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9. Oktober 2006, 14:48 Uhr
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Konservative Krawallbude

Seit 10 Jahren verfolgt Rupert Murdoch mit seinen "Fox News" ein ertragreiches Konzept: hoch emotional, politisch brisant und schön menschelnd. Bei den Demokraten ist er allerdings als "Propagandasender der Republikaner" verschrien.

Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg gratuliert Fox-Gründer Rupert Murdoch zum 10-jährigen Jubiläum© Peter Kramer/Getty Images

Ex-Präsident Bill Clinton machte dem Lieblingssender der US-Rechten, Fox News, unfreiwillig das größte Geburtstagsgeschenk. Als Moderator Chris Wallace ihn provozierend fragte, warum er denn nicht in seiner Amtszeit Terroristenchef Osama bin Laden zur Strecke gebracht habe, verlor Clinton die Fassung. "Die Rechten, die mich jetzt kritisieren, haben mich ausgelacht, als ich vor bin Laden warnte", sagte er sichtlich aufgebracht mit gerötetem Gesicht. Wallace habe mit seiner Frage einen "netten konservativen Anschlag" auf ihn verübt, schimpfte Clinton.

Mit aggressiven Moderatoren und rechts-patriotischer Polemik

Die Szene wurde unzählige Male in allen US-Sendern wiederholt, von seriösen Magazinen bis hin zu Comedy-Shows. Fox News hatte kurz vor seinem zehnten Geburtstag (am vergangenen Wochenende) einen Knüller - hoch emotional, politisch brisant und schön menschelnd. Diese Mischung ist typisch für den Sender des Medien-Moguls Rupert Murdoch. Mit aggressiven Moderatoren, rechts-patriotischer Polemik und viel Emotionen hat Fox News längst den Platzhirsch und "Großpapa CNN" ("USA Today") vom ersten Platz der Nachrichtenkanäle in den USA verdrängt. Heute sehen mit 1,6 Millionen Zuschauern täglich doppelt so viele Amerikaner Fox News wie CNN.

Das hat Fox News nicht zuletzt Moderatoren zu verdanken, die bei den Rechten zu wahren Kultfiguren wurden. Als Personifizierung des Senders gilt Starmoderator Billy O'Reilly. Seine Talkshow voller Attacken auf "friedenssehnsüchtige Demokraten" oder "Verharmloser des Terrors" sehen täglich über zwei Millionen Zuschauer. Der Sender, der sich als "fair und ausgewogen" preist, macht aus seinen Sympathien für die christliche Rechte, für US-Präsident George W. Bush und die Neokonservativen keinen Hehl. Viele sehen in Fox News einen Propagandasender der Republikaner, schon oft prangerten Demokraten, Bürgerrechtler und Medienexperten die Einseitigkeit des Senders an. Andere meinen, er spreche nur aus, was die Mehrheit der Amerikaner wirklich denke.

Patriotismus im Irak-Krieg

Fox News berichtet über den Irakkrieg betont patriotisch. Der Folterskandal von Abu Ghuraib wird aus der Bush-Perspektive bewertet: Verletzungen der Menschenrechte seien bedauerliche Pannen im Kampf der "Guten" gegen die "Bösen". Offen wird Verständnis für Folter gegen mutmaßliche Terroristen geäußert. Die UN gilt als "korrupt", Europäer oft als "undankbar" oder "feige". Kein Wunder, dass US- Vizepräsident Dick Cheney sich als Freund des Sender bekennt - und Fox News bei Demokraten und Linken ein verheerendes Image hat.

Allerdings kommen bei Fox News durchaus verschiedene Sichtweisen zu Wort. Auch der Parteichef der Demokraten, Howard Dean, und entschiedene Bush-Gegner wie der Milliardär George Soros oder der Filmemacher Michael Moore sind Interviewpartner. Zuweilen werden diese zwar rüde zurecht gewiesen, beschimpft oder für "schwachsinnig" erklärt - aber der Sender präsentiert Meinungsvielfalt, schon allein um der Dramatik willen. Spannend und unterhaltsam wird das Weltgeschehen zur Dauer-Inszenierung. Trommelwirbel, Fanfaren und hämmernde Musik sowie grelle Grafiken, alarmierende Laufbänder und rasche Bilderfolgen geben dem Programm ständige Dynamik.

Am meisten angegriffene Nachrichtenquelle

Fox News hat wohl mehr Feinde als jedes andere US-Medium. "Wir sind wahrscheinlich die am meisten angegriffene Nachrichtenquelle", meinte Sender-Chef Roger Ailes im "Hollywood Reporter". Murdoch sieht in den US-Medien vor allem "elitäre Journalisten" am Werk, die in keiner Weise "mit dem normalen Mann der Mittelklasse" zu tun haben, wie er der "Financial Times" sagte. Ailes kündigte laut "Los Angeles Times" an, trotz derzeit leichter Einbußen in der Gunst der Zuschauer "die wichtigste Nachrichtenquelle in den USA und in der Welt" werden zu wollen. In Montreal allerdings wurde jüngst Fox News beim internationalen Humorfestival ein "World Stupidity Award" verliehen, eine Auszeichnung, die "internationale Leistungen im Bereich Ignoranz und Dummheit" würdigt.

Laszlo Trankovits/DPA
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