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8. September 2011, 07:10 Uhr

Gaddafi meldet sich per Telefon

Nach längerem Schweigen hat sich Libyens Ex-Diktator Gaddafi wieder gemeldet - per Telefon: Berichte über seine Flucht nach Niger seien eine Lüge, sagte er. Der Nato schickte er eine Kampfansage.

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Der Anrufer aus der Wüste: Gaddafi hat sich erneut per Audiobotschaft zu Wort gemeldet© Sabri Elmhedwi/DPA

Der gestürzte libysche Machthaber Muammar al Gaddafi hat in einer neuen Audiobotschaft Gerüchte über seine Flucht nach Niger dementiert. Seinen Gegnern bleibe "nichts mehr als psychologischer Krieg und Lügen", sagte Gaddafi am Donnerstag nach mehreren Tagen Schweigen in einem Anruf bei dem syrischen Sender Arrai TV. Nach Angaben des Senders kam der Anruf aus Libyen und wurde live gesendet. "Wir werden die Nato besiegen", sagte der Ex-Diktator. Die Angriffe gegen die "Ratten und Söldner" würden verstärkt.

Ein Konvoi aus Libyen, der Anfang der Woche in Niger eingetroffen war, hatte Spekulationen über eine Flucht Gaddafis in das Nachbarland ausgelöst. An dem Konvoi sei nichts Besonderes gewesen, erklärte Gaddafi nun in seiner Audiobotschaft. Es gebe eine Menge Transporte zwischen den Nachbarländern.

Auch Nigers Regierung dementierte eine Flucht Gaddafis. Dieser habe die Grenze zum Niger weder überquert noch um eine Einreisegenehmigung gebeten, sagte Außenminister Mohamed Bazoum der britischen BBC. Er hoffe, dass Gaddafi gar nicht in sein Land komme. Noch sei aber keine Entscheidung getroffen worden, ob er andernfalls im Land bleiben dürfe oder an den auch von Niger anerkannten Internationalen Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag überstellt werde.

Hochrangige Gaddafi-Getreue in Niger inhaftiert?

Nach US-Angaben befanden sich in dem Konvoi mehrere hochrangige Anhänger Gaddafis. Die Offiziere und Mitglieder des "früheren Regimes von Gaddafi" würden nun in der nigrischen Hauptstadt Niamey festgehalten, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Washington. Sie seien in Häusern der Regierung untergebracht und ständen unter Beobachtung Bazoum wies das zurück: Die Mitglieder des Gaddafi-Regimes, die mit dem Konvoi in Niamey eingetroffen seien, könnten frei entscheiden, ob sie bleiben oder weiterreisen wollten.

Die USA riefen die Länder in der Region zur Wachsamkeit auf. Die Grenzen sollten gesichert und Mitglieder des Gaddafi-Regimes festgenommen werden. Niger sieht sich jedoch außerstande, die Grenze zum nördlichen Nachbarn Libyen dichtzumachen. "Wir haben keine Mittel, die Grenze zu schließen", sagte Bazoum.

Widersprüchliche Angaben über Jagd auf Gaddafi

Spekulationen arabischer Medien zufolge könnte Gaddafi versuchen, über Niger Burkina Faso zu erreichen. Meldungen, wonach dem Despoten dort Unterschlupf angeboten worden sei, wurden laut BBC aber von der Regierung des westafrikanischen Landes zurückgewiesen.

Wo sich Gaddafi aufhält, ist weiter unklar. Am Mittwoch hatte ein Rebellensprecher dem Sender Libya TV gesagt, Kämpfer hätten ihn eingekreist. Er könne nicht mehr fliehen. Einzelheiten wurden aber nicht mitgeteilt. Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete unter Berufung auf den Militärrat in Tripolis, es sei nur eine Frage der Zeit, bis der Despot gefangen genommen oder getötet werde. Dagegen sagte ein Sprecher des Übergangsrates in Bengasi der Nachrichtenagentur dpa, alle Berichte über ein mögliches Versteck Gaddafis seien Spekulation. "Wir wissen es nicht. Es sind alles nur Theorien."

mad/DPA/AFP
 
 
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