29. Dezember 2011, 16:19 Uhr

Somalische Piraten sollen auch an Land bekämpft werden

Kurskorrektur bei der Anti-Piraten-Mission Atalanta. Offenbar soll es den EU-Marine-Einheiten künftig auch erlaubt sein, die Infrastruktur der somalischen Piraten an Land zu bekämpfen. Die Opposition schlägt Alarm.

Somalia, Piraten, Fregatte, Horn von Afrika, Mission Atalanta, EU, EU-Mission,

Im Kampf gegen somalische Piraten sollen die EU-Einsatzkräfte künftig auch an Land eingreifen dürfen©

Die somalischen Piraten sollen einem Pressebericht zufolge künftig auch an Land bekämpft werden können. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, soll den Marinekräften der EU-Mission Atalanta erlaubt werden, auch gegen Boote und Einrichtungen der Piraten am Strand vorzugehen. Nach Informationen der Zeitung beauftragte das Politische und Sicherheitspolitische Komitee (PSK) der EU die Führung von Atalanta damit, den Operationsplan entsprechend anzupassen.

Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums bestätigte nach Angaben der "FAZ" auf Nachfrage, dass sich das PSK am 20. Dezember mit der "Zerstörung von Piraterielogistik am Strand" befasst habe. Der Auswärtige Dienst der EU sei gebeten worden, eine entsprechende Anpassung der Unterstützung mit der somalischen Übergangsregierung abzustimmen. Diese habe bereits Unterstützung zu dieser Option signalisiert. Außerdem sollen Soldaten zur Sicherung von Schiffen des Welternährungsprogramms (WFP) künftig autonomer agieren können.

Die Anti-Piraten-Mission Atalanta soll in den Seestraßen vor Somalia insbesondere die humanitären Hilfslieferungen des WFP sichern und zivilen Handelsschiffen eine sichere Fahrt ermöglichen. Deutschland beteiligt sich seit Dezember 2008 an der Mission und stellt derzeit eine Fregatte. Das Seegebiet vor der Küste Somalias gilt als das gefährlichste der Welt, allein in diesem Jahr gab es rund 230 Piratenangriffe.

Opposition sieht Pläne kritisch

Die Opposition lehnt die Pläne ab. "Das wäre die Fortsetzung der Symptom-Bekämpfung im somalischen Sand", kritisierte der Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour. Für einen solchen Einsatz fehlten das politische Gesamtkonzept und die Mittel. Zudem sei eine Ausweitung zu einem Landeinsatz ohne jede Möglichkeit der Begrenzung zu befürchten. Sollte das Bundestagsmandat entsprechend erweitert werden, könne er seiner Fraktion die Zustimmung dazu nicht mehr empfehlen. Auch der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold vermisst ein klares operatives Konzept und beurteilte die Überlegungen in der "Süddeutschen Zeitung" sehr skeptisch.

Der CDU-Außenexperte Andreas Schockenhoff schloss eine Beteiligung der Bundeswehr an derartigen Einsätzen nicht aus, sieht jedoch keinen Automatismus. "Nicht jede teilnehmende Nation muss sich auch an allen Operationen beteiligen", sagte er "Spiegel online". "Die Frage ist dann: Welche Fähigkeiten werden gebraucht und wer kann diese zur Verfügung stellen?"

kng/DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Mission Atalanta Berlin schickt zweite Fregatte in den Kampf gegen Piraten

Seit mehr als zwei Jahren bekämpft die EU mit der Mission Atalanta die Piraten vor der Küste Somalias. Auch die deutsche Marine ist dabei und schickt jetzt mit der "Köln" eine zweite Fregatte ans Horn von Afrika.

Überfall auf Containerschiff Weitere Geständnisse im Hamburger Piratenprozess

Der eine brauchte angeblich Lösegeld für seinen entführten Sohn, der andere wollte seine Frauen und Kinder ernähren. Zwei weitere Somalier haben jetzt im Hamburger Piratenprozess den Überfall auf die "Taipan" gestanden.

Piratenprozess in Hamburg "Ich liebe Afrika"

Er wird ihn nie vergessen. Im Piratenprozess am Hamburger Landgericht schilderte der Kapitän der "Taipan" den Tag im April, als sein Frachter von Seeräubern überfallen wurde. Zehn Somalier sind deswegen angeklagt - und sitzen ihm nun stumm gegenüber.

Piraten in Hamburg Erster Seeräuber-Prozess seit vier Jahrhunderten

In Hamburg - lange von Piraten gebeutelt - beginnt am Montag der spektakulärste Seeräuber-Prozess seit Klaus Störtebeker. Erstmals stehen mutmaßliche Piraten aus Somalia in Deutschland vor Gericht.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2013)
Hoffen oder handeln?