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29. November 2009, 19:57 Uhr

Noch immer keine Spur vom Täter

20 Jahre nach dem Mord am Bankier Alfred Herrhausen gibt es ein neues Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt. Der Generalbundesanwalt lässt ein Bekennerschreiben der RAF auf DNA-Spuren untersuchen.

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Zeichen des Terrors© DPA

Es ist ein kühler Novembertag im beschaulichen Bad Homburg, als am frühen Morgen des 30. November 1989 eine Bombe am Seedammweg explodiert und den Bankier Alfred Herrhausen in den Tod reißt. Der 59 Jahre alte Chef der Deutschen Bank ist sofort tot, sein Fahrer überlebt schwer verletzt. Ein Bekennerschreiben eines Kommandos der terroristischen Roten Armee Fraktion (RAF) "Wolfgang Beer" wird zwei Tage nach dem Attentat in der Nähe des Tatorts gefunden. Doch 20 Jahre danach haben die Ermittler immer noch keinen Täter. Die Akte im Mordfall Herrhausen ist bei der Bundesanwaltschaft noch nicht geschlossen.

Heute gilt für die Bundesanwaltschaft die Losung: "Allen Hinweisen nachgehen". Es gebe keine Ermittlungen gegen konkrete Tatverdächtige, sagt ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Ihre Hoffnung setzen die Ermittler auf die in den letzten 20 Jahren mit Riesenschritten weiterentwickelte Kriminaltechnik. Die am Tatort gesicherten Spuren könnten mittlerweile DNA-technisch untersucht werden, was damals noch nicht möglich gewesen sei. Diese Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen.

Viele Fragen sind geblieben

Lange hatten die Bundesanwälte in Karlsruhe versucht, Andrea Klump eine Beteiligung am Herrhausen-Attentat nachzuweisen, doch 2004 wurden die Ermittlungen aus Mangel an Beweisen eingestellt. Jahrelang verdächtigten die Ermittler auch den Arztsohn Christoph Seidler, Kopf des Killerkommandos gewesen zu sein - bis er sich 1996 stellte und wieder freigelassen werden musste: Er hatte ein Alibi, weil er sich zu der fraglichen Zeit in einem Palästinenser-Lager im Libanon aufgehalten hatte. Der Verdacht gegen ihn basierte auf Aussagen des ehemaligen V-Mannes Siegfried Nonne, der dem hessischen Verfassungsschutz Informationen aus der Frankfurter RAF-Szene zugetragen hatte.

Vor zwei Jahren kam in den Medien auf, dass die Stasi bei dem präzise geplanten Anschlag die Finger mit im Spiel gehabt haben könnte. Dabei sollte es sich um eine Spezialeinheit mit dem Auftrag gehandelt haben, Terror-Anschläge im Westen zu organisieren, um das System zu destabilisieren. Auch diese Spur verlief im Sand.

"Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar"

Die Ermittler sahen in der ausgeklügelten Vorbereitung der Tat direkt nach dem Anschlag Parallelen zu dem tödlichen Anschlag auf den Siemens-Manager Kurt Beckurts im Juni 1986. In beiden Fällen hatten die Täter eine sogenannte Sprengstofffalle eingesetzt. Im Fall Herrhausen war der kleine blaue Kasten an einem Fahrrad befestigt. Aus einer Entfernung von etwa 150 Metern lösten die Terroristen mit Hilfe eines Kabels und einer Lichtschranke die Zündung aus. Als Bauarbeiter getarnt hatten sie sich wochenlang mit den Vorbereitungen für den feigen Anschlag auf dem Seedammweg beschäftigt.

Heute steht am Tatort eine Gedenkstätte, die an Herrhausens siebtem Todestag eingeweiht wurde. Sie besteht aus drei schlanken Basaltsäulen. Bambuspflanzen umstehen vor dem Thermalbad das Halbrund, auf dem zwei der Stelen und ein Findling platziert sind. "Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar", ein Zitat von Ingeborg Bachmann, ist auf einer eingemeißelt, darunter: "An dieser Stelle wurde Alfred Herrhausen ermordet." Auf der anderen Straßenseite steht eine kleinere Stele mit dem Datum des Attentats. Auch Straßen und Schulen quer durch die Bundesrepublik erinnern an den erfolgreichen Bankier.

 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
california2000 (30.11.2009, 07:18 Uhr)
Mit nichten RAF
Es gab schon unmittelbar nach dem Attentag gerüchte das westliche Geheimdienste dahinter stecken. Der Grund, Herrhausen wollte die Macht der Banken brechen und u.A. auch die deutsche Wärungsunion verlangsamen und anders gestalten. Er war damit ein unmittelbarer und gefährlicher Gegner Kohls.
Stasi und RAF scheiden als Täter aus. Es ist ohnehin bezeichnend, daß schlicht keine Spuren zu finden sind, wodoch alle RAF Taten aufgeklärt werden konnten.
Watschdog39 (30.11.2009, 06:40 Uhr)
Nicht nur,
nach Berichten aus dieser Zeit gingen die Bestrebungen von Herrhausen dahin die Macht des internationalen Kapitals zu brechen und die Zinsknechtschaft zu brechen.
Die RAF hatte keinen Grund ihn zu töten.
Richtig ist aber, was sich im Untergrund herum treibt wird sich zwangsläufig treffen.
Man braucht sich nur die Frage zu stellen, wem nützte der Tod des Herrn Herrhausen??
rebegtar (29.11.2009, 22:42 Uhr)
RAF?
Herr Herrhausen wollte einen Schuldenerlass für die dritte Welt und eine Umstrukturierung der deutschen Bank. Von ihm stammt das folgende Zitat:

?Natürlich haben wir Macht. Es ist nicht die Frage, ob wir Macht haben oder nicht, sondern die Frage ist, wie wir damit umgehen, ob wir sie verantwortungsbewusst einsetzen oder nicht.?

Angesichts seiner Pläne und Äusserungen gibt für das Attentat bestimmt noch andere Kandidaten ausser der RAF.
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