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28. Juli 2009, 17:41 Uhr
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Von der Leyens Extratouren

Familienministerin Ursula von der Leyen muss sich kritische Fragen wegen ihrer Dienstwagennutzung gefallen lassen. Auffällig häufig lässt sie sich zwischen Berlin und Hannover chauffieren. Ihre zwei Fahrer haben es besonders weit: Sie sind in Bonn stationiert. Von Hans-Martin Tillack

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Mein Auto, mein Chauffeur: Familienministerin Ursula von der Leyen in Berlin© Marc-Steffen Unger

Kein Zweifel, Ursula von der Leyen ist eine vorbildliche Frau. In Berlin gehört die Familienministerin zu den unbestrittenen Stars im Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel. An ihren freien Abenden kümmert sich die 50-Jährige um sieben Kinder und ihren demenzkranken Vater, den früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht. In dessen Haus in Burgdorf-Beinhorn bei Hannover wohnt seit einem Jahr die ganze Familie.

Aufs Auto umgestiegen

Die Ministerin selbst hat dafür gesorgt, dass die Journalisten das erfahren haben. Alles an ihr ist vorbildlich, so kommt die Botschaft rüber. Nur gilt das nicht ganz für die Art und Weise, wie von der Leyen die Fahrten zwischen Burgdorf-Beinhorn und Berlin organisiert. Diese Geschichte fand sich bisher nicht in den Zeitungen.

Noch zu Beginn ihrer Amtszeit nahm sie den Zug, um "möglichst jeden Abend" zu Hause zu sein - und redete darüber: "Der ICE ist von Berlin in eineinhalb Stunden in Hannover: Das ist kostbare Arbeitszeit, da werde ich nicht gestört!", sagte sie im März 2006 der "Bild der Frau".

So vorbildlich pendelt die CDU-Politikerin inzwischen nicht mehr. Heute lässt sich von der Leyen die 280 Kilometer lange Strecke zwischen Burgdorf-Beinhorn und dem Büro am Berliner Alexanderplatz lieber chauffieren, mit einer Limousine vom Typ Audi A8 TDI. Pro Kilometer kommen 227 Gramm des klimaschädlichen Kohlendioxids aus dem Auspuff.

Zeit und Geld sparen

Doch im Auto spare sie Zeit und Geld, außerdem könne sie besser auch "vertrauliche Telefonate" führen, argumentiert das Ministerium. Zudem fielen die "weit auseinander liegenden Fahrten" zwischen Ministerium, Bahnhof und Wohnhaus weg. Das Haus freilich liegt nur 18 Kilometer vom Hauptbahnhof Hannover entfernt. Und vom Ministerium zur nächsten ICE-Haltestelle sind es 2,4 Kilometer.

Von der Leyen lässt noch aus einem anderen Grund mehr Kilometer fressen als unbedingt nötig. Denn ihre beiden Fahrer wohnen nicht am Hauptsitz des Ministeriums in Berlin, sondern in Bonn, wo die Behörde einen zweiten Sitz unterhält. Bevor die Chauffeure die Ministerin morgens zu Hause abholen, müssen sie erst rund 330 Kilometer Anfahrt bewältigen - und abends auf dem Heimweg noch einmal dieselbe Strecke zurücklegen, wenn die Ministerin selbst schon glücklich bei ihren Lieben ist.

Unterschiedliche Angaben

44 Mal sei sie von Januar bis November mit dem Dienst-Audi zwischen Burgdorf und Berlin gependelt, sagt von der Leyen, im Schnitt also einmal pro Woche. Doch seltsam: Eine Anwältin des Ministeriums stellte es vor dem Berliner Arbeitsgericht anders dar. Nach ihren Angaben sollen die beiden Fahrer aus Bonn die Ministerin regelmäßig mehrfach pro Woche von Burgdorf nach Berlin und retour befördern.

Selbst bei nur einer Tour pro Woche würden die Chauffeure so allein auf ihren Leerfahrten zwischen Bonn und Burgdorf gut 29.000 Kilometer pro Jahr runterreißen - fast genauso viele wie von der Leyen im ganzen Jahr 2006 mit ihrem Dienstwagen zurücklegte. Beinahe sieben Tonnen betrüge dann der zusätzliche Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid.

Es sei denn, der Fahrer übernachtet auf Kosten des Steuerzahlers in Hannover, bevor er die Ministerin am nächsten Morgen wieder abholt. Das kommt öfter vor. Das Ministerium berappt für die beiden Fahrer Hotelkosten in Berlin und Hannover von durchschnittlich 1235 Euro im Monat. Aus Sicht des Familienressorts ist es trotzdem "gleichgültig", ob ein Fahrer aus dem 280 Kilometer entfernten Berlin oder aus dem 330 Kilometer entfernten Bonn anreist.

Wenn die Ministerin das Flugzeug nimmt

Dabei müssen die beiden Chauffeure regelmäßig - laut Ministerium angeblich nur einmal im Monat - auch ganz ohne von der Leyen Fahrten zwischen dem Dienstort Berlin und dem Wohnsitz in Bonn absolvieren. Das kommt etwa dann vor, wenn die CDU-Politikerin in Berlin das Flugzeug nimmt und der Fahrer ohne Ministerin an seinen Wohnort im Rheinland zurückreist.

Dabei verfügt sie über eine Alternative. Ein langjähriger Cheffahrer, der früher Parlamentarische Staatssekretäre chauffierte, hat das Familienministerium verklagt. Er sei unterbeschäftigt, beschwerte er sich vor dem Arbeitsgericht. Obwohl "hochbezahlt", habe er kaum mehr zu tun, als einen Abteilungsleiter morgens vor der Haustür abzuholen und abends heim zu bringen.

Spitzenpolitiker haben freie Wahl

"Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten" sei das alles nur "schwer nachvollziehbar", sagte Richter Ulrich Michels. Wegen seines Auftretens und seiner Leistung würde der Mann sich als Cheffahrer durchaus "aufdrängen". Aber es sei nun mal das Recht von Spitzenpolitikern, ihre Fahrer frei zu wählen.

Das Ministerium sagt, man sei "sehr bemüht, auch diesen Fahrer noch optimaler" in den Dienstplan "einzugliedern". Leider aber kämen sämtliche Berliner Chauffeure des Ministeriums wegen eines fehlenden "Vertrauensverhältnisses und aus anderen individuellen persönlichen Gründen" nicht als Chauffeur für von der Leyen in Frage.

Teuer ist die Pendelei per Limousine auch für die Ministerin selbst. Sie muss die Fahrten als geldwerten Vorteil versteuern. Der kann in ihrem Fall pro Monat eine vierstellige Summe ausmachen.

Die Kosten, die die Extratouren ihrer Bonner Chauffeure verursachen, muss die Ministerin dagegen nicht bezahlen. Die trägt der Steuerzahler.

Von Hans-Martin Tillack
KOMMENTARE (10 von 42)
 
triamos (29.07.2009, 21:30 Uhr)
Das alte Rom
Eine Politikerbande die unser Geld verschwendet, das ist offenbar der Preis der Demokratie.
Füher wurden die Menschen von einem König mit einem überschaubarem Haufen Höfligen abgezockt, heute haben wir dank Föderalismuß 25000 Parlamentarier 6000000 Öffentlich >Bedienstete ink, einer Beamtenschaar zu alimentieren.
Doch täuscht euch nicht, auch Rom ist gefallen, nicht durch äussere Feinde, nein,durch die Dekadenz und Verschwendungssucht der Machthaber.
Also ihr Merkels VDLs Schmidt seit euch nicht zu sicher, auch hohe Mauern werden euch nicht schützen können
elderoldman (29.07.2009, 11:11 Uhr)
Von der (Lügen) sorry Leyhen.
Für diese Laien-Politdarsteller gelten scheinbar keine Regeln und keine Gesetze mehr. Ich hoffe nur das der Wähler bei der Bundestagswahl dieser raffgierigen Kaste die richtige Antwort gibt.
Corazito3333 (29.07.2009, 08:33 Uhr)
Wir lassen uns das gefallen.....
Klimaschutz - ist für die Frau wichtig, hat 7 Kinder in die Welt gesetzt - aber ihre Bequemlichkeit ist noch wichtiger!!! Ludwig der 14. war auch nicht verschwenderischer wie dieser Baggage!!
n8g8 (10.01.2009, 01:27 Uhr)
Zum Glück betrifft die "kritische" Nachfrage vom Stern
... nur die Dienstwagen-Nutzung und nicht, wofür die von der alten Leyer als Mutter der Nation ihre Dienstmädchen sonst noch einsetzt...
Arno18 (08.01.2009, 20:28 Uhr)
Leyens Extratouren
Überflüssig wie ein Kropf ist diese journalistische Meisterleistung!
Ist dies das neue Niveau von " Enthüllungsjournalismus", die sich offensichtlich am Zeilenhonorar und nicht am Inhalt der echerche orientiert. Auflistung sogenannter Facts, die doch Pipifax sind. Insbesondere in einer Zeit wie die jetzige, in der Kriegin Nahost und Geozide in Afrika, Millionen Verhundernde, Klimaveränderungen, Milliarden an Veruntreuungen die Schlagzeilen bestimmen.Und dann diese Recherche aus dem Sandkasten für den Sandkasten.
Arno18
Blacky007 (08.01.2009, 19:44 Uhr)
Dass unsere Politiker nicht wirtschaften können
wissen wir und dass sie genug von unserem Geld verschwenden auch. Solang dieses Treiben der Elfenbeinturmbewohner keine Konsequenzen hat, kann man tausendemal darüber berichten, nur ändern wird sich -leider- nichts. Da können diese Damen und Herren nur milde darüber lächlen, wie sich das Volk darüber aufregt. Dass man jedoch die Chauffeure jedesmal 600km weit anfahren und heimreisen lässt und keine nimmt, die in Berlin wohnen, ist jedoch ein Hohn, den man nur unter Größenwahn der ewig dumm grinsenden Leyen verbuchen kann.
keinheiliger (08.01.2009, 17:44 Uhr)
Ist ja unverschaemt....
Jens Lehmann leasst sich mit’nem Heli von M nach S zum Training fliegen.
Wenn’s denn hilft.
Frau Kinderkriegenministerin laesst Auto fahren.
Na und, wuerde ich angesichts Mehdorns Kreiselbahn auch vorziehen.
Haben wir eigentlich noch andere Probleme???
Offensichtlich nicht,
deswegen gilt, solange es denn(noch) geht:
Wer kann, der darf! ;-))
MfG
Dirk_37 (08.01.2009, 17:18 Uhr)
Toller Bericht - Bravo Stern!!!
Superaufklärender Bericht, Ergüsse tiefster Weisheit!! Also wirklich, Themen wie der Nahost-Konflikt werden nicht zum Kommentieren freigeschaltet aber die Dienstfahrten einer Ministerin sind interessant genug. Muss man das verstehen? Sicher nicht, ich nehme an da sind einige Redakteure beim Mittagsschlaf mit dem Gesicht in der Gulaschsuppe gelandet:-)Ts,ts, echt tolle Neiddebatte,Bravo Stern! MfG Dirk
Livia008 (08.01.2009, 16:55 Uhr)
Okay, ich hab's kapiert (glaub ich):
Demokratie heißt - einige sind gleich, andere sind gleicher - means: ich zieh' zu meinem neuen Arbeitsplatz (notgedrungen um), andere lasse sich mit ihrem persönlichem shuttle-service chauvieren. -
.
Ich frag' mich bloss, wieso hat mir das vorher keiner gesagt, dann wäre ich auch Politikerin geworden! (Ich bin doch nicht doof!)
Mile (08.01.2009, 16:53 Uhr)
Bequemlichkeit???
Das verstehe ich jetzt nicht ganz.
Gibt es denn eine Sonderspur für Minister auf dt. Autobahnen oder wie sonst soll es funktionieren, dass in ihrem Fall der Zug nicht die besser Alternative sind.
Für die fast 300km fährt man doch min 2h und das auch nur, wenn absolut kein Stau ist. Ah ja, und aus der Stadt muss man auch erst herausfahren und in Hannover wieder rein. Also rechne ich mal lieber mit über 2,5h.
Der Zug fährt jede Stunde. Mit dem Taxi oder Fahrdienst sollte sie in 10min am Bahnhof sein. Ticket muss sie keins kaufen. Und für das letzt Stückchen vom Bahnhof nach Hause braucht sie auch keine 15min.
Also komme ich so auf 2h garantiert.
Zudem ist es ja wohl angenehmer in einem Zug zu sitzen statt in einem engen Auto. Nicht vergessen, sie fährt ganz bestimmt nicht 2. Klasse.
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