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15. November 2010, 20:07 Uhr

Beifall für einen starken Schäuble

Die CDU hat sich um Wolfgang Schäuble geschart. Mit einem guten Ergebnis wurde er ins Präsidium wiedergewählt. Das passt: Chefin Angela Merkel setzt beim Parteitag auf Harmonie. Von Hans-Peter Schütz, Karlsruhe

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Die CDU hat Wolfgang Schäuble gestärkt: Er wurde mit 85 Prozent als Beisitzer ins Präsidium gewählt© Winfried Rothermel/DAPD

Er schafft es einfach nicht, den Spottvogel in sich zu zügeln. Als feststeht, dass Wolfgang Schäuble zu dringenden finanzpolitischen Gesprächen überraschend nach Brüssel muss und daher dem CDU-Parteitag in Karlruhe zunächst fernbleibt, sagt die Kanzlerin: "Sie haben die Wahl, bei meiner Rede nicht da zu sein oder bei ihrer Wahl. Besser wäre, Sie kommen zur Wahl." Schäubles Antwort: "Ich hätte es lieber anders rum gehabt."

Typisch Schäuble. Redet, als ob er nach dem vielen Gerede über seine Person Bammel vor seiner Wiederwahl ins CDU-Präsidium hätte. Als ob er nicht wüsste, dass der Parteitag vielleicht jeden anderen der insgesamt Bewerber mit Stimmentzug bei der Wahl ins Parteipräsidium bestrafen könnte, nicht aber ihn.

Den Mann, der mit Gerüchten medial gedeckelt worden war, als stünde sein Rauswurf durch die Kanzlerin unmittelbar bevor. Der Mann, dessen Gesundheitszustand beschrieben wurde, als ob er zu schwach wäre, wenigstens noch bis Weihnachten im Amt des Finanzministers zu bleiben. Vielleicht schon Ende November hinwerfen werde.

Schäuble: "Wir sind auf dem richtigen Weg"

"Ich bitte um Nachsicht", sagt er und erhält breiten Beifall. Sagt: "Wir sind auf dem richtigen Weg." Beifall. Sagt: "Wir schwimmen nicht im Geld." Beifall. Gesteht: "Ich habe ein Jahr hinter mir, das ich mir zum Jahresanfang nicht gewünscht habe." Die Delegierten nicken still mit dem Kopf.

Und dann sagt der Mann - der wie immer ein Jackett trägt, das ihm vier Nummern zu groß ist und ihn schmächtig aussehen lässt, aber im Rollstuhl bequem zu tragen ist - zum Schluss: "Ich bin bereit, meinen Dienst weiter zu leisten, so gut ich es kann." Rauschender Beifall.

Schäubles Botschaft kam an. Von 933 abgegebenen Stimmen bekam er 799. Das sind 85 Prozent. Von den sieben zu wählenden Beisitzern im CDU-Präsidium belegte er den zweitbesten Platz. Vor ihm lag nur Julia Klöckner mit 94 Prozent, was die Rheinland-Pfälzerin natürlich vor allem dem Umstand dankt, dass sie im März 2011 in Mainz den SPD-Ministerpräsidenten Kurt Beck aus dem Amtssessel kippen soll. Hinter Klöckner und Schäuble lagen: Stanislav Tillich (78 Prozent) Karl-Josef Laumann (76), Eckard von Klaeden (65), Annegret Kramp-Karrenbauer (57), Philipp Missfelder (57).

Merkel inszeniert Harmonie

Auch bei den anderen Wahlentscheidungen ging das Kalkül der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel auf, nach Monaten heftiger interner Streiterei eine harmonische CDU vorzuführen. Sie selbst schaffte knapp die 90-Prozent-Hürde, wofür sie mit einer vor allem den Konservativen schmeichelnden Rede die Basis gelegt hatte. 90,4 Prozent - sie küsste fröhlich ihre Nebensitzer in den Reihen der Delegierten, eilte ans Mikrofon und rief ihrer CDU erleichtert zu: "Eine großartige Partei."

Geradezu Maßarbeit leisteten die Delegierten, als sie Merkels Generalsekretär Hermann Gröhe mit 90,3 Prozent wiederwählten. Die Harmonie dieses Parteitags blieb auch bei der Wahl der vier stellvertretenden Parteivorsitzenden ungestört. Norbert Röttgen, der sich eindeutig mit der besten Bewerbungsrede vorgestellt hatte, kam auf 88 Prozent, Volker Bouffier auf 77, Ursula von der Leyen ebenfalls auf 77 und Annette Schavan auf 64 Prozent.

Glanzvoller Gastauftritt

Und damit war alles für den ersten glamourösen Auftritt auf diesem CDU-Parteitag bestens vorbereitet. Es erschien Karl-Theodor zu Guttenberg. Der CSU-Verteidigungsminister trat vor die Unionsfreunde und machte, was er besser als jeder andere kann: Komplimente. Er strahlte Angela Merkel an und sagte: "Sie haben eine große und Richtung weisende Rede gehalten."

Die Kanzlerin sah glücklich aus. Und zu Guttenberg strahlte noch einmal, dankte der CDU, dass er hier länger als neun Minuten reden dürfe, das sei ja länger, als es die CSU auf ihrem letzten Parteiantrag erlaubt habe, und fügte hinzu: "Aber das führt noch nicht zum Asylantrag."

Von Hans-Peter Schütz, Karlsruhe
 
 
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