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27. Dezember 2009, 18:19 Uhr

Westerwelles Weihnachtsgeschenk

Die Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes haben ihren neuen Chef Guido Westerwelle beschert - mit einem Heftchen, in dem interessante Merksätze stehen. Auch zu seinen Englischkenntnissen. Von Hans Peter Schütz

 
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Das Protokoll ist nicht verhandelbar: Außenminister Guido Westerwelle bei der Nobelpreisverleihung in Stockholm© Kay Nietfeld/DPA

Man könnte in der Silvesternacht darauf wetten, dass Guido Westerwelle einem erfolgreichen politischen Jahr staatsmännisch entgegen schreitet. Denn die Mitarbeiter haben dem Chef der deutschen Außenpolitik ein bemerkenswertes Weihnachtsgeschenk verehrt - ein kleines Heftchen. Darin stehen einige englische Sätze, so wie sie Westerwelle gesprochen hat, und daneben, wie das in perfektem Englisch hätte heißen müssen. Da der Außenminister derzeit ohnehin Englisch-Nachhilfestunden nimmt, mag er darüber lächeln. Aber die Mitarbeiter haben ihm auch ein paar wichtige generelle Merksätze des Auswärtigen Amtes aufnotiert. Etwa zur Frage, was der Unterschied zwischen Terroristen und dem für Staatsbesuche zuständigen Protokoll des Auswärtigen Amtes sei. Antwort: "Mit Terroristen kann man verhandeln." Kaum zu glauben, aber wahr: Westerwelle hat sich sehr gefreut über das Geschenk und will es in seinem Urlaub genau studieren.

Im Übrigen wagen wir Berliner Journalisten es sowieso nicht mehr, über die Fremdsprachenkenntnisse Westerwelles zu lästern. Hat er sich doch von uns im alten Jahr auf einer FDP-Party wie folgt verabschiedet: "Sehr geehrte Damen und Herren!". Er fuhr fort mit "Ladies and Gentlemen!" und endete mit "Mesdames et Messieurs!". Alles staunte und der FDP-Chef lästerte: "Na, das habt ihr nicht gedacht!" Doch, wir denken inzwischen wie seine Parteifreunde, wenn sie über ihren Guido flachsen: "Der Äußerste". Und viele nickten mit dem Kopf, als sie über die Feiertage in der "Süddeutschen" den schönen Satz lasen: "Der FDP-Chef ist von sich als Außenminister so begeistert, dass er als Politiker kaum noch auffällt."

*

Mit Erfolg dürfte das Jahr 2010 auch für den neuen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer gesegnet sein. Denn im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung feiert ein gewisser Veit Steinle ein bemerkenswertes politisches Comeback. Der bisherige Leiter der Abteilung Kunst im baden-württembergischen Landesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst wechselt im Januar zu Ramsauer. Dort übernimmt er die Grundsatzabteilung, also die politische Schlüsselstelle. Ihr neuer Name ist Programm: "Umweltpolitik, Infrastruktur und Grundsatzfragen."

Ein schöner Aufstieg, denn Steinle war als Regierungssprecher des früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel nach Berlin in die dortige Landesvertretung "entsorgt" worden. Dort wurde er vom Stuttgarter Ministerpräsident Günter Oettinger abberufen, weil es auch dem hoch begabten Netzwerker Steinle nicht gelang, den Ministerpräsidenten als gewieften Bundespolitiker in Berlin zu verkaufen. Die neuen Amtsgeschäfte kennt Steinle perfekt: In den 90er Jahren diente er CDU-Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann als Sprecher. Wissmann ist heute als Präsident des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie (VDA) ranghöchster Lobbyist der deutschen Autobauer. Das macht die Sache interessant: Ob Steinle, der nun im Verkehrsressort auch für "Umweltpolitik" zuständig ist, dafür sorgt, dass die Regierung der deutschen Autoindustrie, die serienweise CO2-Dreckschleudern und Benzinfresser produziert, mehr Druck gemacht wird? Wollte er es, müsste Steinle heute Front gegen seinen Chef von gestern machen.

*

Die kleinen Parteien steigen groß ins neue politische Jahr ein. Die FDP wie immer mit ihrem Dreikönigstreffen in Stuttgart, die CSU einen Tag später im Wildbad Kreuth. Die Linkspartei mit einem Kongress in Berlin, zu dem sie ihren Vorsitzenden Oskar Lafontaine angekündigt hat, der jedoch nach stern.de-Information nicht kommen wird. Die Großen machen es eher klein. Der SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier gibt einen Neujahrsempfang für die Berliner Journalisten. Zu mehr reicht das Geld nicht, denn die Fraktion musste wegen der gesunkenen Abgeordnetenzahl 50 Mitarbeiter streichen. Der CDU wiederum fehlen wegen des schlappen Abschneidens bei Bundestags- und Europawahl zwei Millionen Euro staatlicher Zuschüsse. In der Parteizentrale wurden 15 befristete Arbeitsverträge nicht verlängert. Das viermal pro Jahr erscheinende Mitgliedermagazin wird eingestellt. Und am meisten schmerzt die Christdemokraten: Ursprünglich wollte die CDU-Führung im Ostseebad Dierhagen das politische Jahr eröffnen. Jetzt muss sie mit dem drögen Charme der Parteizentrale in Berlin vorlieb nehmen.

*

Auch kaum zu glauben, aber dennoch wahr: Welche verborgenen Talente in manchen Berliner Abgeordneten stecken. Etwa im Böblinger CDU-Volksvertreter Clemens Binninger. Der kann derzeit auf youtube als perfekter Schlagzeuger bewundert werden. Statt zur Polizei, so bekommt man dort lautstark eingetrommelt, hätte der Polizeioberrat a.D. locker auch zu einer Rockband gehen können. Dass er einst so eindrucksvoll mit Schlagzeugsoli beeindrucken konnte, hilft dem CDU-Mann auch in der Politik. Binninger zu stern.de: "Im Takt zu bleiben und den Rhythmus einzuhalten, ist auch in der Politik wichtig. Nur draufzuhauen, das geht nicht." Was als politische Maxime fürs Neue Jahr wir uns alle dringlich wünschen.

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
Henning100 (29.12.2009, 07:51 Uhr)
@Johann58
richtig erkannt, dem kann ich nur zustimmen..................
Johann58 (29.12.2009, 02:49 Uhr)
@SpringbokCT
Das ist das Einzige, was ich Westerwelle nicht vorwerfen wuerde, ohne Dolmetscher ins Ausland zu reisen. Genscher konnte kein Englisch aber was viel wichtiger ist welche Sprachen koennen Bush, Clinton, Obama, Sarkozy, Brown oder Blair? Spricht eine Britscher Premier in Deutschland Deutsch? Oder Obama? Nur wenige koennen ohne Dolmetscher eine ordentliche Konversation fuehren selbst wenn sie gute Sprachkenntnisse haben.

Dass Westerwelle eine Witzfigur ist hat nichts mit seinen Sprachkenntnissen zu tun. Im uebrigen auch nichts mit seiner sexuellen Orientierung! Als Politiker ist er eine Flasche und passt damit gur zu seinerr Cheffin, die ist naemlich politische auch nur eine Flachpfeife!
Doshi (29.12.2009, 00:39 Uhr)
oppenwehe...o weh....
Ich glaube hier bietet der STERN mal wieder eine Plattform für verklemmte Spiesser mit einer Sofakissenpupsermentalität......
Logan5 (29.12.2009, 00:27 Uhr)
Gewählt ist gewählt, umtauschen gilt nicht
Jedem, der CDU/FDP gewählt hat, war klar, dass Westerwelle als Außenminister mit zum Programm gehört. Und die Leute haben immerhin die Mehrheit geholt. Also jetzt tut nicht so, als ob das alles ein Versehen war, Ihr habts doch von Anfang an gewusst.
@peterpan1001
Was ist das schon, eine Bank auszurauben, wenn man eine besitzen kann? Genauso werden die Russen/Chinesen auch vorgehen. Wenn eines garantiert nicht passieren wird, dann dass die ernsthaft hier einmaschieren. Da hat der Westen viel bessere (, kapitalistische) Mittel geschaffen. Aber ich nehme immer mit Interesse zur Kenntniss, wie viele hier den Umsturz, die Revolution oder den Russen vor der Tür verkünden. Ist das Befürchtung oder masochistische Phantasie?
oppenwehe (28.12.2009, 20:50 Uhr)
Man kann nur hoffen
dass dieser Mann unser Land nur bis 2013 blamiert...
SpringbokCT (28.12.2009, 20:40 Uhr)
@Doshi,
der Vergleich ist aber nicht unbedingt ein Kompliment für Westerwelle.
SpringbokCT (28.12.2009, 20:18 Uhr)
Traurig, traurig...
wenn der Außenminister ohne Dolmetscher im Ausland mit niemand reden kann.
Doshi (28.12.2009, 20:11 Uhr)
Wetten...
Wetten, dass Herr Westerwelle besser die englische Sprache beherrscht, als Herr Schütz jemals den Jounalismus ....!?
peterpan1001 (28.12.2009, 19:37 Uhr)
die parteibonzen....
egal welcher farbe, von csu schwarz bis links rot sind dermassen abgehoben und merken nicht wie es im volk rumort.
das gibt bald einen knall wie bei der französsichen revolution.
mit den gleichen folgen...
peterpan1001 (28.12.2009, 19:15 Uhr)
ich wette einen kasten bier
daß die merkel in einem jahr nicht mehr bundeskanzlerin ist.
und noch einen kasten bier daß in 2011 die linken an der regierung sind.
und noch einen, daß in spätestens 10 jahren die russen in europa einmarschieren. aber dann bin ich längst weg von hier. denn dann ist alles schutt und asche....
Berlin vertraulich!

Homo politicus Hans Peter Schütz notiert in seiner wöchentlichen Kolumne den manchmal keineswegs politisch korrekten Tratsch hinter den Kulissen des politischen Berlins für stern.de.

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