)
@ NeuerMensch
Es soll sich ja eben um nicht nur öffentliche Informationen gehalten haben die man als externe Person mal eben so einsehen könnte
quakenderfrosch (31.10.2009, 20:10 Uhr)
Die Justiz gibt sich die Ehre
Der Mord reiht sich lückenlos an bekannte Tatsachen aus dem Hause Kurras . Nach Auflösung der ehemals im Ostteil legalen Oberorganisation werden nun die Finanzierungswege allerdings verschlungenere sein .
NeuerMensch (31.10.2009, 19:22 Uhr)
@Herr_Lich
Sie übersehen, das die gesammelten Daten ohnehin öffentlich waren und von den Profilinhabern bewusst öffentlich gestellt wurden. Jeder angemeldete Nutzer der Plattform (und das sind mehrere Millionen) kann diese Daten einsehen, jeder kann problemlos Mitglied werden um die Daten einzusehen. Von Diebstahl kann da im strafrechtlichen Sinne wohl kaum die Rede sein. Erpressung ist sicher eine Straftat, wobei ich mich frage wie man den Betreiber einer Community mit den ohnehin öffentlichen Daten erpressen können soll? Kann ich die Telekom erpressen in dem ich ich denen sage, ich hätte Millionen von Namen + dazugehörigen Adressen und Telefonnummern aus deren System "geklaut"??
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