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19. März 2004, 13:49 Uhr

"Massiver Anschlag auf die Pressefreiheit"

Die Brüsseler Polizei hat das Brüsseler Büro des stern-Magazins durchsucht. Hintergrund ist wahrscheinlich die EU-kritische Berichterstattung des Korrespondenten Hans-Martin Tillack.

Beamte der belgischen Bundespolizei bei der Durchsuchung des Büros von stern-Korrespondent Hans-Martin Tillack (2. v. l.) in Brüssel© Jacques Collet/AFP

Als "massiven Anschlag auf die Pressefreiheit" verurteilt stern-Chefredakteur Thomas Osterkorn die heutige Durchsuchung des Brüsseler -Büros und die stundenlange Festsetzung des stern-Korrespondenten Hans-Martin Tillack durch die belgische Justiz.

Unter dem Vorwand, Hans-Martin Tillack habe 2002 einem EU-Beamten Geld für Informationen bezahlt, erschienen heute morgen um 7.10 Uhr Beamte der belgischen Bundespolizei in der Brüsseler Privatwohnung des stern-Korrespondenten. Hans-Martin Tillacks Wohnung wurde durchsucht, Computer, Kontoauszüge und Handys beschlagnahmt.

Danach fuhren die Beamten mit Hans-Martin Tillack in das Brüsseler stern-Büro, das ebenfalls durchsucht wurde und aus dem Akten und Unterlagen und ein verschlossener Rollschrank beschlagnahmt wurden. Hans-Martin Tillack durfte während der ganzen Aktion weder seine Frau, die stern-Redaktion noch einen Anwalt kontaktieren. Er wurde anschließend noch in den Büros der belgischen Bundespolizei vernommen und kam erst gegen 17 Uhr - nach zehn Stunden - wieder frei.

Kritische Berichte über die EU

Der Brüsseler stern-Korrespondent Hans-Martin Tillack hat sich durch seine kritischen Berichte über die EU, die von vielen deutschen und internationalen Medien aufgegriffen worden sind, einen Namen gemacht. Zu den Vorwürfen der belgischen Justiz sagt Tillack: "Dass ich jemals Geld für Informationen gezahlt habe, ist eindeutig falsch und durch nichts belegt." Der EU-Bürgerbeauftragte Nikiforos Diamandouros hatte die EU-Antikorruptionseinheit Olaf unlängst sogar scharf dafür gerügt, diesen Vorwurf ohne Beweise in die Welt gesetzt zu haben.

Der stern sieht in der Aktion der belgischen Justiz den Versuch, "kritische Berichterstatter mundtot zu machen" und fordert die sofortige Rückgabe aller beschlagnahmten Gegenstände. stern-Chefredakteur Thomas Osterkorn: "Hans-Martin Tillack, der routinemäßig zum 1. April in die Hamburger Redaktion zurückkehren sollte, bleibt nun bis auf weiteres in Brüssel."

Zur Person

Hans-Martin Tillack, geboren am 15. Dezember 1961, ist seit 1999 Korrespondent des stern in Brüssel. Beim stern arbeitet er seit Oktober 1993. Bevor Tillack nach Brüssel entsandt wurde, war er Redakteur im damaligen stern-Büro in Bonn.

 
 
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