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23. November 2006, 12:32 Uhr

Ex-KGB-Agent erlitt Herzstillstand

Der Gesundheitszustand des Ex-KGB-Agenten Litvinenko hat sich drastisch verschlechtert - in der Nacht zum Donnerstag stand kurzzeitig sein Herz still. Litvinenko hatte im Fall Politkowskaja recherchiert und wurde vermutlich vergiftet.

Der Gesundheitszustand von Alexander Litvinenko hat sich verschlechtert© Litvinenko-Familie/EPA

Der Gesundheitszustand des russischen Ex-Spions Alexander Litvinenko, auf den vermutlich ein Giftanschlag verübt wurde, hat sich in der Nacht zum Donnerstag verschlechtert. "Er ist jetzt in einem sehr ernsten Zustand und wird weiterhin auf der Intensivstation behandelt", teilte das University College Hospital in London am Donnerstagmorgen mit. Litvinenko hatte in der Nacht zum Donnerstag einen Herzstillstand erlitten und wurde im Universitätskrankenhaus an lebenserhaltende Geräte angeschlossen.

Der 41-jährige Litvinenko ist ein Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Nach Angaben eines seiner Vertrauten sammelte er Informationen über die Hintergründe des Mordes an der regierungskritischen Journalistin Anna Politkowskaja. Der Kremlkritiker war nach einem Treffen mit einem italienischen Sicherheitsexperten in einem Sushi-Restaurant Anfang November erkrankt. Seine Ärzte vermuteten zunächst, dass er mit dem Schwermetall Thallium vergiftet wurde, später erklärten sie, es könne sich auch um eine radioaktive Substanz gehandelt haben.

Ein italienischer Kontaktmann des ehemaligen Agenten sagte am Mittwoch, Litvinenko habe mächtige Feinde in seiner Heimat. "Wir wissen sehr gut, wer Litvinenkos Feinde sind", sagte Mario Scaramella im Rundfunk der BBC. Er hatte mit Litvinenko jahrelang auf die Verbindungen zwischen dem organisierten Verbrechen und ranghohen Amtsträgern in Russland hingewiesen. Freunde Litvinenkos haben die russische Regierung beschuldigt, den Giftanschlag veranlasst zu haben. Doch der russische Auslandsgeheimdienst hat den Vorwurf scharf zurückgewiesen. "Litvinenko ist nicht die Art Person, für die wir bilaterale Beziehungen aufs Spiel setzen würden", zitierte die Nachrichtenagentur Interfax am Mittwoch den Sprecher des Geheimdienstes.

Litvinenko bat 2000 in Großbritannien um Asyl

Litvinenko trat zu Sowjetzeiten dem Geheimdienst KGB bei und stieg bei dessen Nachfolgeorganisation, dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB, zum Oberst auf. Im November 2000 flüchtete er aus Russland und bat in Großbritannien um Asyl. Zwei Jahre zuvor hatte er seine Vorgesetzten beim FSB öffentlich beschuldigt, ihm die Tötung des russischen Milliardärs Boris Beresowski befohlen zu haben, der damals zum Machtzirkel des Kremls gehörte. Außerdem beschuldigte er FSB-Beamte, 1999 Bombenanschläge auf Wohnhäuser in Russland koordiniert zu haben, bei denen 300 Menschen ums Leben kamen und die den zweiten Tschetschenien-Krieg auslösten.

AP/Reuters
 
 
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