Mubarak erleidet offenbar Infarkt bei Vernehmung

12. April 2011, 19:23 Uhr

Dramatischer Zwischenfall bei der ersten Vernehmung von Ägyptens Ex-Präsident Husni Mubarak durch die Justiz: Der einstige Machthaber erlitt bei der Befragung offenbar einen Herzinfarkt und wurde in eine Klinik eingeliefert. Wie es um ihn steht, ist unklar.

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Herzinfarkt bei der Vernehmung: Ägyptens Ex-Präsident Husni Mubarak©

Der ehemalige ägyptische Präsident Husni Mubarak hat offenbar bei einer Befragung einen Herzinfarkt erlitten. Ermittler der Staatsanwaltschaft hätten Mubarak wegen Vorwürfen der Bestechung und des Machtmissbrauchs vernommen, als dieser den Infarkt erlitten habe, berichtete das staatliche Fernsehen am Dienstagabend. Der 82-Jährige, der im Februar durch Massenproteste gegen seine Regierung zum Rücktritt gezwungen worden war, war zuvor in eine Klinik im Badeort Scharm el Scheich gebracht worden. Wie aus Justizkreisen verlautete, begann auch die Vernehmung der beiden Söhne Mubaraks.

Der Gesundheitszustand des Ex-Präsidenten sei "mehr oder weniger" stabil, sagte Krankenhausdirektor Mohammed Fathallah dem ägyptischen Staatsfernsehen. Nach drei Jahrzehnten an der Macht war Mubarak am 11. Februar zurückgetreten. Seitdem steht er in seiner Villa in Scharm el Scheich unter Hausarrest. Die ägyptische Justiz hatte am Sonntag Mubarak sowie seine beiden Söhne Alaa und Gamal zu einer Vernehmung vorgeladen. Sie wirft ihnen Gewalt gegen friedliche Demonstrationen sowie Veruntreuung staatlicher Gelder vor.

Innenminister Mansur el Issawi hatte Mubarak und seinen Söhnen mit Festnahme gedroht, sollten sie der Vernehmung fernbleiben. Mubarak weist bislang alle Vorwürfe zurück. Noch am Sonntag bekräftigte er in einer vom Sender El Arabija ausgestrahlten Tonbandaufzeichnung, er habe sich nichts vorzuwerfen.

Für die Vernehmung war der 82-Jährige in einem gepanzerten Fahrzeug von seinem Haus in Scharm el Scheich in die Stadt Al-Tur gefahren. Vorsorglich war das dafür vorgesehene Justizgebäude gegen mögliche Angriffe gesichert worden. Bei einer Großdemonstration am vergangenen Freitag in Kairo hatten zehntausende Ägypter eine Bestrafung Mubaraks und anderer Regimegrößen gefordert.

Kluft zwischen Militär und Bevölkerung wächst

Unterdessen wächst die Kluft zwischen dem Militär und der Bevölkerung. "Das Volk und die Armee gehen Hand in Hand", war einer der Slogans der ägyptischen Revolution, die im Februar Präsident Mubarak zu Fall gebracht hatte. Doch inzwischen werfen viele Ägypter der Armee vor, sie sorge weder für Sicherheit im Land noch distanziere sie sich von den undemokratischen Praktiken der Mubarak-Ära.

Die Ägyptische Organisation für Menschenrechte (EOHR) kritisierte am Dienstag die Verurteilung eines Bloggers zu drei Jahren Haft durch ein Militärgericht. Der 25 Jahre alte Internet-Aktivist muss wegen "Beleidigung der Streitkräfte" in Haft.

Die Menschenrechtsorganisation forderte, es dürfe keine Verfahren gegen Zivilisten vor Militärgerichten mehr geben. Zuvor hatte die Organisation bereits den Einsatz von "übertriebener Gewalt" gegen Demonstranten durch die Militärpolizei verurteilt.

Mehrere Ex-Funktionäre sitzen in Haft

Der Ex-Präsident soll auch Schlägertrupps bezahlt haben, die für den Tod von Demonstranten während der Proteste verantwortlich gemacht werden, die am 11. Februar zu seinem Sturz geführt hatten. Seither halten sich Mubarak und seine Söhne Alaa und Gamal in Scharm el Scheich auf. Sie stehen unter Hausarrest.

Unterdessen landen immer mehr Funktionäre seines Regimes hinter Gittern. Aus Justizkreisen verlautete am Dienstag, der frühere Parlamentspräsident Fathi Surur sei für diesen Mittwoch zu einer ersten Anhörung durch die Ermittlungsbehörden einbestellt worden. Die Wahrscheinlichkeit, dass für ihn Untersuchungshaft angeordnet werde, sei hoch.

In den vergangenen Tagen waren bereits mehrere Ex-Funktionäre aus der Mubarak-Ära wegen des Verdachts der illegalen Bereicherung im Amt in Untersuchungshaft genommen worden. Darunter sind der Vorsitzende des Schura-Rates, Safwat al-Scharif, und Ex-Ministerpräsident Ahmed Nasif. Die Minister für Inneres, Wohnungsbau und Tourismus sitzen schon länger in Haft.

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