Russland befürchtet Eskalation durch "Patriot"-Einsatz

22. November 2012, 06:41 Uhr

Der Bundeswehr-Einsatz an der türkisch-syrischen Grenze rückt näher. Regierung und SPD sind bereit, "Patriot"-Raketen zu entsenden. Russland befürchtet dagegen, dass der Konflikt dadurch eskaliert.

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Deutsche "Patriot"-Raketen an der deutsch-syrischen Grenze: Im Dezember wird der Bundestag dem Einsatz wohl zustimmen©

Die Bundesregierung kann bei der Abstimmung über den "Patriot"-Einsatz in der Türkei mit der Zustimmung der SPD rechnen. Der SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels signalisierte die Zustimmung seiner Fraktion. "Ich gehe davon aus, dass die SPD mitmacht", sagte Bartels der "Mitteldeutschen Zeitung". Es gehe auch kaum anders, wenn ein Bündnispartner um Hilfe bitte. "Wenn wir es nicht täten, wäre das ein fatales Signal."

Die russische Regierung hat dagegen größte Vorbehalte gegen einen möglichen Einsatz deutscher Soldaten in der Türkei. Die geplante Entsendung von "Patriot"-Luftabwehrraketen an die Grenze mit Syrien könne eine weitere Eskalation des Konflikts in der Region zur Folge haben, sagte Vize-Außenminister Sergej Rjabkow der Agentur Interfax zufolge am Donnerstag in Moskau. "Das dortige Grenzgebiet wird immer unruhiger", sagte Rjabkow. Statt um eine militärische Initiative sollte sich die internationale Gemeinschaft lieber um eine politische Lösung bemühen. Diese war in der Vergangenheit nicht zuletzt an der Haltung Russlands ebenso gescheitert wie Sanktionsbeschlüsse durch die Vereinten Nationen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan trat den Befürchtungen entgegen. Die Nato-Luftabwehr werde nicht in den syrischen Konflikt verwickelt werden, die "Patriot"-Raketen dienten ausschließlich der Verteidigung.

Die Türkei hatte die Nato am Mittwoch offiziell um eine Stationierung von "Patriot"-Luftabwehrraketen an der Grenze zu Syrien gebeten. Die Bundesregierung erklärte sich zur Hilfe bereit. Verteidigungsminister Thomas de Maizière forderte den Bundestag auf, in der zweiten Dezemberwoche darüber zu entscheiden. Anschließend könnte der Marschbefehl erfolgen und die Bundeswehr innerhalb von zehn Tagen im Einsatzgebiet sein. Im Gespräch ist die Entsendung von ein bis zwei deutschen "Patriot"-Staffeln mit jeweils etwa 85 Soldaten.

Grüne fordern mehr Informationen

Der sicherheitspolitische Sprecher der Grünen, Omid Nouripour, fordert vom Verteidigungsministerium, schnell mehr Fakten zum Einsatz. Nouripour sagte MDR INFO, es sei klar, dass es eine Beistandsverpflichtung zwischen den Nato-Partnerstaaten gebe. Für ihn laute aber die zentrale Frage, wo die Raketen stationiert werden: "Was ist denn die Brandmauer? Und wie sieht die Brandmauer aus, die verhindert, dass Nato-Truppen, die in der Türkei stationiert sind, in den Konflikt hineingezogen werden auf syrisches Territorium?"

In ihrer Anfrage betonte die Türkei, der Einsatz der "Patriots" sei "rein defensiv", solle zur Deeskalation der Lage in dem Krisengebiet beitragen und diene nicht zur Schaffung einer Flugverbotszone über syrischem Gebiet. Für Deutschland waren dies die wichtigsten Voraussetzung für eine Beteiligung an der Mission.

Neben Deutschland verfügen nur die USA und die Niederlande über die modernste "Patriot"-Version. Es wird erwartet, dass sich alle drei Länder an dem Einsatz beteiligen. Zunächst wird der Antrag der Türkei aber bei der Nato in Brüssel geprüft.

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