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19. Mai 2009, 08:44 Uhr

Erste Datenaffäre in Behörde

Erst Lidl, Telekom und die Bahn, und nun hat auch noch eine Behörde den Datenschutz missachtet: Die Kreisverwaltung Schleswig-Flensburg stellte Bewerbern nach stern-Informationen intime Fragen zu Gesundheit und Gemütsverfassung - laut Datenschützern rechtswidrig.

Psychotest, Behörde, von Gerlach

Wer hier arbeiten wollte, musste auspacken: Die Kreisverwaltung stellte Fragen, die einem Persönlichkeitstest gleichen© Achim Liebsch

Nach den Skandalen bei der Bahn, der Telekom und Lidl ist nun erstmals eine Behörde von einer Datenaffäre erfasst worden. Wie der stern in seiner neuen, am Mittwoch erscheinenden Ausgabe berichtet, ermittelte die Kreisverwaltung Schleswig-Flensburg intime Gesundheitsdetails von Bewerbern - laut Datenschützern rechtswidrig.

In einem Test wurden über einen längeren Zeitraum höchst ungewöhnliche Fragen zur Gemütslage und Gesundheit der Bewerber gestellt. Zudem sollten die Kandidaten für Verwaltungsjobs bei der Kommune ihre Ärzte von der Schweigepflicht entbinden und das Gesundheitsamt "bedeutsame Befunde und Informationen" an das Personalreferat weiterleiten. So wurden die Kandidaten nach "starken Sorgen z. B. über familiäre, berufliche oder finanzielle Angelegenheiten" ebenso befragt wie nach einer etwaigen "Angst vor bestimmten Situationen und Orten" oder nach ihrem Gefühlszustand.

"Der Bewerber-Check ist in Teilen eindeutig rechtswidrig", sagte der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert dem stern. Zulässig sind bei derartigen Tests Fragen nach schweren oder chronischen Erkrankungen, die Einfluss auf die vorgesehene Arbeit haben könnten - nicht aber ein Persönlichkeitscheck. "Das geht den Arbeitgeber alles nichts an", sagte Klaus Müller-Knapp, Fachanwalt für Arbeitsrecht, dem Magazin.

Vom stern mit dem ungewöhnlichen Fragebogen konfrontiert, stoppte der Landrat des Kreises Schleswig-Flensburg, Bogislav-Tessen von Gerlach, den Test vorerst. Es bestünden Zweifel darüber, ob "einige der im Bogen enthaltenen Fragen" datenschutzrechtlichen Anforderungen entsprechen. Der Test werde daher "einer Prüfung unterzogen".

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 22/2009

Lesen Sie mehr über den Fragenkatalog der Kreisverwaltung im neuen stern

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KOMMENTARE (5 von 5)
 
jetrabbit (20.05.2009, 15:40 Uhr)
sinnlos über überwachung zu diskutieren
wir kiegen alle diese chips. es ist nur eine frage von ein paar jahren, bis jeder von uns direkt per satellit abgescannt werden kann. so wie es schon die bibel beschreibt. "das zeichen des biests" .... nix neues hier wirklich.
dentix07 (20.05.2009, 08:25 Uhr)
Wartet mal ab
Wartet mal ab was passiert wenn die eCard kommt! Dann brauchts nicht mal mehr einen Fragebogen! Als Bewerber haste dann nur ne Chance wenn Du die Karte auf den Tisch legst (PIN gut sichtbar auf kleinem Zettel dabei) und (angeblich) mal eben zur Toilette müsstest!
Ulla läßt grüßen!
blubb0r (19.05.2009, 10:21 Uhr)
Ärztliche Schweigepflicht
Die Ärztliche Schweigepflicht zu missachten ist steht doch heute auf der Tagesordnung bei den meißten großen Firmen.
Da bekommt man bei der Einstellungsuntersuchung einen P*ssbecher für den Drogentest inkl. einer Einverständniserklärung dass der Arzt die Ergebnisse an den Arbeitgeber weiterreichen darf. Wer nicht unterschreibt kann gleich wieder gehen.
Vor allem bei zukünftigen Azubis eine mehr als übliche Praxis.
Gisella (19.05.2009, 10:04 Uhr)
Auch das
hat man schon vor Jahren in den USA versucht-aber-es scheiterte. "Gläserne" Menschen, das ist es, was die "Elite" hier in Deutschland gerne hätte-und dann noch unsere Gedanken lesen können, das wäre es.
tobix (19.05.2009, 09:08 Uhr)
Interessieren tut's doch die meisten Arbeitgeber
Eigentlich will doch jeder Arbeitgeber wissen, ob er einen labilen oder stabilen Bewerber vor sich hat. Und gerade auch die Persönlichkeit soll im Vorstellungsgespräch betrachtet werden.
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Es ist aber schon dämlich, rechtswidrige Fragen in einen Fragebogen zu packen. Dafür gibt es doch das Bewerbungsgespräch und notfalls ein Assessment Center, wo man das auch indirekt erfahren kann.
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Die Ärzte von der Schweigepflicht zu entbinden ist aber schon ein Hammer - da fragt man sich, wer da in der Personalabteilung sitzt.
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