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15. April 2010, 14:40 Uhr

Taliban brüsten sich mit Anschlag

In der Taliban-Hochburg Baghlan sind bei Kämpfen mit Aufständischen vier Bundeswehr-Soldaten getötet worden, fünf weitere wurden verletzt. Die Taliban bekannten sich zu der Tat. Von Christoph Reuter, Kabul

Guttenberg, Afghanistan, Bundeswehr, Kundus, Taliban, Bundesregierung, Verteidigungsminister

Bundeswehr-Soldaten auf Patrouille nahe Kundus. Am Donnerstag kamen erneut vier Soldaten bei Kämpfen ums Leben© Michael Kappeler/DDP

Zwei Wochen nach den tödlichen Gefechten am Karfreitag sind erneut vier deutsche Soldaten bei einem Angriff in Afghanistan getötet worden. Wie die Bundeswehr mitteilte, starben nahe der Stadt Baghlan vier ihrer Soldaten. Sie waren unterwegs in einer sogenannten OMLT-Patrouille - eine internationale Einheit zur Ausbildung der afghanischen Streitkräfte - als sie beschossen wurden.

Laut Bundeswehr wurden die deutschen Isaf-Kräfte gegen 14.30 Uhr Ortszeit etwa hundert Kilometer südlich von Kundus beschossen, fünf Soldaten wurden zum Teil schwer verwundet und zur medizinischen Versorgung in das Feldlager Masar i Scharif ausgeflogen. Die deutschen Kräfte befänden sich nach den Gefechten "weiter im Einsatzraum", erklärte die Bundeswehr.

Taliban bekennen sich zur Tat

Zu dem Angriff haben sich bereits kurz nach der Tat die Taliban bekannt. Sabiullah Mudschahid, Sprecher der Radikal-Islamisten sagte, bei den Gefechten seien ein Panzerfahrzeug von einer Rakete und drei weitere durch Sprengsätze zerstört worden. Angaben der Taliban sind in der Regel stark übertrieben. Ob es auch unter den Taliban Verletzte oder Tote gab, ist der deutschen Einsatzführung bislang nicht bekannt.

Die deutsch-belgische Patrouille soll in einem gepanzerten Fahrzeug des Typs Eagle IV unterwegs gewesen sein, heißt es. Von diesen sogenannten geschützten Fahrzeugen hat das Verteidigungsministerium jüngst erst 60 Stück bestellt. Diese sollen bis Anfang 2011 nach Afghanistan geliefert werden und weniger geeignete gepanzerte Fahrzeuge älteren Jahrgangs ersetzen.

Besonders gefährlicher Bezirk

Baghlan e Dschadide gilt als außerordentlich gefährlicher Bezirk, dessen Regierungsgebäude im Kern der gleichnamigen Stadt bereits am Tag der Präsidentschaftswahlen im August vergangenen Jahres für mehrere Stunden von den Aufständischen überrannt wurde.

Die Aufständischen fühlen sich hier dermaßen mächtig, dass sie sich bereits interne Kämpfe um die Machtverteilung geliefert haben: Im März gab es heftige Kämpfe zwischen der Hizb i Islami unter Führung des Warlords und früheren afghanischen Kurzzeit-Ministerpräsidenten Gulbudin Hekmatyar und den Taliban. Sie endeten mit einem Sieg der Taliban, die seither ihre Kontrolle ausgeweitet haben.

Die Provinz steht nominell unter Kontrolle des ungarischen Isaf-Kontingents - dessen Soldaten aber weder die Waffen, noch das Personal, noch das Mandat von ihrer Regierung haben, die Provinz Baghlan auch nur annähernd kontrollieren zu können.

Bundeswehr beschwert sich über vergebliche Anstrengung

Schon früher haben sich Bundeswehroffiziere darüber beklagt, dass ihre Anstrengungen gegen die Taliban im Kampf-Bezirk Chahar Darra immer wieder ins Leere laufen, wenn die Kämpfer sich einfach nach Süden gen Baghlan absetzen. Zumal die Kommunikation zwischen den Einsatzstäben in Kundus und Baghlan lediglich über Kabul läuft, direkten Austausch gebe es keinen.

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zeigte sich "tieftraurig" über den Tod der Soldaten. Er brach seine Rückreise von einem Truppenbesuch ab und wird in Begleitung von Generalinspekteur Volker Wieker zurück in das Bundeswehr-Lager in Masar i Scharif fliegen: "Ich werde unmittelbar nach Afghanistan zurückreisen, um bei unseren Soldaten vor Ort zu sein", sagte er bei einer Zwischenlandung seiner Delegation in Usbekistan.

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Arnold, der sich als Mitglied der Delegation des Verteidigungsministers ebenfalls in Usbekistan aufhielt, sprach von einem "sehr tragischen" Vorfall. Es sei offenbar eine eigentlich erfolgreiche Operation gewesen. Als dann alle schon gedacht hätten, diese sei beendet, habe sich offenbar der Angriff ereignet. Im Gegensatz zum Minister sollte die Delegation nach Angaben von Arnold von Usbekistan aus zurück nach Deutschland fliegen.

Merkel: "Müssen den Einsatz fortführen"

Die Politik reagiert bestürzt auf die Nachricht: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sprachen den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl aus. Merkel bekannte sich von ihrer USA-Reise aus erneut zu dem Engagement Deutschlands in Afghanistan: "Wir müssen den Einsatz fortführen." SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier erklärte: "Wir Sozialdemokraten verurteilen den feigen und hinterhältigen Anschlag auf das Schärfste." Die Linken nahmen den Anschlag erneut zum Anlass, den sofortigen Abzug der Truppe aus Afghanistan zu fordern. "Ein weiterer Verbleib der Bundeswehr in Afghanistan ist absolut unverantwortlich", so Verteidigungsexpertin Inge Höger.

Der Bundeswehrverband zeigte sich "bestürzt und wütend". Spätestens jetzt dürften Politik und Öffentlichkeit nicht mehr die Augen davor verschließen, in welch kriegsähnlicher Situation sich die Bundeswehr vor allem im Raum Kundus seit langem befinde, erklärte Verbandsvize Wolfgang Schmelzer.

mit Agenturen
 
 
KOMMENTARE (10 von 31)
 
Administrator (15.04.2010, 17:30 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Kommentare.

wir schließen die Debatte, da eine sachliche Diskussion an dieser Stelle anscheinend nicht mehr möglich ist.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihre stern.de-Admins

Tempelhofer (15.04.2010, 15:31 Uhr)
@ RaBauke83
Sie haben recht. Die Regierung muss endlich entscheiden, der Bundeswehr alle notwendige Unterstützung zu geben, und eine effektive militärische Selbstverteidigung zu ermöglichen.

Sie haben recht, das waren nicht die letzten toten Soldaten in Afghanistan. Umso schlimmer ist es, wie die Linken Kriegstote zur Wahlwerbung mißbrauchen.
endbenutzer (15.04.2010, 15:28 Uhr)
@kaffesatz:
"...Was werden Frau Kanzlerin und der Kriegsminister diesmal bei der Trauerfeier sagen?..."

Nichts, denn sie werden nicht dabei sein. Für Trauerfeiern im Wochentakt haben unsere Regierenden leider keine Zeit..
AlwinThiloMozart (15.04.2010, 15:27 Uhr)
Kein Zweifel - die Talibans machen nun ernst
Man kann es in gewisserweise mit Stalins Slogan 1942 vor der Wolga in Stalingrad vergleichen: "Kein Schritt weiter". Mit Stalingrad wendete sich das Blatt für die Wehrmacht bis hin zum totalen Ende 1945.

Ähnliches blüht nun unserem Buben am Hindukusch. Nach 9 Jahren Krieg haben die Talibans nur geblufft, sie schlagen jetzt zurück und erteilen der Bundeswehr eine bittere Lekttion in Sachen Partisanenkampf. Man wird wieder von "feigen" Anschlägen sprechen und Krokodilstränen quetschen. Was wäre denn "unfeige"? Die Taliban machen das, was effektiv ist - nicht mehr und nicht weniger.
Eigentlich weiß es jetzt jeder, genauso wie 1943 nach der Niederlage vor Stalingrad: Der Krieg ist verloren.
OttoB (15.04.2010, 15:26 Uhr)
@Tempelhofer
Da sie ja so schlau sind dann schreiben sie doch bitte für uns dümmeren.
Wann hat ein Afghane oder ein Taliban Deutschland oder einen Nato Partner angegriffen, ich weiß es nicht.
Der Twin Tower wurde von Terroristen angegriffen hier unter war weder ein Afghane oder ein Taliban und ihr Führer Bin Laden kommt aus Saudi Arabien.
Es waren Ausbildungslager der Terroristen in vielen Ländern und sind es heute noch, warum Afghanistan?
Bitte mit sachlichen Zahlen, nicht mit dem üblichen Geschwätz antworten son dern klare Fakten. So wie ein afghanisches Kampflugzeug bombardierte am..........
auwei (15.04.2010, 15:26 Uhr)
@kabelmann
Das wusste sogar schon George W. Bush. Die Taliban, Saddam Hussein und die verdammten Liberals - und wer was anderes behauptet, ist gegen uns!!!
RaBauke83 (15.04.2010, 15:24 Uhr)
Das waren nicht die letzten
Deutschen Soldaten die gefallen sind. Wann werden die Jungs endlich gescheid ausgerüstet. Was die da unten machen ist "bewaffnetes THW" und ausserdem frage ich mich warum ein Deutscher Soldat wenn er sich schon in Gefahr begibt, nicht den besten möglichen Schutz erhält =? Was ist mit Panzern, Drohnenaufklärung und Luftunterstützung ?

Entweder werden unsere Soldaten endlich gescheid ausgerüstet und auch ansonsten voll unterstützt oder sie sollten abgezogen werden.

Mein Beileid gilt den Angehörigen, und mein Dank den deutschen Soldaten die täglich Ihr Leben aufs Spiel setzen.
endbenutzer (15.04.2010, 15:23 Uhr)
Es reicht!
Holt die Jungs da raus!
kabelmann (15.04.2010, 15:22 Uhr)
@freee
Ach WTC waren die Taliban?

WoW, sie wissen ja mehr als der Rest der Welt.
kaffeesatz (15.04.2010, 15:22 Uhr)
Wir befinden uns im Krieg
und das nicht nur "umgangssprachlich"!
Offenbar haben Mutti und ihr von und zu lange keinen Blick mehr in unser Grundgesetz geworfen. Die Afghanen wollen uns nicht, wir sollten unsere Freiheit nicht am Hindukusch verteidigen wollen od. sollen. Es haben die Engländer und die Russen schon probiert und sind gescheitert. Warum glauben unsere Politiker eigentlich, dass nur wir die allein seeligmachende Lebensform haben! Raus da! Sofort! und nicht noch mehr junge Menschen verheizen!
Was werdenTrauerfeier Frau Kanzlerin und der Kriegsminister diesmal bei der Trauerfeier sagen? Der Kiegseinsatz ist gerecht und notwendig? Sie verneigen sich!
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