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14. Januar 2010, 13:00 Uhr

CDU-Spitze stimmt geschlossen für Merkels Kurs

Erfolg für Angela Merkel: Der Bundesvorstand der CDU hat eine "Berliner Erklärung" verabschiedet und damit Merkels Zukunftsstrategie für die Partei abgenickt. Ein Ende des Richtungsstreits zwischen Liberalen und Konservativen ist damit aber nicht garantiert.

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Auf linke Wähler zugehen, Stammwähler einbinden: Christian Wulff (l.) und Roland Koch unterstützen den Kurs von Angela Merkel© Axel Schmidt/DDP

Mit gestärkter Machtposition geht die CDU-Vorsitzende Angela Merkel in das Spitzentreffen mit FDP und CSU zur Klärung der Koalitionsprobleme. Nach den internen Querelen um das angeblich zu schwache konservative Profil der CDU stützte der Vorstand die von der Kanzlerin verlangte Ausrichtung der Partei auf Wähler links von der Union bei gleichzeitiger Einbindung der Stammwähler. Einstimmig verabschiedete die Parteispitze am Freitag eine "Berliner Erklärung" als Strategie-Papier für die nächsten Monate. Darin ist auch der Einstieg in eine Steuerreform bereits 2011 bei Einhaltung der Schuldenbremse festgeschrieben.

Allerdings ist ein Ende des Richtungsstreits zwischen Liberalen und Konservativen in der Partei damit nicht sicher. Einzelne Vorstandsmitglieder mahnten deutlichere Signale an Stammwähler und Konservative an. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, mahnte, es sei wichtig, dass sich die CDU weiter zum christlichen Menschenbild bekenne. Merkel kündigte daraufhin an, mehr für die Chancengleichheit in den Bereichen Familie, Kinder und Bildung zu tun.

"Ich darf sagen: Es hat Spaß gemacht."

Zum Vorstandsbeschluss sagte sie: "Die einstimmige Akzeptanz zeigt, dass sich alle - egal welche Strömung - mit dieser Berliner Erklärung identifizieren können." Sie unterstrich: "Ich sehe darin, dass es eine breite und deutliche Unterstützung für diesen Kurs gibt. Ich darf sagen: Es hat Spaß gemacht." Die CDU beschrieb sie als "Volkspartei für jeden". Merkel wandte sich sowohl an treue Stammwähler als auch an von anderen Parteien enttäuschte Wähler. Sie mahnte: "Wir leben in einer Zeit, wo völlig neue Fragestellungen aufkommen. (...) Wenn wir das nicht berücksichtigen, werden wir die Volkspartei als Volkspartei nicht halten können."

Laut ZDF-"Politbarometer" ist der Rückhalt für Merkel in der eigenen Partei aber gesunken. Nur knapp 32 Prozent der Bürger meinten, dass die CDU voll hinter der Politik ihrer Vorsitzenden stehe. Dagegen könne sich FDP-Chef Guido Westerwelle nach Ansicht von 72 Prozent der vollen Unterstützung sicher sein. 52 Prozent sind laut der Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen auch der Ansicht, dass Merkel zu wenig den Kurs in der Regierung vorgibt.

Zur normalen politischen Schlachtordnung zurückkehren

Merkel sagte, in einer schwarz-gelben Koalition sei die politische Polarisierung stärker als zu Zeiten von Schwarz-Rot. Man komme "jetzt eigentlich zu der normalen politischen Schlachtordnung wieder zurück". Allerdings müssten "Meinungsunterschiede auch überwunden werden". Zum Spitzentreffen mit Westerwelle und CSU-Chef Horst Seehofer am Sonntag im Kanzleramt sagte sie: "Da sehe ich überhaupt gar kein Problem." Sie sei sich mit Westerwelle einig, dass zunächst die Steuerschätzung im Mai abgewartet werden solle, bevor über die Details der Steuersenkungen entschieden werde.

In der schwarz-gelben Regierung gibt es seit Wochen Krach um die im Koalitionsvertrag festgeschriebenen - allerdings unter Finanzierungsvorbehalt gestellten - Steuersenkungen. Die FDP pocht darauf, dass die geplanten Entlastungen von bis zu 24 Milliarden Euro auch an die Bürger weitergegeben werden. Die CSU hält das für realitätsfern. Die CDU verweist auf die Steuerschätzung im Mai, nach der sich die weitere Finanzpolitik richten soll.

Schulden-Passus auf Drängen von Müller geändert

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) rechnete mit einem Einlenken der FDP. Angesichts des missglückten Starts der Koalition sagte er: "Ich würde auf jeden Fall sagen, dass wir keinen 100 Meter-Lauf gewinnen könnten. Aber Langstreckenrennen werden wir auf jeden Fall gewinnen." FDP-Generalsekretär Christian Lindner warnte die Union vor "Profilierungssucht". Zugleich begrüßte er aber Merkels Bekenntnis zur Steuerreform. "Angela Merkel hat für die weitere Zusammenarbeit in der Koalition souverän die Richtung bestätigt."

Für Aufsehen sorgte Saarlands Ministerpräsident Peter Müller (CDU), der am Donnerstag im Parteipräsidium vor Beginn der Vorstandsklausur mit einem Nein zur "Berliner Erklärung" gedroht hatte. Er verlangte eine stärkere Berücksichtigung der im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse, deren ausdrückliche Erwähnung in der Ursprungsfassung des Papiers ihm nicht weit genug ging. Der Passus wurde entsprechend verändert, so dass auch Müller zustimmte. CDU- Generalsekretär Hermann Gröhe betonte: "Es ging um eine Präzisierung, nicht um einen Streit."

Der Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder, sagte, die Bedeutung der CDU-Stammwähler "kann man sicher noch deutlicher machen". Die CDU brauche ein konservativeres Profil, wenn sie als Volks- und Mitgliederpartei erfolgreich sein wolle. Hessens Innenminister Volker Bouffier betonte, die CDU müsse Wert darauf legen, dass sie erkennbar bleibe - auch wenn "sich so viel verändert". Merkel argumentiert, dass die Veränderung der Gesellschaft mit neuen Lebensformen und Einstellungen zu Religion und Umwelt auch einen Wandel der CDU erfordere. Bouffier warnte, Stammwähler könnten es "schwer haben mit dem Wandel".

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 23)
 
Zorro01 (15.01.2010, 21:43 Uhr)
Also unter uns, @Johann58
Man muss nicht nur wollen, man muss auch können.
Roland Koch ist schlau wie Sau.
Aber eben auch so beliebt wie Fußpilz.
Sollte er Bundeskanzler werden, wähle ich nur noch links.

Wirklich unvorstellbar!

Zorro01 (15.01.2010, 20:24 Uhr)
Und täglich grüßt das Murmeltier
Man braucht eigentlich nur ein paar Zeilen dieses Artikels zu lesen und schon hat man im Kopf, was die Gemeinde hier beim Posten zum Besten gibt:

Mucken die Jungs auf, einen Kübel Häme für Frau Merkel bitte!
Mucken die Jungs nicht auf, einen Kübel Häme für die Jungs bitte!

Oh Leute, ihr seid so langweilig.
So berechenbar.
So beherrschbar.
oppenwehe (15.01.2010, 20:15 Uhr)
Danke!
Danke, STERN!

Jetzt bin ich beruhigt. Nach den Hoteliers bekommen jetzt auch die Arbeiter etwas. Moment, ich lese noch einmal nach...ah! Die Angestellten auch! Und für die Selbständigen ist etwas drin. Die Arbeitslosen bekommen auch ein Bonbon...soso...auch die Alleinerziehenden einbeinigen Frauen mit Migrationshintergrund.... Klingt gut. Also alle - wie vor der Wahl versprochen. Danke, Frau Dr. Merkel!
Gaffelfall (15.01.2010, 20:12 Uhr)
Hänneschentheater
Like the Puppets on a String
Wahrhyde (15.01.2010, 18:24 Uhr)
Die CDU beschrieb sie als "Volkspartei für jeden"
Also entweder total beliebig oder im Range einer "Einheitspartei".
Prologo (15.01.2010, 18:19 Uhr)
Das ist mal wieder so ein wischi waschi pro Merkel Artikel vom Stern..........
......... dass einem das kalte Grausen kommt!! Man muss den Stern dabei waagrecht halten, damit man nicht auf der Ölspur auf die Fresse fällt.

Warum schreibt der Stern der Merkel nicht, das der nächste Wahlkampf erst in vier Jahren ist??

Warum keine Frage des Stern zu den anstehenden Problemen in Deutschland.

Oder der Stern kann schreiben, äh könnte schreiben, das auf diesem Kaffekränzchen kein einziger Lösungsvorschlag eines Problems von Deutschland diskutiert wurde.

Merkel wurde gestärkt?? Ja mit was denn?
Mit lauter Waschlappen und Jasagern?

Mir graust vor diesem Elend, das uns diese Frau Merkel noch antun wird.

MfG,
T.
kdoubleu (15.01.2010, 17:26 Uhr)
Hat die CDU wirklich niemand außer Frau Merkel?
Frau Dr. Merkel ist damals als Hoffnungsträgerin der CDU, vermutlich von H. Kohl lanciert, in den Medien hoch gejubelt worden. Ihre Leistung besteht darin, Themen nach populistischen Erwägungen zu besetzen und sich selbst in Szene zu setzen ? ggf. auch durch schweigendes Aussitzen.
M. E. ist ihr Hauptanliegen nicht die Einvernahme von Wählern bislang anderer Parteien zur Stärkung der CDU, sondern das Besetzen von nicht originären CDU-Positionen für langfristige ganz persönliche Ziele. Demzufolge wäre sie an ihrer Wiederwahl nur interessiert gewesen, um sich so eine gute Ausgangsbasis für die Wahl zur EU- Präsidentschaft nach der weiteren Amtsperiode Barrosos zu verschaffen. Mit der Besetzung einer breiten ?Angebotspalette? würde sie sich für dieses Ziel weitaus eher empfehlen als im Beharren auf streng konservativen Grundsätzen.
Analysieren wir nüchtern: Frau Merkels Bilanz als Kanzlerin macht deutlich, dass sie ohne die Impulse der mit ihr einflussreicher gewordenen Lobby ihrem Auftrag als die Richtlinien bestimmende Kanzlerfigur noch weniger nachgekommen wäre. Für uns Bürger ist es bedeutungslos, dass dieses Verhalten vielleicht in ihrer Biografie (ihrer Zeit als FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda?) begründet ist. Medienpräsenz unverbindlicher Sprechblasen soll vordergründig ihr Interesse an den Problemen Deutschlands und ihren eigentlichen Aufgaben als Kanzlerin vorgaukeln. Der CDU ist die Kraft zu wünschen, sich von Frau Merkel zu befreien, bevor die Partei zu einem konturlosen Interessensbündnis wird.
Johann58 (15.01.2010, 16:48 Uhr)
@bR4iNST0RM
nun hat die CDU ja schon vor Kohl existiert und bis zu einem gewissen Punkt durchaus auch in den Gruenderjahren der Bundesrepublik das ein oder andere positiv bewirkt. (ich selbst habe und wuerde nie CDU waehlen, da die Partei sich als die Korrupteste in Deutschland herauskristalisiert hat). Mit Kohl und seinem autokratischen Stil ist die CDU dann aber endgueltig von jedem Demokratieverstaendnis abgerueckt. Sein politisches Ziehkind, die ihre FDJ Vergangenheit nie wird ablegen koennen geraet die CDU in eine Situation, die die SPD bereits kennt, nur eben 10 Jahre spaeter.

Ich vermisse im uebrigen den Verteidigungskommentar aus dem stillgelegten Berliner Stadtflughafen!
waldi22 (15.01.2010, 16:43 Uhr)
"braune Kragenränder"
Herrlich, leider aber wahr. Wenn ich im lokalen Bereich sehe, wer in der CDU den Marsch durch die Instanzen angetreten ist und heute in der Hinsicht etwas geworden ist, dann sind das leider nur Leute, und wirklich nur, die z.B. in unserer Schule als Zäpfchen verschrieen waren, weil sie unseren Lehrern wo reinkrochen und oben wieder rauskamen ("darf ich Ihre Tasche tragen?"). Ein Jugendbild Roland Kochs im Spiegel zeigte mir 1:1 meinen heutigen Ortsvorsteher in der damaligen Zeit mit etwa 15. Heute tragen die Jungs halt Merkels Tasche und haben immer noch kein Rückgrat. Schwiegermamas Liebling hatte noch nie den Mut zur Erneuerung und Fortschritt sondern ist halt leider Sinnbild des Angepassten. Alpha-Tiere in der Politik sollten anders beschaffen sein.
bR4iNST0RM (15.01.2010, 16:28 Uhr)
@Johann58
Ich meinte auch niemanden in der Politik, sondern uns Bürger! Endlich schnallen die Leute, was für einen Murks die Merkel verzapft, wenn sie denn was verzapft und nicht nur still hält. Habe mich aber auch zu ungenau Ausgedrückt, sorry! :)
Meiner Meinung nach war und ist die CDU noch nie eine Partei, der man vertrauen konnte, das hat der vollschlanke Kohl schon in seiner 16 Jahre langen Diktaturperiode klar gestellt!
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