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Amnesty-Bericht dokumentiert Gräueltaten in Syrien

Wahllose Erschießungen, Folterungen von Kindern, Alten und Kranken, Anzünden von Leichen: Ein Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International dokumentiert Gräueltaten der Assad-Truppen.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat der syrischen Regierung in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht vorgeworfen, beim Vorgehen gegen mutmaßliche Unterstützer der Aufständischen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu begehen. Unter Berufung auf Zeugenberichte aus 23 Städten und Dörfern warf Amnesty Soldaten und Mitgliedern der Shabiha-Milizen vor, systematisch Gewalttaten gegen Zivilisten zu verüben.

So würden Menschen, die der Unterstützung der Rebellen verdächtigt würden, aus ihren Häusern geholt und erschossen, hieß es in dem 70-seitigen Bericht. Darunter seien immer wieder auch Kinder. Selbst Alte und Kranke würden gefoltert. Armee und Milizen würden wahllos in Wohngebiete schießen und unbeteiligte Passanten töten.

"Diese verstörenden neuen Beweise für ein Muster schwerer Verstöße unterstreichen die drängende Notwendigkeit eines entschiedenen internationalen Vorgehens", sagte Donatella Rovera bei der Vorstellung des neuen Berichts. "Wo ich auch hinging, habe ich verzweifelte Menschen getroffen, die gefragt haben, warum die Welt zuschaue und nichts mache", sagte Rovera, die kürzlich für Amnesty International in Syrien war, um Menschenrechtsverletzungen zu untersuchen. Die Organisation rief den UN-Sicherheitsrat auf, den Fall an den Internationalen Strafgerichtshof zu überweisen, sowie ein Waffenembargo zu verhängen.

Amnesty will von 10.000 Todesopfern erfahren haben

Für den Bericht waren Amnesty-Mitarbeiter von Mitte April bis Mitte Mai im Nordwesten Syriens unterwegs und haben dabei mehr als 200 Interviews mit Angehörigen geführt. Familien hätten Amnesty beschrieben wie Verwandte verschleppt und von Soldaten erschossen worden seien. In manchen Fällen seien die Toten angezündet worden. Zudem hätten Soldaten und Schabiha-Milizen Häuser in Brand gesteckt, heißt es im Bericht weiter.

Amnesty International hat nach eigenen Angaben die Namen von mehr als 10.000 Menschen erhalten, die während des Konflikts umgekommen sind. "Der UN-Sicherheitsrat hat mehr als ein Jahr lang gezögert, während sich in Syrien eine Menschenrechtskrise entwickelt hat. Jetzt muss er handeln, um die Gewalt zu stoppen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen", so Amnesty-Mitarbeiterin Rovera.

UN spricht von Bürgerkrieg

Erst am Dienstag hatte die UN offiziell von einem Bürgerkrieg in dem arabischen Land gesprochen. Als Grund führte UN-Untergeneralsekretär Herve Ladsous in New York an, dass das Ausmaß der Gewalt massiv zugenommen und sich die Natur der Kämpfe verändert habe. Den UN lägen Berichte vor, nach denen das Regime nicht mehr nur mit Artillerie und Panzern gegen die eigene Bevölkerung vorgehe, sondern inzwischen auch mit Kampfhubschraubern, sagte Ladsous.

kng/DPA/DPA

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