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12. Mai 2008, 14:07 Uhr

Helfer befürchten Massensterben

Erst kam der Zyklon, nun drohen Seuchen: Eine Woche nachdem Wirbelsturm "Nargis " über Myanmar hinwegfegte, warnen Hilfsorganisationen vor "einer Tragödie unvorstellbaren Ausmaßes". Sollten die Überlebenden nicht schnell sauberes Wasser und Medizin erhalten, könnten bis zu 1,5 Millionen Menschen sterben.

Zerstörte Häuser und dreckiges Wasser: Mehr hat Zyklon "Nargis" dieser Familie nicht gelassen© dpa

Auch eine Wochen nach dem verheerenden Zyklon in Myanmar kommt immer noch zu wenig Hilfe im Katastrophengebiet an. «Wir erreichen zu wenig Leute, und es dauert zu lange», sagte Terje Skavdal vom UN-Büro für humanitäre Angelegenheiten (OCHA) am Montag in Bangkok. «Normalerweise läuft die Hilfe in einer Situation wie dieser nach drei, vier Tagen auf Hochtouren» - das sei aber leider nicht der Fall.

Die Militärjunta lässt nur wenige Hilfsflüge ins Land und akzeptiert fast nur Lieferungen, die zur Verteilung an das birmanischen Militär übergeben werden. Nur einige UN- und Hilfsorganisationen, die einheimisches Personal vor Ort haben, können die Verteilung selbst organisieren. Das sei aber eine logistische Herausforderung, sagte OCHA-Sprecher Richard Horsey. Große Teile des Katastrophengebietes seien nur mit dem Boot zu erreichen.

Das Welternährungsprogramm (WFP) hat weniger als zehn Prozent der Leute und des Materials im Land, die angesichts von eineinhalb Millionen Bedürftigen nötig sind, sagte Sprecher Marcus Prior. «Wir müssten jeden Tag 375 Tonnen Nahrungsmittel reinbringen», sagte er. «In Wirklichkeit sind es weniger als 20 Tonnen pro Tag.»

Als Folge des verheerenden Zyklons "Nargis" befürchten Hilfsorganisationen ein Massensterben in Myanmar, wenn die Überlebenden nicht schnell mit sauberem Wasser und Sanitäranlagen versorgt werden. Bei den unhygienischen Zuständen in den behelfsmäßigen Notunterkünften sei der Ausbruch von Seuchen nur noch eine Frage der Zeit, warnte Sarah Ireland von der Hilfsorganisation Oxfam in Bangkok.

"Mehr als 100.000 Menschen sind wahrscheinlich tot, und alles deutet auf eine weitere Katastrophe hin, die diese Zahl um ein 15- faches erhöhen könnte", sagte die Direktorin der Organisation für Ostasien. Oxfam ist eine der weltweit erfahrensten Hilfsorganisationen vor allem für Trink- und Abwasser in Katastrophengebieten.

Die Opfer des Zyklons seien schon stark geschwächt, weil es nicht genug zu Essen gebe und sie verseuchtes Wasser trinken müssten, sagte Ireland. Damit wachse die Gefahr von Cholera- und Typhusausbrüchen. Zudem säßen viele Menschen in Notunterkünften auf engstem Raum zusammen. Dort bestehe große Gefahr für die Ausbreitung von Masern, Lungenentzündung und Diphtherie. In den Überschwemmungsgebieten brüteten jetzt Milliarden von Fliegen und Moskitos, die Malaria und Dengue-Fieber übertragen können.

"Wenn nicht sofort und massiv Experten sowie Versorgungsgüter in die am schwersten betroffenen Gebiete gelangen, wird es eine Tragödie unvorstellbaren Ausmaßes geben", erklärte auch Greg Beck vom International Rescue Committee.

Unterdessen hat die myanmarische Militärjunta Vorwürfe zurückgewiesen, dass Hilfslieferungen die Opfer nicht erreichten. Das seien Gerüchte, sagte der stellvertretende Außenminister U Kyaw Thu nach einem Bericht des Staatsorgans "Neues Licht von Birma". Alle Hilfslieferungen würden umgehend ins Katastrophengebiet gebracht.

"Ein positives Zeichen"

Tatsächlich gab das Regime am Wochenende Lieferungen des Welternährungsprogramms (WFP) mit Energiekeksen frei. "Ein positives Zeichen", kommentierte WFP-Sprecher Marcus Prior. "Die Flughafenbehörden waren richtig kooperativ."

Nichtsdestotrotz lagern in den Flughäfen von Thailand und Malaysia weiterhin tonnenweise Nahrungsmittel, Zelte und Medikamente ungenutzt. Myanmars Militärjunta nimmt zwar Hilfslieferungen aus dem Ausland und von den UN an, will die Hilfslieferungen aber allein verteilen, was die Hilfsorganisationen wiederum ablehnen. Sie trauen dem myanmarischen Militär diese Aufgabe nicht zu. Zudem schließen sie nicht aus, dass das Militär Rationen zur Versorgung der eigenen Soldaten abzweigt.

In Folge des Konflikts war es am vergangenen Freitag zum Eklat gekommen, als das Militär Waren des Welternährungsprogramms WFP beschlagnahmte und die Hilfsorganisationen ihre Lieferungen daraufhin kurzfristig einstellten.

Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) betonte in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", die internationale Gemeinschaft habe "die Verantwortung und das Recht, Menschen in Not zur Seite zu stehen, auch wenn die eigene Regierung sich dagegen sträubt". Sie unterstütze den Vorstoß Frankreichs, das ein Eingreifen des UN-Sicherheitsrats fordert. Zudem hat Frankreich ein Kriegsschiff mit Bergen von Reis an Bord auf den Weg nach Myanmar geschickt. Der Reis soll von der Besatzung direkt im Irrawaddy-Delta verteilt werden.

Opposition kritisiert massiven Wahlbetrug

Erstmals seit dem Zyklon tauchte am Samstag Juntachef Than Shwe im staatlichen Fernsehen auf, allerdings nicht bei der Verteilung von Hilfsgütern, sondern bei der Stimmabgabe für die neue Verfassung, mit der das Militär seine Macht auf Jahre hinaus zementieren will.

Bei der Abstimmung hat die myanmarische Opposition der Regierung mittlerweile massiven Wahlbetrug vorgeworfen. Wähler seien massiv bedroht und zu positiven Voten gezwungen worden, berichtete die "US-Kampagne für Birma" nach Kontakten mit Wahlbeobachtern der Oppositionspartei "Nationalliga für Demokratie" (NLD).

Die Junta stellte hingegen einen überwältigenden Sieg in Aussicht. Fast 100 Prozent der Wähler in Kokogyun bei Rangun hätten mit Ja gestimmt, 90 Prozent in der Region Mandalay und 95 Prozent in der Shan-Region, sagte ein Beamter in Rangun "vertraulich" der Deutschen Presse-Agentur dpa. In 47 Bezirken, die von dem Zyklon verwüstet worden sind, soll in zwei Wochen nachgewählt werden. Erst danach wird das Ergebnis veröffentlicht. Die Junta hatte alle Appelle aus dem Ausland ignoriert, das Referendum zu verschieben .

Bei der Abstimmung geht es um eine Verfassung, mit der das seit 1962 regierende Militär seine tragende Rolle im Staat legitimieren will. Nach der neuen Verfassung bleiben bei den für 2010 geplanten Wahlen ein Viertel der Parlamentssitze dem Militär vorbehalten, ebenso mehrere Kabinettsposten.

DPA/Reuters/AP
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
undueberhaupt (12.05.2008, 13:32 Uhr)
Jetzt helfen
Frankreich hat ein Kriegsschiff mit Hilfsgütern Richtung Birma entsandt. Die Hilfsmittel sollen von französischen Hilfsorganisationen und den französischen Marinesoldaten direkt an die betroffene Bevölkerung verteilt werden. Ich bin ja gespannt, wie das Regime reagieren wird. Übrigens wenn Deutschland ebenso handeln würde, würde es Mut beweisen. Das wäre mutiger als Deutsche am Hindukusch. Leider hat unsere Regierung in dieser Hinsicht keinen Mumm. Arme kleine Heidi!!!
deholgi (12.05.2008, 11:21 Uhr)
@gmathol und @normal3000
Ich denke dass es nicht ein Phänomen der USA oder Israel ist. Menschenrechte werden in fast jedem Land mit Füssen getreten, sogar in der Vorzeigedemokratie Schweiz.
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Dort wurden vor einigen Wochen hunderte Demonstranten verhaftet, und teilweise auch körperlich angegangen, nur weil sie an einer "nichtbewiligten" Demonstration teilgenommen haben. Die Bewilligung wurde von der örtlichen Gemeinderegierung ausgesprochen. Obwohl das Demonstrationsrecht eines der Grundrechte der Bürger ist, kann es von ein paar Sesselpupsern eingeschränkt werden.
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Daher glaube ich dass hier mehr ein Kampf Oben gegen Unten stattfindet. Die Machthaber (jeden Staates) wollen ihre Macht und ihre Pfründe um keinen Preis hergeben, und bedienen sich dafür der Mittel, die eigentlich zum Schutz der Bevölkerung dienen sollte (Militär, Polizei, Geheimdienste).
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Ich bin keine Kommunist und werde es wohl auch nicht werden. Aber Marx und Engels haben diesen Trend des Kapitals sehr gut erkannt. Leider hat man (USA) im "Kalten Krieg" die Abneigung gegen den Kommunismus derart in der Bevölkerung verankert, das heute Aussagen gegen das Kapital immer negativ ausgelegt werden.
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Und die Jünger der Neoliberalen Politik, die nichts anderes bedeutet als das Kapital von unten nach oben transferiert wird schwimmen im Kielwasser mit.
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Also kämpft nicht mit Worten und Taten gegen Länder, sondern gegen falsche Ideen und Staatsformen.
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Ein schöner Spruch aus dem Film V wie Vendetta:
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Die Bevölkerung eines Staates sollten nicht Angst vor der Regierung haben, sonderm die Regierung sollte Angst vor der Bevölkerung haben.
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Es wird Zeit, das es wieder dazu kommt.
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Schöne Pfingsten
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Holgi
romeo_ge (12.05.2008, 11:16 Uhr)
Einmarschieren!
ich stimme auch dafür, daß UN-Truppen nach Birma geschickt werden soll. Die Sorge vor dem Konflikt mit China ist meiner Meinung nach übertrieben. Erstens gehen für mich Menschenleben sowieso vor, zweitens hat sich damals beim Einmarsch vietnamesische Truppen in Kambodscha gezeigt, daß die Chinesen sich auch nicht wirklich getraut haben, die von ihr unterstützte rote Khmer militärisch beizustehen.
SabineRebecca (12.05.2008, 08:24 Uhr)
Spenden?
Und noch etwas - solange nicht sonnenklar ist, dass das Militaer keine Hand an die Hilfslieferungen legen darf, werde ich fuer mich keinerlei Moeglichkeit sehen zu spenden.
Die Junta kann nicht noch fetter werden solange die Menschen in Massen dahinsiechen.
SabineRebecca (12.05.2008, 08:20 Uhr)
Einmarschieren
Wiese wird hier von der UN nicht ganz schnell ein Beschluss gefasst? Hier kann man nicht warten, das geht nicht.
Warum wird nicht sofort einmarschiert? Mal abgesehen von den organisatorischen Problemen liegt es sicher auch daran, dass es nichts zu holen sondern nur zu geben gibt.
Dieses Land darf so nicht weiter bestehen, die Junta ist eine Schande fuer die Menschheit. In 2 Jahren schaemt 'man' sich wieder nicht eher gehandelt zu haben, wie so oft.
gmathol (12.05.2008, 00:33 Uhr)
McCains Wahl-Manager Goodyear trat zuerueck! Grund schmutziges Geschaeft mit der Militaerjunta.
384.000 USD hat die Militaerjunta an Goodyear ueberwiesen um ihren Ruf in den USA zu verbessern.
Was die USA so treiben muss endlich klar und deutlich von der deutschen Regierung verurteilt werden.
Deutschland ist von der SBZ zur USBZ geworden. Es gibt immer noch keinen Friedensvertrag! Im Prinzip kann die US Militaer-Junta Deutschland unter Kriegsrecht stellen.
Yukionna (11.05.2008, 20:26 Uhr)
Prost
Das ist doch mal ein klarer Fall für eine Kriegserklärung gegen das Militär.
Ich denke das beim nächsten G8 unsere Vertreter bemüht sein werden,eine Lösung zu finden,wie man zukünftig mit solchen Staaten (Regimen) umgehen soll,kann oder auch möchte.Hört sich ja schließlich an wie ein Schurkenstaat dieses Birma,Burma oder Myanmar oder so ähnlich halt.Ich glaube auch,davon gibt es einige auf dieser Welt.Bis dahin erhebnen wir alle unser Glas und sagen"Prost".
ganzbaf (11.05.2008, 18:25 Uhr)
Schurkenstaat...
klarer Fall.
Wo ist die Koalition der Willigen?
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