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10. Mai 2008, 11:31 Uhr

Sie kommen

Der Winter war mild, sie haben sich massenhaft vermehrt. Sie wohnen gleich nebenan, hinter der Rigipswand, dort wo die Kabel liegen. Ihr Festmahl finden sie draußen, und nicht nur in der Biotonne. Die Wanderratten sind auf dem Vormarsch. Und jetzt sind die ersten immun gegen Gift. Von Georg Wedemeyer

Solange man den Schwanz nicht sieht, gehen Ratten ja noch als süß durch. Aber dann...© M. Delpho/Picture Press

Sehen Sie da?" "Was?" "Na, den Spalt unter der Glastür." "Und?" "Passt 'ne Ratte durch! Wo ein Kugelschreiber durchgeht, reicht es für Mäuse, bei zwei Kugelschreibern für Ratten." Ein modernes Münchner Einkaufs- und Bürozentrum. Fenster, Fassaden, Türen, alles aus Granit, Glas und Metall. Sieht sauber aus. Aber unten an den Türen diese Spalten. Und oben die Lüftungsschächte. "Rattenautobahnen", sagt Katja Rieger dazu. Wenn die Adresse hier stünde und Katja Riegers wirklicher Name, verstieße das gegen die eisernen Regeln ihres Gewerbes: Diskretion, Diskretion und noch mal Diskretion. Katja Rieger ist Schädlingsbekämpferin bei einer Privatfirma. Wer nur einen Tag mit der 27-Jährigen unterwegs ist, sieht seine Umgebung auf einmal mit anderen Augen.

Katja Rieger ist längst abgehärtet. "Nett", zum Beispiel, war die Sache mit Bruno, der sich bei einem bayerischen Traditionswirt im Oberland eingenistet hatte, und das nicht zum ersten Mal. "Bruno ist wieder da", hatte er am Telefon geraunt, und bis Katja Rieger Zeit fand hinzufahren, hatte er schon neun kleine Brunos in seiner ansonsten blitzsauberen Küche mit einer Schlagfalle gefangen. Die Spuren führten zum Elektroschaltkasten an der Wand, der an das Männer-WC grenzt. Ein Elektriker musste kommen. Als er den Kasten aufschraubte, schlug er drei Kreuze: Sämtliche Kabel waren angenagt, und im Boden klaffte ein faustgroßes Loch, das in die Kanalisation führte. Dass kein Brand ausgebrochen war, grenzte an ein Wunder.

Sie sind überall

Man kann in jeder beliebigen Stadt in Deutschland herumfragen: Sie sind überall. Zum Beispiel auch in Berlin. Das musste ein Pärchen erleben, das anonym bleiben möchte. Bei der nächtlichen Heimkehr in seine Wohnung am Prenzlauer Berg wurde der Mann im Treppenhaus "von einer riesigen Ratte, die mit ihren gesträubten Haaren aussah wie ein fauchender Putzbesen", angefallen und gebissen. Erst ein Polizeieinsatzkommando in voller Kampfmontur konnte das tobende Tier erschlagen. Der Gebissene musste sich einer wochenlangen Tollwutbehandlung unterziehen.

Nach mehreren warmen Wintern ist die Wanderratte auf dem Vormarsch. Die braun-grauen, mit Schwanz bis zu einem halben Meter langen und ein Pfund schweren Tiere haben längst die mehr schwarze und kleinere Hausratte verdrängt. "Das Trippeln und Trappeln hat deutlich zugenommen", heißt es im Niedersächsischen Landesamt für Lebensmittelsicherheit. Auch Rainer Gsell, Vorsitzender des Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verbandes (DSV), registriert ein "vermehrtes Aufkommen". Die Tiere seien "eher paarungsbereit", anders als in harten Wintern, wenn "die Gullydeckel zugefroren sind und bei minus 20 Grad keiner mit dem anderen schläft". Sogar Erik Schmolz vom Fachbereich Schädlingsbekämpfung im eher zurückhaltenden Umweltbundesamt spricht von einer "gefühlten Rattenplage".

"Gefühlt" deshalb, weil keiner genau weiß, wie viele Ratten es tatsächlich gibt. Anders als in England, wo die Kammerjäger die Bevölkerung jedes Jahr mit einem "Nationalen Nager-Report" das Gruseln lehren, sind Ratten in Deutschland ein großes Tabu. Die Behörden hüllen sich meist in diskretes Schweigen, Privatleute und Wirtschaft sowieso.

Hamburg räumt immerh in ein, dass seine sechs amtlichen Rattenjäger "3500 bis 4000 Meldungen" pro Jahr nachgehen; Berlin veröffentlicht sogar eine fortlaufende Statistik, die einen Anstieg der jährlichen "Bekämpfungen" von 4000 anno 1999 auf runde 5200 im Schnitt der letzten drei Jahren aufweist.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn erfasst ist in diesen Zahlen nur "das oberirdische Rattengeschehen", und dann meist auch nur das auf öffentlichem Grund. Die auf Privatgrundstücken geltenden Meldepflichten - selbst die gibt es nicht überall - werden regelmäßig ignoriert. Was in den Kanälen, in Firmen, Supermärkten und Kneipen abgeht, erfährt niemand. Von Pannen abgesehen.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 19/2008

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KOMMENTARE (10 von 17)
 
Jesari (12.05.2008, 13:01 Uhr)
Natur abschaffen
Ich habe eine echt gute Lösung:
Wir beseitigen die Natur völlig!
Ratten gehören wohl zu den wenigen Tieren, die sich dem menschen angepasst haben!
Nein, sie fressen Kabel nicht an (wie im Artikel beschrieben), weil sie Hunger haben, sie fressen sie an, weil sie im Weg liegen (wie wir Wiesen und Wälder für eine Autobahn zerstören) oder komische Geräusche von sich geben.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Tieren kommen Ratten mit unserer Zerstörungswut zurecht und machen das beste draus.
Jeder Tierbesitzer weiß, dass man seine Whg den Bedürfnissen des Tieres anpassen muss. Gefährliches und Dinge die gerne zerstört werden wegräumen.
Wir haben gelernt Türen an unsere Vorratslager zu bauen, dass keine Wölfe, Katzen, etc reinkommen.
Jetzt müssen wir einfach lernen Rattensicher zu bauen.
Da ist mal ein Spezies bereit mit uns zu leben, ohne gezähmt zu werden, als nette Koextistenz und wir wollen sie töten.... Wow!!!!
Das einzige gefährliche Lebewesen auf dem Planeten ist und bleibt der Mensch!
Und es ist peinlich, dass wir nun ein wirklich süßes Lebewesen als Plage abstempeln, obwohl wir die Plage sind.
Und nun möchte ich mal wissen, welcher Id*** diesen Artikel recherchiert hat!!!
Pfui!
Georges13437 (11.05.2008, 21:51 Uhr)
Die Ratten sind überall
Ich habe sie auch schon gesehen, in vielen Banken waren sie anzutreffen. Auch in vielen Unternehmen und sogar in den Regierungsgebäuden sah man sie schon. Dieses schädigende Verhalten fährt gewaltige Verluste zum Schaden des ganzen Volkes ein. Diese Tierchen machen solange bis mal wieder ein Schädlingsbekämpfer vor Ort ist, dann ist das Geschrei wieder groß. Wo Unrat ist ist sofort das Ungeziefer da, schrecklich.
MfG Georges 13437
Maria1000 (11.05.2008, 16:56 Uhr)
@ saulus,
ja, genauso stell ich mir das immer vor!
Der Mensch ist die einzige alles zerstörende "Plage" auf diesem Planeten....ich nehme an, der Planet entledigt sich irgendwann von selbst dieser dummen verrohten Spezies! Überleben werden die dann trotz der Bösartigkeit des Menschen noch "übrig gebliebenen" Tiere, auch die Ratten -und das zu RECHT! *g*
saulus (11.05.2008, 15:07 Uhr)
Problem Mensch
Wenn es keine Greuelgeschichten über Kampfhunde und Co. gibt, müssen diesmal die Ratten herhalten...
.
Ratten halten sich numal nur dort auf, wo es Nahrung gibt und im "Abfall" der Menschen gibt es davon offensichtlich reichlich.
.
Im letzten Jahr war einer dieser Schädlingsbekämpfer auch bei uns unterwegs. Dieser Experte hat die Giftpäckchen einfach ins Gebüsch geworfen, einige lagen sogar an der Hecke direkt am Spielplatz. Die Hausverwaltung sagte mir das ist so in Ordnung und Eltern sollten doch auf Ihre Kinder aufpassen! Diese Schädlingsbekämpfung war dann ein voller Erfolg, neben einigen Ratten (die der Schädlingsbekämpfer nichtmal weggeräumt hat) sind diverse Vögel, Füchse, Igel usw. verendet. Na wenigstens haben die überlebenden Ratten nun so gut wie gar keine natürlichen Feinde mehr.
Maria1000 (11.05.2008, 12:27 Uhr)
@senf-dazu-geben:
Stimmt! Und erweistr sich täglich mehr....
Der Mensch ist schlichtweg DÜMMER, und dazu auch noch unmoralischer, inzwischen als jedes(!) Tier!
Auch an purer messbarer "Intelligenz" sind ja, wie neulich in einer Fernsehdokumentation wieder kam, z.B. Rabenvögel und andere bereits 3-jährigen Menschenkindern ÜBERLEGEN! Das heisst, der gezeiugte Rabe (und Papagei) konnte Dinge selbständige logische Gedankengänge mit Werkzeugen vollziehen, die ein 3-jähriger Mensch noch NICHT schafft....Sollte auch zu denken geben... *g*
Maria1000 (11.05.2008, 12:22 Uhr)
und, Lisat, ist es nicht "seltsam" dass trotz
laut dem Artikel mehreren HUNDERTE MILLIONEN Ratten in Deutschland sich noch NIE ein Mensch mit Tollwut TATSÄCHLICH angesteckt hat?
Sollte Ihnen zu DENKEN geben...
Auch Stadttauebn sollen ja laut den volksverdummenden Boulevardmedien BRANDGEFÄHRLICH sein: Nur zu doof, dass bisher noch KEINE EINZIGE jemals von Taueb auf Mensch stattgefundene Ansteckung durch Tauben staffand! Ist "meldepflichtig, sie können bei dem betreffenden Institut nachfragen, wenn sie es nicht glauben..
Das einzige für die "allgemeine Bevölkerung" eventuell doch "ansteckungsgefährliche" Tier, ist der HUND. In einem Drittel(!) des Hundkotes befinden sich Spulwurmeier, die auch in "getrocknetem Zustand" weiterhin "ansteckend" bleibt, wenn also der Hundekot auf dem Bürgersteig trocknet und dann als Staub durch die Luft wabert.
DENNOCH finden sich aber über HUNDE keine derartigen "Verhetzungs"-Artikel in der Presse wie über Tauben und Ratten! Warum wohl?
Im übrigen fand auch soweit mir bekannt, bisher noch nie eine Ansteckung mit Spulwürmern über Hundekot statt, und das obwohl ja 30 % durchseucht sind....
Also kommen Sie mal von Ihrer HYSTERIE gegen Tiere wieder runter!
Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie sich in der U-Bahn mit TBC oder ähnlichem anstecken bei erkrankten MENSCHEN/ Einwanderern aus mit Infektionen durchseuchten Ländern, ist WESENTLICH grösser!

Nur weil Journalisten seit Jahrzehnten nur von einander abschreiben, ohne jemals den WAHRHEITSGEHALT (z.B. bei Tauben) zu PRÜFEN bei OBJEKTIVEN wissenschaftlichen Stellen, sollte man sich nicht aufhetzen lassen udn sein eignes HIRN und Erfahrungen auch mal einsetzen!
LisaT (10.5.2008, 20:45 Uhr)
Mir doch egal?
Maria1000, Sie können wohl nicht lesen:
"Aber Wanderratten sind auch heute noch wahre Bakterien- und Virenschleudern. Neben der Tollwut können sie oder die auf ihnen sitzenden Flöhe Dutzende von Infektionskrankheiten auf Mensch und Tier übertragen."
Maria1000 (11.05.2008, 12:06 Uhr)
@LisaT
Eben, Betonung auf "KÖNNEN"!! Z.B. ich KÖNNTE theoretisch vom Blitz erschlagen werden, in der PRAXIS wirds aber wohl nicht vorkommen!
Ein STERN-Artikel mal wieder für Hysteriker, Bakterienphobikerinnen-Hausfrauen und Sauberkeits-Fetischisten.
ZITAT: "...LisaT (10.5.2008, 20:45 Uhr)
Mir doch egal?
Maria1000, Sie können wohl nicht lesen:
"Aber Wanderratten sind auch heute noch wahre Bakterien- und Virenschleudern. Neben der Tollwut können sie oder die auf ihnen sitzenden Flöhe Dutzende von Infektionskrankheiten auf Mensch und Tier übertragen."
Jesari (11.05.2008, 12:02 Uhr)
"Bild"-Niveau
Schlecht recherchierter Artikel, jedenfalls was die darstellung der Ratten angeht.
Dieser Artikel ist meinungsmache und stellt Ratten in einem grausigen Licht da.
Was nicht so ist.
Übrigens haben Ratten nicht die Pest übertragen, sondern ein Floh, der auch auf Hunden, Katzen und am Ende auf Menschen saß....
Ich bin enttäuscht und erschreckt über diesen Artikel im Stern!!!!
senf-dazu-geben (11.05.2008, 09:23 Uhr)
Und was ist mit "Heuschrecken"? :)
@Maria1000: ja, ich stimme Ihnen zu. Das bedrohlichste Lebewesen für die Individuen der Erde ist heute vermutlich der Mensch in seinen 6,7 Milliarden Individuen mit weiter ansteigender Weltbevölkerung.
LisaT (10.05.2008, 20:45 Uhr)
Mir doch egal?
Maria1000, Sie können wohl nicht lesen:
"Aber Wanderratten sind auch heute noch wahre Bakterien- und Virenschleudern. Neben der Tollwut können sie oder die auf ihnen sitzenden Flöhe Dutzende von Infektionskrankheiten auf Mensch und Tier übertragen."
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