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30. März 2008, 14:52 Uhr

Fingerabdruck von Schäuble veröffentlicht

Aus Protest gegen die staatliche Datensammelwut hat der Chaos Computer Club einen Fingerabdruck von Innenminister Wolfgang Schäuble veröffentlicht. Das Ministerium prüft rechtliche Schritte gegen die Hacker. Der Club plant ein ganzes Sammelalbum mit Fingerabdrücken "schnüffelfreudiger Politiker".

Seinen Fingerabdruck haben Hacker veröffentlicht: Innenminister Wolfgang Schäuble© Soeren stache/DPA

Aus Protest gegen immer mehr Überwachungstechnik hat der Chaos Computer Club (CCC) einen Fingerabdruck von Innenminister Wolfgang Schäuble veröffentlicht. Der Verein will so die Datensammelwut der Sicherheitsbehörden anprangern sowie gegen Fingerabdrücke in Reisepässen und Personalausweisen protestieren. "Wir wollen die Debatte über die biometrische Vollerfassung jedes Bürgers greifbarer machen", erklärte CCC-Sprecher Dirk Engling.

Eine Art Sammelalbum

Das Ministerium reagierte gelassen, will aber rechtliche Schritte gegen den CCC prüfen. Veröffentlicht wurde der Fingerabdruck in der aktuellen Ausgabe der CCC-Magazins "Datenschleuder" sowie im Internet. Der Verein will in einer Art Sammelalbum nun weitere Fingerabdrücke "schnüffelfreudiger Politiker" publizieren.

Ein Sympathisant des CCC hatte Schäubles Fingerabdruck gesichert; er war auf einer öffentlichen Veranstaltung an ein Glas gelangt, aus dem der Minister getrunken hatte. Dem Magazin liegt laut CCC auch eine fertige Attrappe des Fingerabdrucks auf einer Folie bei, die man sich auf die Fingerkuppe kleben kann. So könne man praktisch alle üblichen Fingerabdruck-Biometriesysteme überlisten, erklärte Club-Sprecher Engling. "Die Verwendung von Fingerabdrücken zur Identifizierung von Bürgern ist ein technischer und sicherheitspolitischer Irrweg, der so schnell wie möglich beendet werden muss", erklärte er. Der Bundestag müsse das "Experiment" mit gespeicherten Fingerabdrücken im Pass schleunigst beerdigen. "Fingerabdruck-Biometrie ist nicht so sicher, wie die Politik beteuert", betonte er.

Ministerium "nicht wahnsinnig beunruhigt"

Eine Ministeriumssprecherin sagte der AP in Berlin, zunächst müsse geprüft werden, ob der veröffentlichte Abdruck überhaupt echt sei. "Wenn ja, würde es uns auch nicht so wahnsinnig beunruhigen", sagte sie. Das Ministerium werde gleichwohl prüfen, ob es juristisch dagegen vorgehen wolle und könne. Sie betonte, die Veröffentlichung stehe aus ihrer Sicht nicht "im richtigen Kontext" zu der vom CCC angeprangerten Aufnahme von Fingerabdrücken in Reisepässen und Personalausweisen.

CCC-Sprecher Engling meinte hingegen: "Die Befürworter einer Umwandlung der Bundesrepublik in einen biometrischen Überwachungsstaat betonen immer wieder, wer nichts zu verbergen habe, hätte auch nichts zu befürchten." Der Chaos Computer Club wolle nun die Probe aufs Exempel machen. "Wenn unsere Überwachungspolitiker auch privat meinen, was sie öffentlich vertreten, sollten sie kein Problem damit haben, ihre biometrischen Daten publiziert zu sehen."

Schily und Beckstein auf der Wunschliste

Der Club verwies darauf, dass das Innenministerium bei der Einführung biometrischer Pässe behauptet habe, dass Bilder des Gesichts und der Finger in ihrer Bedeutung für die Privatsphäre im wesentlichen identisch seien. "Wir haben nach der Logik des Innenministeriums also nur das Äquivalent von einem Foto einer Person des öffentlichen Lebens erstellt", erläuterte Engling. In der "Datenschleuder" veröffentlichen die Hacker laut "Focus-Online" auch eine Wunschliste von mehreren Personen, deren Fingerabdrücke sie gerne aufnehmen würden. Mit auf der Liste:Schäubles Amtsvorgänger Otto Schily (SPD), der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) und BKA-Präsident Jörg Ziercke.

Neben diesem Wunschzettel publiziert der CCC auch eine Anleitung, wie man Gläser mit den gewünschten Fingerabdrücken unbeschadet an die "Datenschleuder"-Redaktion schicken kann.

Torsten Holtz/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 24)
 
hevosenkuva (01.04.2008, 13:52 Uhr)
@inselkarl
Führt Ihre offensichtliche links-Paranoia eigentlich dazu, dass Sie lieber drei mal rechts abbiegen um zu Ihrem Ziel zu kommen? %-)
inselkarl (01.04.2008, 12:55 Uhr)
Metternich
Ich habe gar nicht gewusst, das sich Schäuble in historischer Gemeinschaft mit Metternich soviel Hass, Häme und Gegnerschaft zugezogen hat. Vielleicht habe ich irgendetwas verschlafen, aber der letzte deutsche Innenminister, der flächendeckend die eigene Bevölkerung ausspionierte und jedede Opposition bekämpfte hiess Friedrich Dickel und gehörte der führenden Staatspartei SED an. Sollte Schäuble in Tradition von Metternich, Fritsch ,Dickel( oder Mielke) mit absolutistischen Methoden die eigene Bevölkerung unterdrücken-- ???Wie aprilscherzhaft ist der CCC und die ihn unterstützenden linken Gutmenschen?
kosherpork (31.03.2008, 14:41 Uhr)
Finger?
Euer Minister sitzt seit vielen Jahren im Rollstuhl, muss der aber dicke "oevres" haben um auf solche bekloppten Ideen zu kommen. Der kann zwar Mitleid, aber kein Verständnis erwarten. Zudem ist er, informatisch gesehen, strunzedoof. Bitter, aber als Nachfolger Schillys durchaus würdig. Auf english: what an intellectually challenged, weird little Mofo creep. Sir, you suck.
ecomoc4u (31.03.2008, 14:03 Uhr)
Pandora offen, na und.
@Ereichle
Wer glaubt das die Datensammlung einem dient und nicht schadet, hat das ganze Prinzip und das Spiel nicht verstanden.
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Mit jedem "Scheiss Politik(er), Scheiss Staat" oder anderen Unzufriedenheiten das jemand mal geäussert hat im Leben, kann dieses bis zum Grab gegen einen verwendet werden. Jeder Geschlechtsverkehr ist registriert und ausgewertet. Jeder Klogang wird festgehalten und analysiert, (dabei kommt eh nur Scheisse raus).
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Das ist nichts anderes als was die Chinesen praktizieren und als zentraler Bestandteil der kommunistischen Ideologie ansehen.
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Träumt weiter ihr Gutgläubigen.
Sublucem (31.03.2008, 08:59 Uhr)
@Ereichle
Bis vor einigen Jahren interessierte es mich wenig, was mit mir und meinen Rechten ist. Ich hatte meine Freiheiten, hatte meinen tagtäglichen Gang zur Arbeit, kurzum: Ich war glücklich, dass ich nur das wissen musste, was ich für mein Leben benötigte. Die Argumentationen gegen den Terrorismus fand und finde ich schlüssig und ich wünschte mir auch nicht, neben einem Terroristen im Flieger zu sitzen, wer will das schon.
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Aber irgendwann habe ich angefangen, auch über ein paar Gastvorlesungen und Unterhaltungen mit Juristen, festzustellen, dass der Weg zu der hierzulande allzu bekannten Vergangenheit, stets auf guten Vorsätzen beruhte. Unser Grundgesetz aber basierte, gerade wegen dieser gutgemeinten und für die Demokratie katastrophalen Entwicklungen, auf dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit. Es muss stets ein Mittelweg zwischen den Freiheiten geben, ohne dass eine von ihnen gen Null eingeschränkt wird.
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Nun arbeite ich seit bald drei Jahrzehnten mit und an Computern sowie in der Datenverarbeitung und was ich weiß ist, dass es zwei grundsätzliche Prinzipien der IT gibt:
Das eine ist die Bestrebung nach Konzentration der Daten. Das ist heute schon oft der Fall, nur merkt das kaum jemand, der sich damit nicht auseinandersetzt. Klassisches Beispiel: Das Finanzamt. Bei jeder Nachfrage über Kreditkonditionen ohne expliziten Hinweis auf ledigliche Angebotseinholung wird auch die Schufa informiertt - kann jeder bei Bedarf in seine Akten einsehen ;)
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Das zweite Prinzip ist das der Wichtigkeit jedes Bits eingebettet in der Summe aller Informationen. Eine Information ist für sich gesehen irrelevant. Aber in der Summe? Jetzt schon ist es möglich, jederzeit das Bewegungsmuster von Menschen mit Handys zu orten, selbst wenn jenes ausgeschaltet ist - und das ist nun wirklich nicht schwer.
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In der Summe beider Prinzipiel gilt: In Zeiten allumfassender Information ist keine irrelevant. Das, gepaart mit dem Glauben an Unfehlbarkeit und Eindeutigkeit führt zwangsläufig zu Missbrauch - ob jetzt von den "Guten" oder "Bösen".
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Was CCC meinen ist konkret u.a. Folgendes: Von der Tatsache des zwangsläufig gläsernen Bürgers abgesehen gibt es kaum Sicherheitssysteme auf Fingerabdruck-Basis, die sich mit dem dargestellten Verfahren nicht überlisten lassen. Und je größer der Glaube an die Technik, desto größer die Enttäuschung - und am Ende ist keine Sicherheit gewonnen, dafür der Bürger aber um weitere persönliche Informationen ärmer. Die Frage der Verhältnismäßigkeit und der Grundrechtskonformität ist damit beantwortet und das ist das Fazit vom CCC.
pingpong (31.03.2008, 08:50 Uhr)
@Ereichle
Entweder Sie wollen oder können nicht das gesamte Spektrum, was sich damit verbindet, ersehen und verstehen. Hier Fingerabdruck, dort alle daten auf ner Krankenkarte, nicht zu vergessen, die (gewollte Speicherung) von Telefon/Internet: Ergebnis ist der gläserne Bürger.
Und wenn Sie schon die Grundrechte ansprechen: Wie war die Entscheidung des BVerG mit Eingriff in Informationsrecht etc.?
Das ganze hat nichts mit privater Anarchie zu tun, sondern ist der Schutz vor Missbrauch, egal ob Staat oder sonstwer.
Sublucem (31.03.2008, 08:35 Uhr)
Niemand ist unschuldig
Das ist die erste Wahrheit, der man sich stellen muss, egal wie sehr man von sich selbst behauptet, immer alles 100%ig nach dem Gesetz zu tun. Denn tagtäglich wird gegen irgend etwas verstoßen und im Zweifelsfall bewegt man sich unwissentlich in rechtlichen Grauzonen, auf die so mancher Anwalt nur so wartet. Unwissenheit schützt bekanntlich vor Strafe nicht und selbst jeder Erstsemestler der Juristerei weiß um die Komplexität unserer Gesetze.
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Dementsprecht gibt es gar keinen unschuldigen Bürger, egal was behauptet wird.
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Die Logik im Umkehrschluss? Unsere Verfassung sieht vor, Überwachnungen nur dann zuzulassen, wenn sie wirklich begründet ist. Um somit eine Generellüberwachung, ob im großen oder im kleinen Stil, zu legitimieren muss der Bürger unter Generalverdacht gestellt werden.
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Ergo ist jeder, der von sich behauptet, er sei unschuldig und müsse daher keine Angst haben, schon per se verdächtig. Zumindest für den Staat und das muss man sich mal vor Augen halten - diese Zeiten sind nicht vorbei und wir sind es, die hier gegen Russlands vermeintliche Demokratie den Finger erheben, während wir uns hierzulande systematisch der Grundrechte berauben und uns unter allumfassenden Verdacht stellen.
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Na Prost Neujahr.
Ereichle (31.03.2008, 08:30 Uhr)
Liebe NachhilfelehrerInnen
Menschenrechte, Grundrechte, Bürgerrechte, Spielregeln: JA!
Eure Interpretation der "Privatrechte" leider mitunter: nein.
Wie es mir scheint ist Euer Ziel: Jedem das seine an privater Anarchie! Als Individuum, besser aber wohl in grauen Massen.
Das gilt es wohl nach Eurer Lesart zu erhalten und wenn es geht auszubauen.
Wo aber bitte steht in den Menschenrechtskonventionen, den GG und den "Spielregeln" das Recht auf Solo- und Gruppen-Anarchie?
Warum steht Ihr nicht endlich mal zu dem was Ihr denkt oder sagt? Warum sammelt ihr vermummt oder unter Nicknames reale und verbale Pflastersteine, um sie dann aus der Anonymität des Mobs und der undifferenzieren Massen zu pfeffern.
Warum bastel Eure aktivisten realen und verbale Mollis mit denen sie den "Anderen" einheizen?
Fühlt ihr Euch insgeheim als (kindische) Helden des Widerstand gegen was-auch-immer?
Vertretet doch "Eure Meinung". Stellt Euch, gebt Eurer Meinung, Euren Worten und Euren Tafen endliche ein Gesicht.
Wenn Ihr das nicht könnt oder zu können glaubt weil irgendwelche "Mächte und Mächtige mit noch mächtigeren Mitteln" es Euch (angeblich) verwehren, dann, da geb ich es Euch mal schriftlich:
Feig-, Finsterlinge und Hosensch... finden und propagieren immer Ausreden und Ausflüchte die dann zu Ihren Gunsten zu sprechen scheinen.
Darin sind sie die wahrlich die Größten. Die Nanos der Gesellschaft sind sie aber wenn sie zu ihrer Meinung, ihrem Tun und ihrem Lassen zu stehen sollen. Dann wollen sie nicht mehr gesehen werden. Ach wir gut das niemand weis daß ich...
salz63 (31.03.2008, 02:05 Uhr)
@Ereichle
Ich wünsche Ihnen von Herzen, daß der Staat Ihr Ehrenwort, daß sie es zugeben würden, wenn sie es gewesen wären auch immer glauben wird, auch wenn er irgendwo Genmaterial von Ihnen findet, sei es weil sie irgendwann mal da waren, sei es weil sich das jemand besorgt hat um den Verdacht auf jemanden völlig unbescholtenen zu lenken oder was auch immer.
Vor 10 Jahren wäre es noch völlig sinnlos gewesen sich als Täter fremdes Genmaterial zu besorgen, um es am Tatort zu platzieren, wenn erst alle Menschen erfaßt sind, wird das eine feine Taktik.
deinemama (30.03.2008, 22:47 Uhr)
@ereichle
Dream on, my dear!
Sie haben sicherlich erholsamen Schlaf genossen, damals, im Geschichtsunterricht?
Wie schnell unbescholtene Menschen in Deutschland wegen Nichtigkeiten zu Staatsfeinden werden können, das wurde zum letzten Mal vor nicht einmal 20 Jahren eindrucksvoll bewiesen. Ich sag's Ihnen ja nur ungern, aber wir bewegen uns stetiger darauf zu, als Ihnen und leider auch vielen anderen bewusst ist. Mit dem Fingerabdruck im Ausweis wird das staatliche Missbrauchspotenzial vor allem für die Daten derer, die sich "unbescholten" wähnen, gleich noch höher. Sie denken doch nicht ernsthaft, dass der Fingerabdruck im Pass vor Terrorismus schützt? Die Al Kaida kringelt sich vermutlich vor Lachen...
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