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10. Dezember 2009, 17:08 Uhr

Obamas gerechter Krieg

Er trat auf wie der Präsident des Planeten Erde. In seiner furiosen Rede hat US-Präsident Obama skizziert, wann ein Krieg gerechtfertigt sein kann - und damit an Glaubwürdigkeit gewonnen. Von Katja Gloger

Nobelpreis, Friedensnobelpreis, Oslo, Barack, Obama

Barack Obama in Oslo: "Was ist ein gerechter Krieg?"© Odd Andersen/AP

Zack, schnell rüber nach Oslo, ein Nachtflug, die Zeit ist knapp, 26 Stunden bleibt er, bloß nicht zuviel Rummel. Am Morgen, ein langer Eintrag ins noble Gästebuch, dazu eine sarkastische Bemerkung von Gattin Michelle: "Du schreibst da wohl ein Buch." Ein Preis, eine Rede, und abends, na ja, das traditionelle Aquavit-Sorbet im Grand Hotel. Und dann rasch zurück nach Washington. Bloß nicht den Eindruck erwecken, als suche er internationale Anerkennung, gar Ruhm.

"Ich will keinen Popularitäts-Wettbewerb gewinnen", hatte er noch vor seinem Abflug leicht säuerlich auf Reporterfragen geantwortet. Und hatte eigentlich schon zusammengefasst, was das Thema seiner Rede werden würde: "Das Ziel ist es, Amerikas Interessen in der Welt zu fördern. Das Ziel ist es, dass wir eine Macht des Guten in der Welt werden. Dies waren wir über Jahrzehnte. Und wenn ich dabei Erfolg habe, dann wird die Kritik vielleicht abnehmen. Und wenn ich keinen Erfolg habe, dann kann das kein Preis der Welt überdecken."

Welch ein Anspruch: Amerika soll wieder eine Macht des Guten in der Welt werden.

Sein strahlendes Gewinnerlächeln, immer wieder knipste er es an, müde die Augen, Ehefrau Michelle im goldenen Kleid, dazu eine Strickjacke. Als ob es bloß nicht zu festlich wirken sollte. Die beiden hatten ein Jazz-Trio mitgebracht, die strahlend schöne, quietschlebendige Kontrabass-Spielerin Esperanza Spalding, gerade mal 23 Jahre alt. Sie sang, nun ja, von der Hoffnung und ihrem Glauben an die Menschheit. Es sollte bloß nicht zu pompös daherkommen.

Eher Bürde als Auszeichnung

Dieser Friedensnobelpreis war ja von Anfang an mehr Bürde als Auszeichnung für ihn. Andere hätten ihn viel mehr verdient, sagte er, dieser Preis könne nur als Aufruf zum Handeln verstanden werden. In seiner eigenen Partei mühte man sich krampfhaft um Erklärung, die oppositionellen Republikaner fielen genüsslich über ihn her, den angeblichen "Ankündigungspräsidenten", der sich beim Rest der Welt nur einschmeicheln wolle. Und wenn schon dieser Preis, dann solle er dem "US-Soldaten" gewidmet werden, so der konservative Kommentator David Frum, "denn der erhält seit 1941 den Frieden in der Welt." Obamas Pressesprecher hingegen spricht eher hilflos von einem "Zufall".

Nun also Oslo. Die dritte Grundsatzrede, die Obama innerhalb einer Woche hielt, kein Wunder, dass man ihn zuhause schon "Orator-in-chief" nennt, den Chef-Redner. Vor einer Woche hatte er versucht, der Nation zu erklären, warum zusätzliche 30.000 US-Soldaten in Afghanistan für Frieden sorgen sollen - die größte Truppenentsendung seit Vietnam. Anfang der Woche musste er begründen, warum er ein zweites, milliardenschweres Konjunkturprogramm auflegen will - obwohl die Staatsverschuldung schon jetzt astronomisch hoch ist.

Und jetzt also Oslo. Der ultimative Friedenspreis für einen Kriegspräsidenten. Frieden stiften durch Gewalt - ein Widerspruch, wie gemacht für einen wie ihn. Ein Gegensatz, wie gemacht für eine Rede über den Krieg und den Frieden. Eine Rede, gut 20 Minuten, eher kurz für seine Verhältnisse. Eloquent, mit perfekt gebauter Dramatik, eindringlich und mit der manchmal sentimentalen Leidenschaft, die man noch vor einer Woche vermisste, als er in seiner Afghanistan-Rede mal wieder wie ein Harvard-Professor dozierte.

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