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Boris Beresowski: "Ich sollte ermordet werden"

Nach einer Warnung von Scotland Yard hat der russische Geschäftsmann Boris Beresowski kurzzeitig Großbritannien verlassen, um damit nach eigenen Angaben einem Mordkomplott zu entgehen. Der Oligarch und Putin-Kritiker macht den Kreml für den Mord an dem ehemaligen KGB-Agenten Alexander Litwinenko verantwortlich.

Der russische Geschäftsmann Boris Beresowski sollte nach eigenen Angaben vor kurzem in London ermordet werden. Er sei vom Scotland Yard vor drei Wochen über einen Mordplan informiert und angewiesen worden, Großbritannien zu verlassen, sagte Beresowski dem Sender BBC. Er sei sofort abgereist und erst eine Woche später zurückgekehrt. Scotland Yard und der britische Geheimdienst MI5 wollten Beresowskis Aussagen nicht kommentieren.

Beresowski genießt in Großbritannien politisches Asyl. Er ist ein lautstarker Kritiker der russischen Regierung und machte den Kreml für den Mord an dem ehemaligen KGB-Agenten Alexander Litvinenko im vergangenen November verantwortlich.

Ein Agent des Geheimdienstes MI5 sagte, dass er ein von russischer Seite arrangiertes Komplott für möglich halte. "Die Geschichte zeigt, dass die Russen bereit sind, auch im Ausland Aktionen gegen ihre Kritiker zu veranlassen." Er gehe davon aus, dass rund 30 russische Spione in London seien, um Kritiker dort zu überwachen, sagte der MI5-Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Merkel hofft auf schnelle Beilegung des Konflikts

Die Beziehungen zwischen Russland und Großbritannien sind derzeit wegen der Affäre um den vergifteten Ex-Agenten Alexander Litwinenko stark belastet. Russland weigert sich, den Verdächtigen Andrej Lugowoi auszuliefern, Großbritannien will nun russische Diplomaten ausweisen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte London und Moskau zu einer schnellen Beilegung ihres Konflikts auf. Die Vergiftung des früheren russischen Spions im November vorigen Jahres mit radioaktivem Polonium 210 in London müsse aufgeklärt werden, sagte Merkel in Berlin. Der Mord habe auch andere Menschen in Gefahr gebracht.

Sie hoffe und glaube nicht, dass sich die Auseinandersetzung zu einer Krise zwischen der EU und Russland ausweiten werde. Russland und Großbritannien seien eng miteinander verflochten. "Ich hoffe, dass das ganz schnell beigelegt wird."

Mord nach Plan

Beresowski sagte, er habe auch einen Tipp aus Russland bekommen. "Jemand, den ich kenne, sollte nach London kommen, mich treffen und mich öffentlich töten, ohne sich zu verstecken. Später sollte der Täter erklären, es sei aus Geschäftsgründen geschehen", sagte er.

Die Boulevardzeitung "Sun" berichtete, ein Auftragsmörder sollte Beresowski im Hilton Hotel in der Innenstadt erschießen. Der Mann sei aber nach Geheimdiensthinweisen gefasst worden. Eine Bestätigung von Polizei oder Innenministerium gab es dafür nicht.

Der russische Botschafter in London, Juri Fedotow sagte, ein mögliches Mordkomplott gegen Beresowski würde ihn nicht überraschen, da dieser auch wirklich keine Gelegenheit auslasse, sich mit seinen Äußerungen öffentlich in Gefahr zu bringen. Fedotow, sagte dem Fernsehsender BBC, dass die Behauptung Beresowskis "seltsam" sei und er diese nicht bestätigen könne. Er schloss aber jede Verwicklung seines Landes in einen Mordplan aus. "Beresowski ist in viele internationale Verbrechen wie Geldwäsche, Korruption und organisiertes Verbrechen involviert", sagte der Botschafter.

Vor Gericht in einem Drittland verantworten

Beresowski, der seit 2000 im Exil in Großbritannien lebt, war in Russland mehrfach Opfer von versuchten Mordanschlägen geworden. Russland verlangt Beresowskis Auslieferung und wirft ihm Geldwäsche sowie Korruption vor. Beresowski forderte Lugowoi, sich in einem Drittland wie Deutschland, Dänemark oder Norwegen vor Gericht zu verantworten. Lugowoi beteuert seine Unschuld. Er selbst sei bereit dies ebenfalls zu tun, sagte Beresowksi. Er würde so die Vorwürfe Russlands entkräften, er sei in den Mord an Litwinenko verwickelt.

Unterdessen kündigte der Sprecher des britischen Premierministers Gordon Brown am Mittwoch an, den Prozess gegen den Hauptverdächtigen im Mordfall des früheren KGB-Agenten Alexander Litvinenko möglicherweise in einem dritten Land abzuhalten. Dann sei Russland womöglich eher bereit, den Hauptverdächtigen Andrej Lugowoi auszuliefern. Browns Sprecher Michael Ellam betonte, entscheidend sei, dass der Prozess von einem britischen Gericht verhandelt werde - egal wo.

Eine ähnliche juristische Konstellation hatte es bei dem Prozess um den Terroranschlag auf ein Passagierflugzeug in Lockerbie 1988 gegeben. Der Prozess gegen libysche Geheimdienstagenten wurde von einem schottischen Gericht in den Niederlanden geführt.

Ein höchst ungewöhnlicher Vorfall

Die britische Zeitung "Times" berichtete auf ihrer Internetseite von zwei russischen Bombern, die am Dienstag dem britischen Luftraum vor Schottland nahe gekommen seien. Zwei britische Kampfjets seien deshalb aufgestiegen. "Die Russen kehrten um, bevor sie den britischen Lauftraum erreichten", sagte ein Sprecher der Royal Air Force der "Times".

Ein Sprecher der russischen Luftstreitkräfte sagte, der Bericht entspreche nicht den Tatsachen. Die Maschinen hätten Ausbildungsflüge über neutralen Gewässern durchgeführt. Die britische Air Force nannte den Vorfall jedoch höchst ungewöhnlich.

DPA/AP / AP / DPA