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29. November 2009, 13:55 Uhr

Schweizer verbieten Bau neuer Minarette

Schwerer Rückschlag für Muslime in der Schweiz: Bei einem Referendum hat sich die Mehrheit der Bevölkerung für ein Bauverbot von Minaretten ausgesprochen. Das Ergebnis kommt einer Sensation gleich.

Schweiz, Minarett, Verbot, Volksinitiative, Befragung

Mit diesem Plakat warb die rechtskonservative SVP für ihre Volksinitiative gegen Minarette© SVP/DPA

In der Schweiz dürfen in Zukunft keine Minarette mehr gebaut werden. Mit der Mehrheit von 57,5 Prozent nahmen die Schweizer bei einer Volksabstimmung am Sonntag einen entsprechenden Antrag national-konservativer Kräfte an, berichtetet das Schweizer Fernsehen. Das Ergebnis kam für die meisten Parteien sowie die Regierung völlig überraschend. Die Wahlbeteiligung war mit rund 54 Prozent unerwartet hoch. In der Schweiz leben etwa 400.000 Muslime. Es gibt nur vier Minarette, zwei neue Bauanträge liegen vor.

Die Annahme der von Anhängern der Schweizerischen Volkspartei (SVP) lancierten Initiative kommt einer Sensation gleich: In Umfragen hatten zuletzt lediglich 37 Prozent der Befragten angegeben, für ein Minarett-Verbot stimmen zu wollen. Auch das sogenannte Ständemehr, die Mehrheit der für die Annahme der Initiative benötigten Kantone, gilt als gesichert: Laut der Hochrechnung wurde diese in 15,5 Kantonen angenommen. So stimmten unter anderem in Appenzell Innerrhoden, Schaffhausen und Aargau gut 64 Prozent der Wähler mit Ja.

Die von Anhängern der rechtskonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) lancierte Volksinitiative konnte offenbar nach einem zum Teil scharf geführten Abstimmungswahlkampf zuletzt noch Boden gutmachen. Teilergebnisse zeigten, dass die Wähler im deutschsprachigen Kanton Luzern für das Bauverbot votierten, während die französischsprachigen Kantone Genf und Waadt die Initiative ablehnten.

Außenpolitische Beziehungen könnten bedroht werden

Sollten die Befürworter des Minarett-Verbots sich durchsetzen, dürfte der Schweiz ein außenpolitisches Problem ins Haus stehen, das die international orientierte Wirtschaft zu belasten droht. Erst vor wenigen Monaten wurde der Steuerstreit mit den USA beigelegt. Noch nicht ausgestanden ist zudem eine Auseinandersetzung mit Libyen um zwei Schweizer, die dort festgehalten werden, nachdem Sohn und Schwiegertochter des libyschen Staatschefs Muammar Gaddafi vor einiger Zeit in Genf vorübergehend festgenommen worden waren.

Bislang gibt es in der Schweiz lediglich vier Moscheen mit Minaretten. Mit Ausnahme der SVP haben sich sämtliche etablierte Parteien der Schweiz gegen das Minarett-Verbot ausgesprochen.

Abstimmung

Das Votum der Schweizer gegen den Bau neuer Minarette sorgt für Diskussionen. Wie stehen Sie zu der Entscheidung?

Abstimmen Ergebnis anzeigen
Reuters/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 175)
 
Perof (30.11.2009, 14:59 Uhr)
Lou123
Gerne respektiere ich Ihre Meinung. Den Vergleich mit Ihrer kleinen Nichte lasse ich einfach mal im Raum stehen.
Meine Erfahrungen aus Arabien haben meine ehemals sehr liberale Einstellung verändert. Meine Erlebnisse kann ich Ihnen hier natürlich nicht vermitteln.

Ich erlaube mir weiterhin meine Meinung zu vertreten.

Johann58 (30.11.2009, 14:56 Uhr)
jetzt habe ich so an die 180 Kommentare gelesen
wenn ich mir dann so meine Gedanken darueber mache, stelle ich erst mal fest, dass die meisten genau so intollerant sind wie sie es den Muslimen vorwerfen. Dass die Schweizer so abgestimmt haben wundert nicht wenn man sich mit der Schweiz ein wenig auskennt. Die Schweiz ist viel intolleranter als manch einer glaubt. Menschen aller Nationen sind in der Schweiz willkommen als Arbeiter um nach ein paar Jahren wieder zu verschwinden, sonst koennte man ja vom Schweizer Sozialsystem, in das man eingezahlt hat einen Beitrag zurueckbekommen. Den Schweizer ob ihrer Entschedung gratulieren? Wofuer? Dafuer dass sie Intolleranz gegenueber Andersdenkenden und Andersglaeubigen zeigen? Die Schweiz ist doch ein freies Land und Freiheit ist doch bekannterweise die Freiheit der Anderdenkenden. Also stimmt doch da etwas nicht. Die freiheitsliebenden Schweizer haben i uebrigen auch die Grenzen im 3. Reich dichtgemacht, damit ja nicht zu viele Juden aus Deutschland in die Schweiz fluechten koennen. Es haette eine Vielzahl von Moeglichkeiten gegeben den Bau von Minaretten zu Reglementieren nur die JA/NEIN Abstimmung zeigt alles andere als Demokratie.
odyyn (30.11.2009, 14:46 Uhr)
Demokratie in der Schweiz
Die Schweizer haben abgestimmt und sich gegen den Bau von Minaretten entschieden. Das nennt man Demokratie. Das Volk hat entschieden. Wenn diese Abstimmung in D laufen würde, könnte ich mir ein ähnliches Ergebnis vorstellen. Aber wir Deutschen dürfen ja nicht abstimmen, da wir nicht in einer Demokratie sondern in einer Demokratur leben.
jaggo_kiel (30.11.2009, 14:01 Uhr)
Glückwunsch Schweiz!
das macht hoffnung! endlich wird volkes meinung auch real umgesetzt. vielleicht sollten die deutschen (grünen) multikulti-aktivisten mit reihenhaus und gärtchen in der vorstadt, den mut besitzen in ihr "buntes" paradies zu ziehen und dort auch zu leben.
Lou123 (30.11.2009, 13:38 Uhr)
@Perof
Das hört sich ganz nach meiner kleinen Nichte an: "Wieso darf der Jonas so lange Fernsehkucken und ICH NICHT?" Wenn die Iraner keine Glockentürme haben wollen, wieso müssen wir die Minarette ertragen? Vermutlich, weil wir ein anderes Land sind und in unserem Grundgesetz die Religionsfreiheit garantiert ist. Das ist auch die gleiche Jammerei wie mit dem Holocaust..."Aber die anderen haben doch auch soo viele umgebracht, wieso sind wir denn die Bösen?" Auf das Beispiel von meiner Nicht umgemünzt: "Aber der Jonas hat doch auch ein Kaugummi geklaut, wieso bekomm ich die Strafe?"
laeppe (30.11.2009, 13:32 Uhr)
Respekt vor der Schweizer Demokratie
dort entscheidet tatsächlich das Volk.
Das das jetzt von Medien niedergeschrieben wird und als rechtsruck gebrandmarkt wird ist mir
absolut unverständlich.
Man sollte auf Machtsymbole verzichten können - das gilt selbstverständlich auch für andere
Religionen.
Trallallaa (30.11.2009, 13:07 Uhr)
@suvari
Moslems arbeiten nicht. Die beziehen nur Steuergelder und nebenbei fressen die auch kleine Kinder!
ganzbaf (30.11.2009, 13:03 Uhr)
Und um das zu ändern...

bräuchtest du eine 2/3 Mehrheit. Dürfte nicht so leicht sein, die zu knacken.
Und WENN, ist es trotzdem eine demokratische Entscheidung, die man dann auch erst mal akzeptieren muß.
Perof (30.11.2009, 12:58 Uhr)
Kirche mit Glockenturm
Vielleicht sollte mal jemand beantragen, in einem vom Islam geprägten Staatsgebilde ein christliches Gotteshaus mit Glockenturm zu errichten.
Beispielsweise in Saudi Arabien oder vielleicht im Iran oder Irak. Selbst in der Türkei dürfte man wohl die ein oder andere Überraschung erleben.
Oder vielleicht gehen wir noch einen Schritt weiter und als liberale Verfechter der Religionsfreiheit versuchen wir in diesen Ländern Synagogen zu bauen.

Ich kann die Entscheidung der Schweizer verstehen.
auwei (30.11.2009, 12:52 Uhr)
Können wir uns denn nicht endlich
...überwinden und das Spaghettimonster als verbildliche Weltreligion einführen? Dann müssten wir uns endlich etwas Neues einfallen lassen, um uns voneinander abzugrenzen und die anderen als "Doofe" zu deklarieren. Ich bin sicher, uns fällt schnell etwas ein. Aber immerhin müssten wir ein wenig Kreativität zeigen und nachdenken - etwas, das die gängigen Religionen offenbar überflüssig gemacht haben.
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