Vor zwei Wochen wurden 33 Bergleute in einer Kupfermine im Norden Chiles verschüttet. Womit kaum jemand gerechnet hat: Die Männer leben. Doch ihre Rettung könnte noch Monate dauern. Von Sebastian Huld

Minenarbeiter und Angehörige feiern die Entdeckung der Verschütteten© Roberto Candia/AP
Niemand kann sich vorstellen, was in den Köpfen dieser Männer vorgeht, als sie plötzlich in die Linse einer Videokamera starren. Zwei Wochen ist es her, dass die 33 Bergleute in 700 Metern Tiefe verschüttet wurden. Zwei Wochen in der Dunkelheit bei 36 Grad Hitze. Zwei Wochen Hoffen und Bangen, kaum eine Aussicht auf Rettung. Und dann das: Eine Kamera, die an einem Seil befestigt ist, zwängt sich durch einen acht Zentimeter kleinen Schacht hinein in den Hohlraum, in dem die Männer Zuflucht fanden. Sie begreifen sofort: Sie sind gerettet! "Wir konnten ihre Freude und ihre Hoffnung in ihren Augen sehen", berichtet später der sichtlich bewegte Staatschef Sebastián Piñera der Nation.
Chile, das große Land an der westlichen Flanke Südamerikas, befindet sich im Ausnahmezustand seit die Meldung von der Entdeckung der Verschütteten die Runde macht. Chile, so sieht es derzeit aus, erlebt sein eigenes "Wunder von Lengende". Damals 1963 wurden in einem Bergwerk unweit von Salzgitter noch 14 Tage nach dem Grubenunglück elf Kumpel gerettet. Das hatte kaum jemand für möglich gehalten. Die verschütteten Bergleute der Gold- und Kupfermine San José werden möglicherweise noch Wochen oder Monate auf ihre Rettung warten, doch ihre Chancen stehen sehr gut. Auch deutsche Experten sind optimistisch: „Die Männer werden da raus kommen, da habe ich gar keine Befürchtungen, denn sie haben genug Sauerstoff und können über die Kleinbohrung versorgt werden“, sagt Hossein Tudeshki, Professor am Institut für Bergbau der Technischen Universität Clausthal, im Gespräch mit stern.de.
Unglücke, wie das von San José, gehören zu den beinahe alltäglichen Dramen des Rohstoffabbaus in den ärmeren Ländern dieser Welt. Die Mine San José ist seit 1889 in Betrieb. Nach einem tödlichen Unfall wurde sie zwar 2007 schon einmal geschlossen, doch im vergangenen Jahr wurde der Betrieb wieder aufgenommen. In die Teife gelangen die Arbeiter über einen sogenannten Wendelschacht, ein Tunnel der sich gleich einer Wendeltreppe in die Tiefe bohrt. Nach bisherigen Erkenntnissen ist dieser Schacht an zwei Stellen eingestürzt. Für die Arbeiter unterhalb der Einsturzstelle gab es fortan keinen Ausgang mehr. Die Mine drohte ihr feuchtheißes, finsteres Grab zu werden.
Mit allen Mitteln versuchen Rettungsarbeiter seit dem Unglückstag Kontakt zu den Verschütteten herzustellen. Jeder Versuch scheint zum Scheitern verurteilt, doch dann gelingt im wahrsten Sinne des Wortes der Durchbruch: Eine winzige Bohrsonde gräbt sich ihren Weg in den Schutzraum, in dem die Bergleute halbnackt und verzweifelt ihrer Rettung harren. Kurz darauf die Sensation, die Verschütteten reichen einen Zettel durch den Schacht. In roter Schrift stehen auf dem Papierfetzen die erlösenden Worte: „Uns geht es gut in dem Schutzraum – die 33.“ Kurz darauf wird ein Funkkontakt hergestellt, die Ärztin Paula Newman spricht mit den Bergleuten und bestätigt, die Männer seien „in einem perfekten Gesundheitszustand“.
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