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11. März 2011, 23:04 Uhr

Ein Land fürchtet den atomaren GAU

Erst das Beben, dann Riesenwellen und danach die Angst vor dem großen Atomunfall: Teile Japans liegen nach den Erdstößen in Schutt und Asche. Die Zahl der Toten steigt.

Ein katastrophales Erdbeben mit Tsunami hat in Japan womöglich mehr als 1000 Menschen in den Tod gerissen und einen gefährlichen Atomunfall ausgelöst. Nach dem schwersten Beben in der Geschichte des Landes mit der Stärke 8,9 rief die Regierung Atomalarm aus. Experten und Politiker sprachen von der Möglichkeit einer drohenden Kernschmelze im Kraftwerk Fukushima. Zuvor hatte eine Riesenwelle an der Küste Gebäude, Menschen und Fahrzeuge weggespült. Heftige Nachbeben sorgten für Angst. In vielen Ländern rund um den Pazifik brachten sich die Leute aus Furcht vor dem Tsunami in Sicherheit.

Das Ausmaß der Katastrophe wurde erst nach und nach sichtbar: Die Zahl der Toten steige wahrscheinlich über 1000, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo. Allein in der nordöstlichen Hafenstadt Sendai wurden 200 bis 300 Leichen gezählt, wie Kyodo unter Berufung auf die Polizei berichtete. Im Land gab es Hunderte von Verletzten. Etwa 500 Menschen galten als vermisst. Tausende Häuser waren zerstört. Raffinerien brannten, hohe Rauchsäulen stiegen in den Himmel.

Um 14.45 bebte die Erde

Das Desaster nahm am Freitag gegen 14.45 Uhr Ortszeit (6.45 Uhr MEZ) seinen Lauf, als der Boden gewaltig bebte. Das Zentrum der Erschütterung lag 24,4 Kilometer unter dem Meeresboden, 130 Kilometer östlich der Stadt Sendai und knapp 400 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokio. An der Ostküste der japanischen Hauptinsel Honshu fielen Gebäude wie Kartenhäuser zusammen, eine Wasserwand riss Autos, Häuser und Menschen mit, Fabriken explodierten. Ein Passagierzug wurde an der Küste vermisst, berichtete die Agentur Kyodo. Wie viele Menschen in dem Zug waren, blieb zunächst unklar.

Weltweit herrschte große Sorge, dass sich die Lage in der Atomanlage Fukushima dramatisch zuspitzen könnte. Dort gab es gefährliche Probleme mit dem Kühlwasser. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) sagte, dass "äußerstenfalls eine Kernschmelze" drohe. Dies könne bis zu drei Blöcke des AKW betreffen. "Das ist eine ernste Situation", so Röttgen. Die japanische Regierung tue alles, um die ausgefallene Notstromversorgung für das Kühlsystem wieder in Betrieb zu bekommen. Für Deutschland bestehe selbst im Fall einer Kernschmelze keine Gefahr durch Radioaktivität.

USA liefern Reaktorkühlmittel

Die USA schickten Reaktorkühlmittel nach Japan. Außenministerin Hillary Clinton sagte, die US-Luftwaffe habe aufbereitetes Kühlwasser zu der Krisen-Anlage transportiert. US-Präsident Barack Obama telefonierte mit Tokio. Der US-Reaktorexperte Robert Alvarez sprach von einem "beängstigenden Rennen gegen die Zeit".

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Fukushima wird evakuiert, in Tokia fällt der Strom aus und, doch der Tsunami richtet im Pazifikraum kaum Schäden an.

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