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"Als würde ihm gleich die Sicherung durchbrennt"

Dieser Auftritt verdient den Stempel "denkwürdig": Donald Trump hat bei einer Pressekonferenz von seiner eigenen Politik geschwärmt und die Presse verprügelt. Die Reaktionen darauf reichen von Fassungslosigkeit bis Wut.

So eine Pressekonferenz hat das Weiße Haus noch nicht erlebt: hat bei einem kurzfristig und überraschend angesetzten Termin mit den Medien von seinen ersten vier Wochen als US-Präsident geschwärmt, Journalisten, Zeitungen und TV-Sender als Lügner beschimpft und einen Moderatoren seines Haussenders Fox News zu einem späteren Wutausbruch getrieben. Der 77 Minuten dauernde Auftritt des Republikaners machte nicht nur viele Trump-kritische Beobachter fassungslos.

Reaktionen auf Trumps Pressekonferenz:

"Ein Präsident, der seine eigene Weltsicht erfindet"

"Auch wenn an diesem Punkt nichts an Trumps Benehmen mehr irgendjemanden überraschen sollte, war es schwer, nicht vor erstaunen den Mund offenstehen zu lassen, während seine Konfrontation mit den Reportern über die Bildschirme lief", kommentierte Julian Zelizer, Professor für Geschichte und Gemeinwesen an der Princeton-Universität, Trumps Auftritt. "Dies ist ein Präsident, der seine eigene Weltsicht erfindet, die Weltsicht verteidigt und unfähig ist, reale Gegebenheiten, die ihm begegnen, darin zu integrieren."

"Hören Sie auf rumzujammern!"

"Es war eine wilde Pressekonferenz ... Wenn Du gerade ein Soldat in einer Gefahrenzone bist, wenn du ein hungriges Kind in Appalachia (Region im Osten der USA, Anm. d. Red.) oder einer Innenstadt bist, wenn du ein beschäftigungsloser Arbeiter in der leeren Hülle einer Stahlarbeiterstadt bist, ist das kein Präsident, der besonders auf deine besonderen Bedürfnisse und Wünsche fokussiert zu sein scheint. Das ist ein Präsident, der auf seine schlechte Presse fokussiert ist, sagte der CNN-Moderator Jake Tapper. In Hinblick auf Trumps falsche Behauptung, er habe die meisten Wahlmännerstimmen seit Ronald Reagan erhalten, wandte sich Tapper direkt an den Präsidenten: "Präsident Trump, wenn sie zusehen: Sie sind der Präsident, sie haben die Wahl legitim gewonnen. Also fangen sie an zu arbeiten und hören sie auf deswegen rumzujammern!"

"Wie Seefahrer, die sich über das Meer beschweren"

Australiens Premierminister Malcolm Turnbull gab Trump Nachhilfe im Umgang mit den Medien: "Winston Churchill hat einmal gesagt: Politiker, die sich über Zeitungen beschweren, sind wie Seefahrer, die sich über das Meer beschweren", erklärte Turnbull bei einer Pressekonferenz während eines Besuchs in Neuseeland. Trumps Kritik ergebe "nicht viel Sinn", er müsse sich mit der Beobachtung durch die Presse abfinden. "Wir müssen unsere Botschaft unter die Leute bringen und wir danken Ihnen allen in den Medien für Ihre freundliche Aufmerksamkeit", fügte Turnbull mit einem Lächeln hinzu.

"Er tut so als wären wir Trottel"

Sein Sender ist eigentlich Trump-freundlich, doch nach der Pressekonferenz konnte auch Fox-Moderator Shepard Smith nicht mehr an sich halten und machte seinem Ärger vor laufenden Kameras Luft: "Es ist verrückt, was wir da jeden Tag zu sehen bekommen", schimpfte Smith. "Es ist komplett verrückt. Er wiederholt alberne Behauptungen, die sich nicht im Entferntesten als wahr erweisen und vermeidet Antworten zu Russland. Und tut so als wären wir Trottel, diese Fragen zu stellen." Auch Smith wandte sich dann dirket an Trump: "Nein, Sir, wir sind keine Trottel, wenn wir diese Fragen stellen. Und wir fordern eine Antwort auf diese Frage, Sie schulden das dem amerikanischen Volk."

"Lustig" und "auf den Punkt"

Der Trump-Unterstützer und politische Kommentator Jeffrey Lord verteidigte die Pressekonferenz des Präsidenten im US-Sender als "entspannt", "lustig" und "auf den Punkt". Später sagte er auf CNN, der Auftritt sei der "Start einer neuen Reality-Fernsehshow mit dem Titel 'Prügel die Presse'".

"Genau das, was sie sehen wollten"

"'Ich schimpfe und zetere nicht', insistierte Präsident Trump am Donnerstag in der 47. Minute eines 77-minütigen Sturmes von einer Pressekonferenz, in der er genau das tat", schreibt "Washington Post"-Kommentator Philip Rucker über den Auftritt des Präsidenten. "Trump gab den Legionen von Amerikanern, die ihn ins Amt gebracht haben, genau das, was sie sehen wollten - und was seine Sprecher und Berater nicht für ihn machen konnten - demonstrieren, dass er der Boss ist. ... Die Frage ist, wie viel Kontrolle hat Trump jenseits des golddrapierten Ostzimmers des Weißen Hauses. Die erratische Vorstellung des Präsidenten schien einen großen Teil des offiziellen Washington alarmiert und fassungslos zu hinterlassen und dürfte Zweifler nicht davon überzeugt haben, dass er reibungslos regieren kann."

"Als würde ihm gleich die Sicherung durchbrennen"

Hollywoodstar und Trump-Parodist Alec Baldwin kommentierte Trumps Vorstellung auf Twitter mit den Worten: Dieser Kerl ist so aufgedreht vor der Presse. Als würde ihm gleich die Sicherung durchbrennen. Stellt euch vor, wie er hinter verschlossenen Türen ist ..."

Auch Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling ließ die Pressekonferenz im Weißen Haus nicht kalt: "Bis vor einer Stunde war Psycho das furchterregendste, was ich je gesehen habe. #TrumpPresser"

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