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24. Oktober 2011, 11:34 Uhr

So fruchtbar ist die CSU

Die Linken diskutieren sich wund und haben keinen Nerv für die Reproduktion. Ganz anders die CSU: Sie stellt die fruchtbarste Fraktion des Bundestages. Das ist nun amtlich. Von Hans Peter Schütz

 
Berlin vertraulich, vertraulich!, Kolumne, Klaus Ernst, Linkspartei, Oskar Lafontaine, Gerhard Baum, Joachim Poß, Dorothee Bär, Wolfgang Schäuble, Glückskekse

Kinder der Bundestagsfraktionen: Mama-Girlie und Gebärskala© Uwe Anspach/DPA

Seid fruchtbar und mehret Euch, heißt es in der Bibel. Keine Partei, das ist nun amtlich, befolgt diese Aufforderung gottesfürchtiger als die CSU. Im Schnitt haben die Abgeordneten aus Bayern 2,1 Kinder. Am anderen Ende der Gebärskala stehen die Mandatsträger der Linkspartei. Sie halten die Welt bekanntlich für besonders schlecht und haben deshalb wohl Skrupel, Nachwuchs zu zeugen - laut Statistik sind es nur 1,1 Kinder pro Kopf. Zu finden sind diese Zahlen in einer Studie über Familie und Politik der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung. Präsentiert hat die Ergebnisse Dorothee Bär, 33, selbst zweifache Mutter und so etwas wie das Mama-Girlie der CSU-Landesgruppe. Auf Nachfrage musste Bär allerdings einräumen, dass es für auch konservative Frauen leichter ist, Kinder zu bekommen als sie aufzuziehen. Den eigenen Nachwuchs vertraut Bär jedenfalls ihrer Mutter an - aus politischen Gründen. "Hätte ich mein Kind vor fünf Jahren direkt nach der Geburt in eine Kita gegeben", seufzte Bär, "wäre das in meinem Wahlkreis ja der Untergang des Abendlandes gewesen."

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Zu einem besonders freudigen Ereignis hat jetzt der FDP-Politiker Gerhart Baum eingeladen: Er gibt zusammen mit seiner Frau Renate im Berliner Politik-Presse-Café "Einstein" Unter den Linden einen Lunch-Empfang. Gefeiert wird Baums 79. Geburtstag und die Tatsache, dass der Ex-FDP-Bundesinnenminister ihn noch erleben darf. Drei Monate lang lag er im Kampf mit der gefährlichen Bakterien-Armee, die eine unaussprechliche Krankheit namens "Spondylodiszitis" an der Bandscheibe auslöst. Drei Monate lag Baum im Krankenhaus, nahm 25 Kilo ab und verkündet jetzt: "Wir haben es geschafft." Was die FDP insgesamt nicht von sich behaupten kann. Also Glückwunsch, Herr Baum!

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Joachim Poß, SPD-Abgeordneter aus Gelsenkirchen, ist natürlich Fan der Bundesliga-Kicker von Schalke 04. Kann er aus politischen Gründen an einem Spiel nicht teilnehmen, muss ihn seine Frau bei jedem Tor, das Schalke schießt, sofort per SMS benachrichtigen, egal, wo er gerade Gespräche führt. Beim Europa-League-Spiel der Schalker gegen den zypriotischen Club Larnaca, war das harte Arbeit, denn sie gewannen 5:0. Kommentar von Poß: "Endlich mal wieder ein gelungener politischer Abend."

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Praktisch pausenlos kämpft Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in Brüssel um den Euro. Auch hierzulande ist er nicht untätig: In seinem Ministerium serviert Schäuble chinesische Glückskekse. Das ist ein knuspriges Süßgebäck, in dessen Innern ein Papierstreifen lagert, der mit einer Zukunftsprognose bedruckt ist. Die Kekse, die Schäuble hat anfertigen lassen, enthalten Sinnsprüche wie "Der Euro gestaltet Fortschritt durch stabile Preise." Oder man lernt: "Steuern gestalten Fortschritt, weil alle davon profitieren." Nur einen Zettel dürfte man im Innern des Weizengebäcks nicht finden: "Diesen Glückskeks konnte der Finanzminister nur dank ihrer Steuern kaufen." Ein SPD-Vorschlag für Schäubles Glücksgebäck gibt es auch schon. Er lautet: "Von der kalten Progression konnten wir Sie leider nur 24 Stunden befreien."

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Ob sich Klaus Ernst freuen würde, wäre er alsbald den Vorsitz der Linkspartei wieder los, darf füglich bezweifelt werden. Aber seine Lebensgefährtin hätte sicher nichts dagegen. Als sich Ernst in der Nacht zum 15. Mai 2010 sich zur Partei aufmachte, warnte sie ihn: "Aber komm' ja nicht als Vorsitzender zurück." Als Ernst gegen halb drei Uhr am Morgen zurückkehrte und sagte: "Ich bin Parteichef", soll sie ziemlich geschimpft haben. Auf dem Erfurter Parteitag von stern.de befragt, ob ein Verzicht auf den Chefposten sein Beziehungsleben harmonischer machen würde, erklärte Ernst lediglich: "Kein Kommentar!" Woraus sich schließen lässt: Er würde es gerne bleiben.

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Eine überzeugend klare Definition des Sozialismus hat Klaus Ernst auf dem Erfurter Parteitag der Linkspartei geliefert: "Ein Christ muss auch Sozialist sein. Ein Sozialist muss nicht Christ sein." Bemerkenswert auch sein strategischer Ratschlag an die Genossen: "Wer den Kopf in den Sand streckt, wird in den Hintern getreten."

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Andererseits leistete sich Ernst auch den Versprecher des Tages. Als Oskar Lafontaine seine Schlussrede auf dem Parteitag beendet hatte, rühmte Ernst: "Die Rede unseres Vorsitzenden" - alles jubelte - "äh, äh," fuhr Ernst fort, "des Vorsitzenden der Fraktion der Linkspartei im saarländischen Landtag..." Womit klar war, was aus Oskar Lafontaine werden soll.

Von Hans Peter Schütz
 
 
Berlin vertraulich!

Homo politicus Hans Peter Schütz notiert in seiner wöchentlichen Kolumne den manchmal keineswegs politisch korrekten Tratsch hinter den Kulissen des politischen Berlins für stern.de.

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