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18. März 2010, 12:02 Uhr

Dementis von (fast) allen Seiten

Die Steuerreform bleibt das Reizthema der Regierung. Kaum ist das Gerücht in der Welt, die schwarz-gelbe Koaltion wolle noch vor der NRW-Wahl eine abgespeckte Version präsentieren, schallt es Dementis en masse. Am lautesten von der FDP - nur die CSU schweigt.

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Es bleibt dabei: Über eine Steuerreform will Schwarz-Gelb erst nach der Steuerschätzung im Mai entscheiden© Hannibal/DPA

Die schwarz-gelbe Koalition bleibt trotz offenkundig steigender Nervosität wegen der Wahl in Nordrhein-Westfalen bei ihrem bisherigen Kurs in der Steuerpolitik. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm wies am Donnerstag einen Medienbericht zurück, wonach die Parteichefs von CDU, CSU und FDP einen Strategiewechsel planten und ihre Entlastungspläne doch schon vor der NRW-Wahl am 9. Mai präsentieren wollten. Auch Wirtschaftsminister Rainer Brüderle von der FDP sagte dazu: "Da ist nichts dran."

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte berichtet, die Koalition erwäge, noch im April eine gemeinsame Steuerreform zu präsentieren, die allerdings deutlich abgespeckt wäre. So könnte das Entlastungsvolumen von ursprünglich geplanten knapp 20 Milliarden auf fünf bis zehn Milliarden Euro reduziert werden.

Nach Darstellung aus Koalitionskreisen war die Steuerpolitik zwar Thema beim Koalitions-Spitzentreffen am Dienstag, dort sei aber keine neue Strategie verabredet worden. In der Bundesregierung hieß es ergänzend, die Steuerschätzung werde abgewartet, und erst danach werde im Lichte neuer steuer-, finanz- und arbeitsmarktpolitischer Daten entschieden. Die Schätzung in der Woche vor der NRW-Wahl soll Aufschluss über den Finanzspielraum für Entlastungen geben.

FDP signalisiert Einlenken

Der "SZ" zufolge sollten die Grundzüge des neuen Konzepts am Sonntag bei einem weiteren Sechs-Augen-Gespräch von Angela Merkel (CDU), Horst Seehofer (CSU) und Guido Westerwelle (FDP) besprochen werden. Im Zentrum sollte die Bekämpfung der kalten Progression stehen, die automatisch Gehalterhöhungen auffrisst. Zudem sollten die unteren Einkommensklassen entlastet werden. Wilhelm erklärte dazu jedoch, das Thema Steuern werde bei dem Treffen am Sonntag überhaupt nicht auf der Tagesordnung stehen.

Der finanzpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Volker Wissing, sagte: "Es gibt keine neuen Absprachen." Die FDP werde wie geplant ihre Vorstellungen zur Konkretisierung des Koalitionsvertrags auf dem Parteitag im April beschließen. Nach der Steuerschätzung werde die Koalition Entscheidungen treffen.

Trotz aller Dementis kommen sich die Koalitionsparteien offenbar in der Frage der Steuerreform näher. Aus Koalitionskreisen hieß es, dass die FDP sich in einigen Punkten "flexibler" zeige als bisher. So seien statt des bisher vertretenen Drei-Stufen-Modells in einem neuen Einkommensteuertarif auch vier oder fünf Stufen denkbar. Beim zeitlichen Ablauf gelte, dass "spätestens 2012" die Steuerreform umgesetzt sein müsse. Offen ist die FDP demnach bei der Frage, wieviel Entlastung 2011 und wieviel 2012 verwirklicht werden solle.

CSU schweigt

Nichts zu hören zu den jüngsten Spekulationen gab es indes aus Bayern. Und so passt es, dass es aus dem Regierungsbündnis hieß, die CSU versuche offenbar, die FDP in der Steuerpolitik vor sich her zu treiben. In der Union herrscht sei Monaten großer Zweifel, ob sich die im Koalitionsvertrag mit der FDP vereinbarten weiteren Steuerentlastungen überhaupt finanzieren lassen. Die Partner hatten für die Legislaturperiode Steuererleichterungen von 24 Milliarden Euro verabredet. Davon sind 4,6 Milliarden Euro zum 1. Januar bereits für Familien umgesetzt worden. Der nächste Reformschritt soll "möglichst" zum 1. Januar 2011 folgen.

Eine Gegenfinanzierung der Reformpläne schiebt die Koalition bisher vor sich her. Vor der Wahl in NRW steigt jedoch die Sorge vor einer Schlappe: Die schwarz-gelbe Koalition in Düsseldorf hat in Umfragen keine Mehrheit mehr. Sollte sich der Trend bestätigen, verlören Union und FDP nicht nur die Regierungsmehrheit im bevölkerungsreichsten Bundesland, sondern auch ihr knappes Stimmenübergewicht im Bundesrat.

Opposition spricht von "Steuerpanik"

Die Grünen erklärten, der Koalition bleibe ihr "Hauptstreitthema" erhalten. "Schwarz-Gelb ist vor der NRW-Wahl tief verunsichert und ideenlos", kritisierte Finanzexpertin Christine Scheel. Die Debatte zeige aber auch, dass Schwarz-Gelb trotz der Rekordverschuldung im Bundeshaushalt "leider nach wie vor in unsozialen und unfinanzierbaren Steuerfantasien denkt". Hinter den Kulissen aber scheine jetzt auch die Koalition "wie wild daran zu arbeiten, wie sie von der angekündigten großen Reform wegkommt".

Der SPD-Fraktionsvize Joachim Poß sprach von "Steuerpanik in Schwarz-Gelb". Die Koalition verspiele mit unseriösen Konzepten jedwede finanzpolitische Glaubwürdigkeit, auch international.

joe/Reuters/APN/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
Administrator (18.03.2010, 15:19 Uhr)
Liebe User,
wir schließen die Debatte, da eine sachliche Diskussion an dieser Stelle offensichtlich nicht möglich ist. An dieser Stelle haben wir leider einige Kommentare löschen müssen, da sie unsachlich verfasst waren.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihre stern.de-Admins
Corazito3333 (18.03.2010, 15:02 Uhr)
wann wird die Steuerrermäßigung für die Hotels zurückgenommen....
das ging doch in den Schornstein... die Touristen profitieren nicht, die MA sowieso nicht - also 7% mehr Gewinn für die Hoteliers und Hotelketten!!!! Toll, Hotelpersonal über Leiharbeitsfirmen ausgelagert, um Gehälter zu drücken - wie gewohnt!!!!
Und liebe FDP - Leiharbeitsfirmen einschränken, damit die Menschen wieder Sicherheit und feste Arbeitsplätze haben und nicht zu Lohnsklaven werden!!!! Das wäre schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Denn das mit der Entlastung von Steuern für den "Steuerzahler" kriegt Ihr eh nicht geregelt! Ist ja auch nur eine Farce
MMSterling (18.03.2010, 14:48 Uhr)
@ganzbaf
Zitat" Streichung von Sozialhilfe für Arbeitsfähige UND Recht auf Arbeit zum Mindestlohn"
Ah - fehlt nur noch ein Punkt - wer bietet die Arbeit an?
Tempelhofer (18.03.2010, 14:38 Uhr)
@ auwei
Sämtliche Gazetten haben sich nur auf den Bericht der Süddeutschen Zeitung bezogen.

Und ich bleibe bei meiner Auffassung, dass der Herausgeber einer Spekulation diese auch belegen muss. Es ist nicht die Aufgabe des Objektes der Berichterstattung, durch Dementis den Wahrheitsgehalt einer Pressemitteilung nachträglich beweisen oder wiederlegen zu müssen.

Warum Sie bei diesem grundsätzlichen Thema gleich wieder hämisch werden müssen, entzieht sich der Logik.
derSchmu (18.03.2010, 14:32 Uhr)
@ganzbaf...nicht schlecht
aber in meinen Augen auch nicht ganz ausgereift...gewisse Abstimmungen dem Volke ueberlassen halte ich fuer keine gute Idee, man sieht doch, was hier immer wieder so an Leuten gewaehlt wird.

Viel mehr eine Kontrollinstanz, die vom Volke quasi ausgeht, waere mir lieber. Ein Apparat, der selber bestimmt, wie viel Lohn er fuer wie viel Leistung erhaelt, klingt in meinem Ohren nach einem ueberdrehtem Perpetoum Mobile, das nicht nur mit Energieerhaltung so strotzt sondern auch noch aus dem Nichts neue Energie gewinnt...

Ansonsten, gehe ich aber mit den meisten ihrer Vorschlaege ohne weiteres Nachdenken Konform
Johann58 (18.03.2010, 14:32 Uhr)
@auwei (14:30)
Das stimmt aber das war nicht in der copy & paste Tastenkombination von Tempelhofer gespeichert.
Johann58 (18.03.2010, 14:30 Uhr)
@Wittigofrango
das mit dem Mehrwertsteuerfreibetrag als Vorstufe auf ein bedingungsloses Grundeinkommen muessen Sie aber mal erklaeren!

Die Erhoehung der Mehrwertsteuer ist das Schlechteste was passieren kann. Es ist ueberdeutlich, dass Steuererhoehungen ins Haus stehen, da kann sich die FDP aufblasen wie sie will, nur wie und in welcher Form ist noch nicht so ganz klar weil sich die FDP noch nicht klar darueber ist wie sie Stuererhoehungen als Senkungen verkaufen kann.
auwei (18.03.2010, 14:30 Uhr)
@tempelhofer
Die Nachricht zog sich durch nazu alle Gazetten - eine Sueddeutsche-Stern-Verschwörung hätte das allein nicht fertiggebracht. Und die Koalition im Übrigen auch nicht zu einem so eiligen Dementi bewegt. Ob es Ihnen gefällt oder nicht: Diese Truppe agiert, als ob sie permanent betrunken wäre.
Tempelhofer (18.03.2010, 14:24 Uhr)
@ Stern.de
Da erteilen Sie uns wieder einmal eine Lektion in Sachen modernen Kampagnenjournalismus.

Die Süddeutsche Zeitung wirft irgendeine Behauptung auf den Markt. Diese Behauptung wird von Ihnen sofort übernommen und weiter verbreitet, ohne dass Sie diese Quelle in irgendeiner Art und Weise hinterfragen oder prüfen. Ab sofort müssten die "Beschuldigten" beweisen, dass die Behauptungen nicht zutreffen.

Und was ist mit Ihnen ? Können Sie beweisen, dass die von Ihnen verbreiteten Spekulationen in irgend einer Weise wahr sind ? Spekulationen in die Welt setzen, kann jeder.
Laramie (18.03.2010, 14:21 Uhr)
@ganzbaf
Wenn Sie mit dem Programm kandidieren waehle ich Sie.
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