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Offenbar Nazi-Gesang bei AfD-Wahlparty

Auf der Wahlparty in Rheinland-Pfalz soll ein AfD-Mann den marrokanischen Barmann darüber informiert haben, dass Zuwanderer Zuhause doch viel besser die Familie verteidigen könnten. Vor der Tür wurde später offenbar ein Nazi-Lied angestimmt.

AfD-Spitzenkandidat Uwe Junge und seine Frau Claudia jubeln über die ersten Hochrechnungen

AfD-Spitzenkandidat Uwe Junge (M.) und seine Frau Claudia jubeln über die ersten Hochrechnungen

Als die ersten Hochrechnungen verkündet wurden, johlten die AfD-Anhänger: 12,6 Prozent der Stimmen holte die Alternative für Deutschland bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am Sonntag. Klar, dass bei solch einem Ergebnis auf der Wahlparty den ganzen Abend Triumphjubel herrschte. Ihren Erfolg feierten die Rechtspopulisten in einem Lokal in Weisenau, einem der Außenbezirke von Mainz. Je später der Abend wurde, desto mehr lockerten sich allerdings wohl auch die Zungen der Gäste. Und da war dann allem Anschein nach nicht nur schlichter Triumphjubel zu hören.

Ein Reporter der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) besuchte die AfD-Party und berichtet über skurrile Szenen, die sich in dem Gewölbekeller abgespielt haben sollen. Ob per Zufall oder aus höhnischem Kalkül - ausgerechnet ein Mann aus Marokko bediente offenbar die AfD-Anhänger an der Bar. Von Alkohol oder dem Wahlerfolg betört, soll demnach einer der Gäste den Marokkaner in ein "Bar-Gespräch" über die Rolle von Flüchtlingen verwickelt haben. 


Wenn ein AfD-Anhänger auf einen Barmann aus Marokko trifft

"Na, wie war der Abend für Dich?", soll ein AfD-Anhänger laut dem FAZ-Reporter den Barmann angesprochen haben. "Waren das jetzt alles Nazis hier?", soll er provokativ weiter gefragt haben. "Nein Quatsch", habe der Mann aus Casablanca ihm entgegnet. Auch er sehe die Sache mit den Flüchtlingen kritisch, zitiert ihn die FAZ. Für den AfD-Mann offenbar eine Steilvorlage, um seine Tirade fortzusetzen: "Weißt du, das sind alles wehrfähige Männer, die da nach Deutschland kommen, dabei könnten die zuhause doch ihre Familien verteidigen. Das verstehe ich nicht", sagte er laut der FAZ weiter. 

Und überhaupt würde er vieles nicht verstehen. Zum Beispiel, warum die "arabischen Brüder" den Flüchtlingen nicht viel mehr helfen, damit sie nicht alle nach Europa kommen müssten. Die Antwort liegt für den Mann auf der Hand: "Die wollen Europa destabilisieren", verkündete er dem Bericht der FAZ zufolge.

Der Mann hinter dem Tresen soll bloß genickt und, als der AfD-Anhänger schließlich gegangen war, sich erkundigt haben, was hier denn überhaupt gefeiert werde. " AfD? Wahlerfolg? Ah, deshalb", habe er auf eine aufklärende Antwort erwidert, so die FAZ.

Neonazi-Lied straft Junge Lügen

Nur ein paar Meter weiter soll unterdessen Uwe Junge, Spitzenkandidat der AfD, mit stolzgeschwellter Brust, seine Partei gepriesen haben. Die AfD werde vor allem dafür kämpfen, dass Rheinland-Pfalz endlich eine "klare Abschiebungspolitik" verfolgt. "Mit einer Partei, die 40 Sitze im Landtag hat, wird man reden müssen", zitiert ihn die FAZ. Und mit der AfD könne man schließlich doch über alles reden. "Wir sind eine ideologiefreie Partei", so Junge weiter.

Und fast so als wolle er Junge Lügen strafen, stimmte offenbar ein AfD-Anhänger vor der Tür des Kellergewölbes ein Neonazi-Lied an. "Deutschland lebt, und wir sind seine Söhne. Nur Hass und Wut für die Feindesbrut", soll er laut FAZ-Reporter in die Nacht hinaus gegrölt haben - der "Song" ist eine Schöpfung der rechtsextremen Band "Division Germania“.


ivi
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