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9. März 2009, 15:08 Uhr

Retter finden Jacke des Vermissten

An der Einsturzstelle des Historischen Stadtarchivs sind die Einsatzkräfte auf eine erste Spur des vermissten Studenten gestoßen. Unter den Trümmern wurden die Jacke und eine Geldbörse von Khalil G. entdeckt. Auch bei der Unglücksursache sind die Ermittler offenbar einen Schritt weiter gekommen.

Köln, Stadtarchiv, Kölner Stadtarchiv, Einsturz

Die Bergungsarbeiten an der Einsturzstelle des Historischen Stadtarchivs in Köln dauern an. Für den vermissten Studenten Khalil G. besteht kaum noch Hoffnung© Clemens Bilan/DDP

Mit Hochdruck haben die Rettungskräfte an der Kölner Einsturzstelle auch am Montag weiter nach dem noch immer vermissten 24 Jahre alten Studenten gesucht. "Sie Suche geht weiter und wir graben weiter", sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Unter den Trümmern des Stadtarchivs und zweier Wohnhäuser fanden Helfer die Geldbörse und die Jacke von Khalil G., von ihm selbst aber fehlte weiter jede Spur. "Wir wissen nicht, in welchem Bereich des Hauses er sich aufgehalten hat", sagte Feuerwehrchef Stephan Neuhoff. Die Suche gestalte sich äußerst schwierig.

Am frühen Sonntagmorgen war der 17-jährige Kevin K. tot aus den Trümmern geborgen worden. Unterdessen zeigte sich Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) verärgert darüber, dass der Weiterbau der U-Bahn seit dem Unglück ohne Pause fortgesetzt wurde. Das bedeutende Historische Archiv der Stadt Köln und die beiden Nachbarhäuser waren vermutlich infolge des U-Bahn-Baus eingestürzt. Vor allem die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) stehen in der Kritik.

An der Stelle, wo Khalil G. vermutet wurde, gruben die Einsatzkräfte 5,50 Meter tief im Schutt, fanden ihn aber nicht. Nun soll in dieser Tiefe großflächiger gesucht werden. Bleibt dies ohne Erfolg, müsse zunächst eine Fundamentwand des Archivs abgetragen werden, sagte Neuhoff. Um einen weiteren Anstieg des Grundwassers zu verhindern, müssten starke Pumpen installiert werden. Die Suche nach dem Vermissten habe absoluten Vorrang, betonte Neuhoff. Archivdokumente würden zurzeit nur aus dem Schutt gezogen, wenn die Retter zufällig darauf stoßen.

Am Montag konnten Bewohner einiger einsturzbedrohter Häuser ihr Hab und Gut aus den Wohnungen holen. Ein Statiker hatte zuvor die Stabilität überprüft. Die Stadt teilte mit, dass die ersten zehn Kölner am Sonntag in bereitgestellte neue Wohnungen einziehen konnten. Zudem seien von Privatleuten mehr als 100 Wohnungen angeboten worden für Betroffene, die zum Teil alles verloren haben.

Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) wiederholte unterdessen seine Forderung, den Weiterbau der umstrittenen U-Bahn nun für mindestens zwei Wochen ruhen zu lassen. Den Menschen in der Stadt, die entlang der Strecke wohnen, müsse eine Ruhepause gegönnt werden. "Ich stelle fest, dass bei mir der Schreibtisch nach wie vor wackelt", sagte Schramma. Erdarbeiten, die Erschütterungen verursachen, sollten zunächst zurückgestellt werden. "Viele Menschen haben Angst", sagte Schramma. Die Anwohner müssten durch Gutachter die Sicherheit bekommen, dass ihre Häuser nicht gefährdet sind.

Spekulationen um Grundwassereinbruch

Der Vorstand der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), Walter Reinarz, erklärte, Gutachter des TÜV Rheinland hätten inzwischen die gesamte U-Bahn-Strecke erneut besichtigt und ständen zur Verfügung, um Häuser von Anwohnern zu überprüfen. Zu Medienberichten, wonach ein Grundwassereinbruch für das Unglück verantwortlich sei, sagte Reinarz, die beteiligten Baufirmen hätten seinerzeit alle wasserrechtlichen Auflagen eingehalten. Der "Kölner Stadt-Anzeiger" zitierte einen Ermittler mit den Worten: "Es läuft alles darauf hinaus, dass Grundwasser das Problem war."

Berichten zufolge haben die KVB und beteiligte Baufirmen seit Längerem von Problemen bei der Grundwasser-Ableitung nahe des Archivs gewusst. Die Staatsanwaltschaft will die Unglücksursache mit Hilfe von Gutachtern klären lassen. Sie ermittelt unter anderem wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt.

Für die insgesamt 2000 Schüler von zwei angrenzenden Gymnasien begann am Montag wieder der Unterricht. Eines der Gebäude, das vorübergehend als einsturzgefährdet galt, sei nun doch "absolut sicher", sagte ein Feuerwehr-Sprecher nach umfassenden Prüfungen durch Experten. Der Unterricht findet aber voraussichtlich für mehrere Monate in Ausweichquartieren im Stadtgebiet statt.

Das bislang geborgene Archivgut sei in sehr unterschiedlichem Zustand, sagte Archivleiterin Bettina Schmidt-Czaia. Einige Stücke könnten - wenn überhaupt - nur in jahrelanger Arbeit restauriert werden, andere Teile seien nahezu unbeschädigt. Wiedergefunden worden sei unter anderem ein Albertus-Magnus-Autograph.

DPA
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
JanvanHelsing (09.03.2009, 18:29 Uhr)
schlicht weg
K O T Z E N finde ich das Verhalten hier von einigen Besserwissern.
--
Ich bin gebürtiger Kölner und genau dort aufgewachsen wo dieses tragische Unglück seinen Lauf nahm.
Ich habe Freunde und Verwandte dort, die sich über nichts mehr aufregen als über den Sch... den hier einige Menschen? glauben absondern zu müssen.
--
Ein Freund erzählte mir von Helfern die gesenkten Hauptes die Unfallstelle verlassen haben, weil der Schutt so dicht komprimiert ist, das sie kaum graben können.
Wie hier schon von anderen beschrieben, hier geht es nicht um Geiz, dritte Welt oder sonst was, hier ist Boden weg gesackt...
--
Mein Mitgefühl gehört den beiden Verschütteten und den Menschen die Ihr Obdach verloren haben.
Und wenn Sie liebe Gutmenschen und Besserwisser etwas gutes tun wollen, dann tun sie es...
Halten Sie endlich die Schnauze
Mfg nach Diktat verreist
asdfghjkl (09.03.2009, 17:52 Uhr)
Einbetoniert?
Soweit ich weiß hat man den Beton nicht oben auf den Schutt gekippt, sondern möglichst weit nach unten in den Krater und den eingebrochenen U-Bahn-Schacht gepumpt. Um zu verhindern, dass weitere Gebäude bzw die Trümmer der eingebrochenen Gebäude abrutschen und noch mehr zusammen stürzt.
Ausserdem wurde betoniert um den Boden dort zu verhärten und zu sichern wo das schwere Räumgerät zur Unglücksstelle vordringen musste.
Da der Vermisste sich vermutlich in einem der _oberen_ Stockwerke des eingestürzten Hauses aufgehalten hat, ist es eher unwahrscheinlich, dass er einbetoniert wurde.
Daher rechne ich schon damit, dass man den Mann findet. Leider dürfte er - falls wenn er das Ünglück in einem Hohlraum überlebt haben sollte - mittlerweile erfroren oder verdurstet sein.
provocateur (09.03.2009, 16:28 Uhr)
Einbetoniert...
Es würde mich nicht wundern, wenn der noch Vermisste einbetoniert wurde. Dann wird man den wohl auch nicht mehr finden.
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