Er war einer der wenigen Weißen, der gegen die Apartheid in Südafrika kämpfte. Das brachte Denis Goldberg mit Nelson Mandela auf die Anklagebank und schließlich ins Gefängnis. Marc Goergen traf ihn zum Interview.
Das konnten schon damals viele nicht verstehen. Meine Freunde dachten, ich sei verrückt. Die Nachbarn beobachteten mich sogar für die Polizei - auch wenn heute jeder sagt: Wie haben die Apartheid nie unterstützt. Es ist so ähnlich wie 1945 in Deutschland. Auch da gab es plötzlich keine Nazis mehr.
Meine Familie hatte schon immer viele schwarze Freunde. Unsere ganze Lebensphilosophie beruht darauf, sich nicht von den Regeln der Apartheid das Leben bestimmen zu lassen. Und in Kapstadt war das in fünfziger Jahren auch noch möglich. Die Schranken zwischen den Rassen waren nicht so hoch wie in anderen Teilen des Landes. Man arbeitete zusammen, man besuchte sich - auch über die Rassengrenzen hinweg.
Anfangs sind wir mit Flugblättern durch die Nachbarschaft gezogen und haben an den Türen geklingelt. Wenn die Leute uns dann gesehen haben, haben sie meistens die Türen sofort wieder zugeschlagen. Aber manche haben wir auch überzeugt.
Das war tatsächlich sehr schwierig. Schwarz und Weiß mussten ja nach dem Gesetz in verschiedenen Vierteln leben. Wir konnten als Weiße nicht einfach in die Townships gehen, das wäre ja sofort aufgefallen. Manchmal haben uns Freunde für ein paar Stunden ihr Haus überlassen. Dort haben wir dann Sitzungen abgehalten. Manchmal haben wir uns auch einfach in Autos gesetzt und sind durch die Gegend gefahren.
Auf offizieller Ebene nicht. Praktisch hin und wieder schon. Ich sprach ja keine der geläufigen schwarzen Sprachen wie Xhosa oder Zulu. Und wenn gerade keiner übersetzen konnte, war man schon mal außen vor.
Natürlich. Meine Kameraden erzählten mir einmal, dass sie mich eine ganze Weile lang beobachtet hätten, bevor Sie mich akzeptierten. Es gab ja tatsächlich die große Gefahr der Infiltration. Wir selbst wurden ja verhaftet, weil uns jemand verraten hatte.
Aber schließlich verkündete der Richter "Lebenslänglich". Und wir waren total glücklich und lachten. Das wirkt heute absurd - aber wir waren einfach glücklich, nicht gehängt zu werden. Wir hatten monatelang mit der Vorstellung gelebt, sterben zu müssen.
Ja. Apartheid gab’s auch im Gefängnis. Ich kam in einen Knast nach Pretoria, der speziell für weiße politische Gefangene gebaut worden war. Mandela und die anderen schaffte man nach Robben Island. Das Rassen-System war verrückt: Einmal kam ein Trupp aus schwarzen und weißen Gefangenen in unser Gefängnis. Sie sollten etwas umbauen. Als dann die Wärter sahen, dass die Schwarzen unsere Toiletten benutzten, stoppten sie das sofort. Von da an musste sich die schwarzen Gefangenen über einem Eimer mitten in der Sonne erleichtern - die Toiletten der Weißen benutzen, selbst wenn es Gefangene waren, das ging zu weit.