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10. Dezember 2009, 16:03 Uhr

Blinder Optimismus auf der Insel

Die britische Wirtschaft befindet sich immer noch in der Rezession, der Schatzkanzler muss soviel Geld leihen wie noch nie in Friedenszeiten – Großbritannien steht am Abgrund. Dennoch glauben die Briten, dass bald alles wieder gut wird. Von Cornelia Fuchs, London

 
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Sie glauben an das Wunder: Die höchsten Finanzbeamten Englands© Daniel Deme/EPA

Schatzkanzler Alistair Darling scheint an Wunder zu glauben. In dieser Woche stellte er der britischen Nation den neuen Finanzplan seiner Regierung vor. Und trotz der schlechtesten Zahlen seit Kriegsende glaubt er, dass es Großbritannien innerhalb von ein paar Jahren wieder prima gehen wird. 178 Milliarden Pfund wird das Land dieses Jahr an Schulden aufnehmen müssen, 56% des Bruttosozialproduktes und viermal mehr als einem Euro-Land unter den europäischen Finanzrichtlinien erlaubt wäre.

Bis 2014 soll die Schuldenlast auf 78 Prozent des Bruttosozialproduktes steigen, 1,5 Billionen Pfund lasten dann auf den britischen Steuerzahlern. Dazu sank die Wirtschaftsleistung um fast fünf Prozent in diesem Jahr. Die Finanzindustrie, die sonst 20 Prozent aller Staatseinnahmen beisteuerte, wurde in großen Teilen zum Bittsteller. Der Immobilienmarkt, auf den sich große Teile der Bevölkerung als Alterssicherung verlassen, ist eingebrochen.

Es gibt wenig, worauf die britische Wirtschaft noch stolz sein könnte – die Industrieproduktion ist unter Labour weiter gefallen, kaum elf Prozent trug sie in den vergangenen Jahren zum Bruttoinlandsprodukt bei. Labour, die Arbeiterpartei, hatte wie die Regierung der konservativen Premierministerin Margaret Thatcher zuvor auf den Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft gesetzt. Die Arbeiterpartei wollte ihre Nation in die Servicehauptstadt der Welt verwandeln.

Nicht nur nach London schauen

Der Traum ist nun vorbei. Finanzdienstleister, Immobilienmakler, Versicherungsvermittler und Einzelhandel wanken in der Wirtschaftskrise, noch nie waren so viele junge Leute arbeitslos. Und in dieser Atmosphäre verspricht Schatzkanzler Darling eine wirtschaftliche Erholung im nächsten Jahr, vielleicht sogar schon im letzten Quartal 2009. Bis zu drei Prozent soll es dann 2012 wieder aufwärts gehen, sagt Darling.

Doch woher soll dieser Aufschwung kommen? Wer wissen will, wie es Großbritannien und vor allem England geht, sollte nicht auf die Hauptstadt schauen, in der Millionen Touristen und die Reste der Finanzindustrie dafür sorgen, dass Einkaufsstraßen und Restaurants weiter gut gefüllt sind.

Wer wissen will, wie es England geht, sollte zum Beispiel nach Hull fahren, an die nordöstliche englische Küste. Hier gab es noch eine Industrieproduktion vor der großen Wirtschafts-Katastrophe – und Hull war damit eine der wenigen großen Ausnahmen in Großbritannien.

Zwar ist der Schiffsbau schon längst abgewandert, doch in Hull produzierten noch mehrere Wohnwagen-Bauer, die über tausend Arbeiter beschäftigten und hunderte Zuliefer-Betriebe. Die Stadt hatte eine gesunde Misch-Wirtschaft, es waren keine großartigen Zuwächse, aber es ging aufwärts.

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Very British

Die wöchentliche Kolumne von Cornelia Fuchs

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