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Hickhack um den U-Bahn-Schubser von Berlin

Der Tod einer 20-Jährigen, die vor eine U-Bahn gestoßen wurde, schockt nicht nur Berlin. Immer mehr Details über Opfer und den mutmaßlichen Täter kommen ans Licht. Und die Innensenatoren von Hamburg und Berlin streiten sich.

U-Bahn Ernst-Reuter-Platz

Ein Eingang der Berliner U-Bahn-Station Ernst-Reuter-Platz: Hier wurde eine 20-Jährige vor eine U-Bahn gestoßen

Bilder und Briefe hängen an einem Geländer in der Berliner U-Bahn-Station Ernst-Reuter-Platz. Auf den Bildern ist das Gesicht einer jungen Frau zu sehen, die in die Kamera lächelt. Daneben hängen Briefe, unter dem Geländer liegen Blumen. Hier starb eine 20-Jährige, von einem 28-jährigen Mann vor eine U-Bahn geschubst. Die junge Frau hieß - so berichtet es die "Bild" - Amanda. Sie soll libanesische Wurzeln gehabt haben und besaß nicht nur die deutsche, sondern auch die schwedische Staatsbürgerschaft, wie das schwedische Außenministerium bestätigte. Seit einigen Jahren lebte sie laut Zeitungsberichten in Berlin, wo sie studierte.

Zwei der Briefe an dem Geländer stammen offenbar von Amandas Mutter und ihrer Schwester. "Keine Worte der Welt bringen dich zu mir zurück, aber ich werde dich für immer im Herzen tragen", steht in dem Brief, der mit "Deine Mami" unterzeichnet ist. Darunter steht ein zweiter Brief, der mit "Liebe Schwester" beginnt: "Du warst und bist meine perfekte Schwester. Wie eine Mama und zugleich wie meine beste Freundin." Die "Bild" stellte ein Foto der öffentlichen Briefe online.

Verdächtiger stand unter Betreuung

Warum die junge Frau sterben musste, ist bislang unklar. Der mutmaßliche U-Bahn-Schubser beging als Jugendlicher eine schwere Straftat: gefährliche Körperverletzung und Raub, so die Staatsanwaltschaft. Laut "Bild"-Zeitung soll der damals 14-Jährige in Hamburg einen Mann niedergestochen haben, er sei zu zwei Jahren und neun Monaten Jugendhaft verurteilt worden. Zuletzt ist er den Ermittlern zufolge durch Delikte wie Sachbeschädigung aufgefallen und stand deshalb unter Betreuung.

Im Zug von Hamburg nach Berlin wurde er laut Staatsanwaltschaft beim Schwarzfahren erwischt. An einer Obdachlosenunterkunft wurde er abgewiesen und zum Bahnhof Zoo geschickt. Die Unterkunft sei überfüllt gewesen, hieß es in manchen Medien. "Bild" zitiert den Heimleiter: "Wir wussten nicht, was er wollte, haben ihn weggeschickt." Auf dem Weg zum Bahnhof Zoo - der Mann war etwa zwei Stunden in der Stadt - kam es zu dem tödlichen Vorfall. Der 28-Jährige sei in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen worden, sagte ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft. Demnach gibt es dringende Gründe zu der Annahme, dass der Mann schuldunfähig oder nur vermindert schuldfähig ist. Der Verdächtige selbst hat sich nicht zur Tat geäußert.

Kritik aus Berlin, Konter aus Hamburg

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) kritisierte die Hamburger Behörden dafür, dass sich der Täter in Freiheit befand. "Es muss die Frage gestellt werden, warum dieser Mann mit seiner Vorgeschichte nicht früher gestoppt wurde", erklärte Henkel. Hamburgs Justizsenator Till Steffen (Grüne) wies die Kritik am Umgang mit dem mutmaßlichen Täter umgehend zurück. "Ich finde es in solchen Fällen nicht hilfreich, solche voreiligen Schuldzuweisungen zu machen", sagte Steffen am Donnerstag in Richtung des Berliner Innensenators Frank Henkel (CDU).

"Ich glaube, Herr Henkel hat es sich da ein bisschen einfach gemacht", sagte Steffen. Jetzt gelte es zunächst, die Vorgeschichte zu der Tat des in Hamburg aufgewachsenen 28-Jährigen zu klären. "Wir sind gerade dabei, die ganzen Erkenntnisse zusammenzutragen."

tkr mit DPA
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