Die US-Wahlen laufen offenkundig nicht sauber ab. Schon jetzt häufen sich Hinweise auf Manipulation und Betrug. Gekämpft wird mit allen Mitteln und keine Partei hat eine weiße Weste. Von Nora Schmitt-Sausen, Washington

Obama und Romney kämpfen um jede Stimme - auch mit zweifelhaften Mitteln.© Micheal Reynolds/EPA/DPA
6. November 2012, die Supermacht USA wählt. "Sandy" hin oder her - das Rennen zwischen Barack Obama und Mitt Romney könnte knapper nicht sein. In einem Bundesstaat nach dem anderen wird der Sieger der Abstimmung ausgerufen. Die ganze Welt wartet gebannt auf die Ergebnisse der Battleground-Staaten, in der die Entscheidung fällt. Gleichzeitig häufen sich Berichte über Probleme in den Wahlbüros, Spekulationen um Neuauszählungen machen die Runde, selbst Betrugsverdacht kommt auf. Ein Horrorszenario? Utopie? Nicht bei dieser Wahl. Beide Lager sollen sich schon auf den Fall von Nachzählungen vor.
Da längst klar ist, dass jede Stimme entscheidend sein kann, versuchen Demokraten und Republikaner, schon vor dem Wahltag Einfluss zu nehmen, wo sie nur können - wenn es sein muss auch auf zwielichtige Art. Das Justizministerium ermittelt gegen eine Firma, die im Verdacht steht, in großem Stil Wählerregistrierungen gefälscht zu haben. Fiktive Personen tauchten auf Listen auf. Das Delikate: Das Unternehmen stand auf der Gehaltsliste der republikanischen Partei, kassierte Millionen - obwohl Vorwürfe gegen den Firmenchef lange bekannt waren. Die Partei distanzierte sich. Doch ein Makel bleibt. "Wahlbetrug-Schocker?!" titelte die "Los Angeles Times". Nicht nur deshalb fragen viele: Wie sauber geht es bei dieser Wahl zu?
Skandalös ist aus Sicht vieler Demokraten auch dies: In vielen Bundesstaaten haben republikanische Gouverneure das Wahlrecht verschärft. Die Bürger sollen bei der Abstimmung Ausweispapiere vorlegen, die viele Einwanderer und sozial Schwache nicht besitzen. Ein Mittel, Betrug Einhalt zu gebieten, so die Argumentation der Konservativen. Denn in den USA gilt keine Ausweispflicht, auch nicht im Wahlbüro. Kritiker bewerten das Manöver anders. Es sei ein Versuch, Minderheiten wie Afroamerikaner, Latinos und auch Jungwähler an der Stimmabgabe zu hindern. Diese sind Stammklientel der Demokraten.
Viele dieser Vorstöße wurden von Gerichten gestoppt. Dennoch: In einigen Bundesstaaten gilt die neue Ausweispflicht weiterhin. Darunter ist etwa Virginia, also einer jener Staaten, wo das Rennen extrem knapp ausgehen wird. Wer hier nicht durch einen Lichtbildausweis oder ein Schriftstück belegen kann, dass er ist, wer er ist, darf zunächst nur provisorisch wählen und muss später eine Identifikation nachreichen. Konfusion und Verzögerungen beim Auszählen sind programmiert. "Das ist ein Albtraum", zitiert das "National Journal" den Juristen Lawrence Norden von der New York Universität.
Damit nicht genug. Die Konservativen haben die Zeitspannen für das "early voting" in vielen Bezirken verkürzt. Die frühe Wahl ist an weniger Tagen möglich, die Abstimmungslokale schließen früher und bleiben an Wochenenden ganz zu. Das hat Einfluss: In 35 US-Bundesstaaten kann schon vor dem 6. November votiert werden. Bereits seit September geben Amerikaner ihre Stimme ab. Bis zu 40 Prozent wollen bei dieser Entscheidung von diesem speziellen Wahlrecht Gebrauch machen - ein Rekord.