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17. Oktober 2011, 15:55 Uhr

In Norwegen gehören Frauen in Chefetagen zum Alltag

In Norwegen gilt eine 40-Prozent-Frauenquote für Aufsichtsräte. Große Schlachten werden darum nicht mehr geschlagen. Dramatische Befürchtungen haben sich ebenso wenig bewahrheitet wie hochfliegende Blütenträume.

Im norwegischen Nobelkomitee sind vier der fünf Mitglieder Frauen. Vor nicht einmal zwei Wochen hat das Gremium bekanntgegeben, dass drei Frauen aus Afrika und dem Jemen den Friedensnobelpreis bekommen. Was für eine Frauenquote, könnte man meinen. Schließlich hat Norwegen schon 2003 die international als bahnbrechend geltende Quotenregelung für Aufsichtsräte beschlossen. Bei knapp 400 an der Börse notierten Unternehmen (der norwegischen Rechtsform ASA) ist die seit 2008 voll wirksame Mindestquote von 40 Prozent erreicht und gehört zum Alltag.

Marit Hoel vom Osloer Institut für Unternehmensvielfalt findet die Auswirkungen dieser auch in Skandinavien zunächst heftig umkämpften Zwangsquote "viel undramatischer als von den einen erhofft und von den anderen befürchtet. Es hat sich gezeigt, dass Frauen in Aufsichtsräten nach denselben Prinzipien arbeiten wie die Männer, die sie verdrängt haben."

Die meisten von ihnen hätten weniger Erfahrung einbringen können, dafür aber "deutlich mehr Kompetenzen dank besserer Ausbildung". Die von Quoten-Gegnern geäußerte Befürchtung von Qualitätsverlusten in Aufsichtsräten habe sich eindeutig nicht erfüllt. Umgekehrt sei aber auch die Hoffnung von Befürwortern enttäuscht worden, dass die Zwangsquote von Aufsichtsrätinnen einen starken Sog für Frauen in leitenden Management-Positionen nach sich ziehen würde.

Ausweitung der Quote - Gleichberechtigung schaffen

Nina Solli vom Arbeitgeberverband NHO beziffert den Anteil von Frauen in unternehmerischen Spitzenpositionen auf 22 Prozent. In den vergangenen fünf Jahren stieg er, parallel zur Durchsetzung der Frauenquote in Aufsichtsräten, um 4 Prozentpunkte an. Bei Vorstandschefinnen (CEO) oder Geschäftsführerinnen ist er mit einer Veränderung von 16 auf 17 Prozent fast stabil geblieben.

Auch bei den nicht von der Quote betroffenen größeren Unternehmen mit Börsenpräsenz in Norwegen (AS) ist der Frauenanteil in den Aufsichtsräten mit 21 Prozent (2010) nicht unbedingt überragend. Wirtschaftsminister Trond Gieske hat deshalb die Ausweitung der Quote auf andere Unternehmensformen angekündigt. "Brechen wir diese Männerbastion nicht, schaffen wir nie die Gleichberechtigung", äußerte sich der Sozialdemokrat in der Zeitung "VG".

Sonst ist die große Härte aber aus der norwegischen Quoten-Debatte längst verschwunden. Wurde der Friedensnobelpreis 2010 für drei Frauen weltweit als Signal für Gleichberechtigung gefeiert, blieb das Echo in Osloer Medien vergleichsweise leise. Dafür sorgte wortreich auch Ex-Regierungschef Thorbjörn Jagland. Er ist der einzige verbliebene Mann im Nobelkomitee - und auch dessen Vorsitzender.

Thomas Borchert, DPA
 
 
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