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31. Januar 2008, 06:44 Uhr

Die VW-Connection des Sigmar Gabriel

Brüssel will mehr Alternative Energien statt Kohle? Bundesumweltminister Gabriel ist dafür. Weniger CO2-Ausstoß für die Industrie? Da ist er dabei. Klimaschutzziele auch für die deutschen Automobilhersteller? Nicht mit Gabriel! VW und Co. wissen: Auf alte Geschäftsbeziehungen ist Verlass! Von Jan-Philipp Hein

Bundesumweltminister Gabriel hatte schon 2002 enge Beziehungen zu VW. Nur wurde das von einem niedersächsischen Ministerpräsident auch erwartet© Marcus Brandt/DDP

Sigmar Gabriel wettert gegen die EU-Kommission. Die führe unter dem "Deckmantel des Klimaschutzes" einen Wettbewerbskrieg gegen deutsche Autohersteller, so der Umweltminister. Dass er für den größten deutschen Autobauer VW vor wenigen Jahren gearbeitet hat, verschweigt der Sozialdemokrat dabei.

Stavros Dimas traute vermutlich seinen Ohren nicht, als er vor ein paar Tagen hörte, dass sein deutscher Amtskollege seine Pläne zur Emissionsbegrenzung von Neuwagen als "Wettbewerbskrieg" bezeichnete. Nicht nur das militärische Vokabular dürfte den EU-Umweltkommissar erstaunt haben. Sondern auch der Fakt, dass ein deutscher Umweltminister Industriepolitik macht - eine Aufgabe, die eigentlich dem Wirtschaftsminister zufällt.

100.000 Euro von VW

Vielleicht wusste der Grieche aber auch, dass Sigmar Gabriel (SPD) 2003 und 2004 für den größten Autobauer der EU gearbeitet hat: Volkswagen. Für diese Dienste zahlte VW mehr als 100.000 Euro an "Cones", eine Firma Gabriels. Der damalige VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder war zugleich Präsident des Dachverbands der Europäischen Automobilhersteller (ACEA). Ein Protokoll des Prüfausschusses des VW-Aufsichtsrats belegt das Engagement des jetzigen Umweltministers über dessen damalige Firma Cones: "Zweck, Inhalt und Abwicklung des Vertrags hätten dem Interesse der Volkswagen AG und der ACEA entsprochen und seien nicht zu beanstanden", heißt es. Heikel: Gabriel war Anfang 2003 als niedersächsischer Ministerpräsident abgewählt worden. Bis dahin saß er qua Amt im Aufsichtsrat von VW. Das Land Niedersachsen hielt damals 18 Prozent der Aktien.

Gabriels geheimes Engagement

Um Cones rankten sich in Hannover Gerüchte. Die Zwei-Mann-Firma, die Gabriel zusammen mit einem Anwalt in Halle betrieb, sei nur gegründet worden, damit der damalige Oppositionschef im niedersächsischen Landtag eine Geschäftsbeziehung zum Landesunternehmen VW verschleiern konnte, so die Vermutung. Denn dank Cones war Gabriel nicht gezwungen, bei der Angabe seiner Nebentätigkeiten den Namen Volkswagen fallen zu lassen - er konnte gegenüber Landtagspräsident Jürgen Gansäuer (CDU) einfach auf seine Firma Cones verweisen. Als die Sache aufflog, lieferten sich die beiden ein Scharmützel: Gansäuer stellte fest, dass formal nichts zu beanstanden sei, was Gabriel als Persilschein für sich wertete. Gansäuer legte nach, dass das keine "moralisch-politische Auseinandersetzung" mit der Sache verhindern könne. Es sei anrüchig, wenn dem SPD-Fraktionschef von VW ein solcher Vertrag gegeben werde.

Um harsche Worte nie verlegen

Zwischendurch befasste sich auch die Staatsanwaltschaft mit Cones und dem VW-Vertrag. Nach Vorermittlungen wurde das Verfahren jedoch eingestellt. Es ging auch um die Frage, ob es eine adäquate Gegenleistung Gabriels für die sechsstellige Summe gegeben habe. "Europäische Industriepolitik" sei das Thema des Beratervertrages gewesen, hieß es bei VW. Der Aufsichtsrat dokumentierte, dass das auch im Interesse des Lobbyverbands ACEA gewesen sei. Mittlerweile ist Gras über die Sache gewachsen und Gabriel gilt als resoluter und bisweilen dampfplaudriger Umweltminister. Um markige Sprüche ist der Sozialdemokrat nicht verlegen. Wer den Atomausstieg in Frage stellt, holt sich gerne mal eine Schelle und der EU unterstellt Gabriel zu lasche Klimaschutzziele.

Die Große Koalition der Automobilindustrie

Wenn es um die Autoindustrie geht, wird der Niedersachse jedoch weich. Noch bevor er sein Amt antrat, konnten sich die Hersteller freuen. Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD heißt es unter Punkt 7.5, wo es um "Verkehr und Immissionsschutz" geht, dass die Koalitionäre "die Selbstverpflichtung des Automobilverbands ACEA unterstützen", ausgerechnet jenes Verbandes also, dessen Interessen die Geschäftsbeziehung zwischen VW und Cones prägten. Im Koalitionsvertrag geregelt sind Zielmarken für CO2-Emissionen. 2012 sollen danach 120 Gramm des Klimagases pro Kilometer und Neuwagen als Grenzwert gelten - unter Beimischung als klimaneutral geltender Biokraftstoffe. Ohne den Ökosprit gelten 130 Gramm.

Besorgnis um Butter-und-Brot-Modelle

Die EU will zwar keine anderen Werte durchsetzen. Doch Gabriel will die deutschen Hersteller schonen. Bei Überschreitung will Brüssel pro Fahrzeug bis zu 95 Euro Strafe verhängen. Zwar forderte auch Gabriel im Sommer noch Sanktionen und mehr Anstrengungen von den heimischen Autobauern. Doch jetzt, wo es ans Eingemachte geht, klingt das ganz anders: Angeblich würden die Deutschen in den Brüsseler Plänen überdurchschnittlich belastet. BMW, Mercedes, VW und die Tochter Audi bauen eben wesentliche Teile ihrer Flotten für das Premium-Segment. Die großen und starken Wagen stoßen mehr CO2 aus als italienische oder französische Kleinwagen von Fiat oder Renault. "Egal, wie sie es machen: Sie landen immer bei einem Modell, bei dem sich die Größeren mehr anstrengen müssen als die Kleinen", sagt Werner Reh, Verkehrsreferent vom Naturschutzverband BUND. Und das sei auch der richtige Weg.

Doch Gabriel glaubt, dass so auch die Brot-und-Butter-Autos unter Druck geraten. Wörtlich: "Bei Luxusfahrzeugen ist es mir auch egal." Nicht egal sei ihm das bei den "deutschen Massenherstellern". Auch Volkswagen ist so ein Massenhersteller. Im Umweltministerium reagiert man gereizt auf die Nachfrage, ob Gabriels frühere Tätigkeit für Cones und VW seine Umweltpolitik beeinflusst haben könnten. Sprecher Michael Schroeren spricht von "unsinnigen Unterstellungen", deren "Absurdität kaum zu überbieten" sei.

Von Jan-Philipp Hein
 
 
KOMMENTARE (10 von 22)
 
Herr_Lich (31.01.2008, 13:52 Uhr)
Ich bin für einen Vorteilsnahme-Freibetrag
Mir tut Gabriel ein bißchen leid. Diese 100000 EUR sind vergleichsweise sehr wenig Geld für so einen Minister. Jeder muß doch sehen, wo er bleibt, oder? Ich bin dafür daß man Politikern grundsätzlich eine Art Freibetrag von 1 Millionen EUR jährlich zugestehen sollte. Ihnen sollte erlaubt sein, Gelder bis zu diesem Betrag von jedermann, jährlich entgegennehmen zu dürfen, ohne sich lästige Rechtfertigungen dafür einfallen lassen zu müssen.Schließlich haben Politiker Wichtigeres zu tun, als sich für sowas noch irgendwelche Rechtfertigungen zu konstruieren: Sie müssen doch "Deutschland dienen"....hahaha
Malt (31.01.2008, 13:29 Uhr)
Wenn die...
...Matratze mit Geld ausgestopft ist, lässt sich's doch prima drauf schlafen.
.
Ja, Herr Müller und Schröder sind die besten Beispiele, aber SICHER nur die Spitze des Eisbergs.
Herr_Lich (31.01.2008, 13:24 Uhr)
Werner E. ON Müller
Erinnert sich eigentlich noch irgend jemand an den ehemaligen Wirtschaftsminister Werner Müller? Der hatte während der Schröder-Regierung, per Ministerbeschluss, gegen die Entscheidung des Kartellamts, die Fusion von Ruhrgas-AG und EON zu einem Energieriesen sondergleichen ermöglicht. Dieser Müller kam aus der Energiewirtschaft, leistete als Wirtschaftminister "gute Dienste" und verschwand dann wieder in der Energiewirtschaft. Er ist damit einer der Leute, die die heutige Marktbeherrschung einiger weniger Konzerne im Energiebereich mit zu verantworten haben. Und natürlich hat Müller diese Entscheidung nicht ohne die Zustimmung der Regierungsspitze (Schröder) getroffen. Ich frage mich manchmal, ob solche Leute, wie dieser Müller eigentlich ruhig schlafen können, bei dem was sie ihrem eigenen Land angetan haben....aber ich glaube die Frage beantwortet sich von alleine. Der wird keinerlei Schlafprobleme haben.
Malt (31.01.2008, 13:24 Uhr)
@molo2
Ich glaube, Sie missverstehen die Situation ein wenig: Die Umweltkarte wird GLOBAL mit ABSTAND am meisten von uns Deutschen ausgespielt. Nur, wo WIR, bzw. die Autoindustrie aufgrund jahrelanger Ausrichtung auf den US Markt (d.h. viel Hubraum, viel PS) plötzlich Einbusen befürchten müssten, regt sich plötzlich genau bei den Leuten Widerstand, die eigentlich noch mehr auf Sparsamkeit, bzw. Umweltverträglichkeit Wert legen müssten. Und warum? Denen geht es nicht um den deutschen Arbeitnehmer, denen geht es alleine darum, dass diese Benzinschleudern weiterhin in den USA verkauft werden können - was natürlich erheblich schwerer wäre, wenn eine europaweite Abgasnorm einen Absatz dieser Fahrzeuge in Europa nahezu unmöglich machen würde. Denn den GEWINN fahren die deutschen Autobauer nach wie vor bei Hans und Franz ein - der Umsatz und somit die Marktanteile werden auf dem US Markt erzielt. DAS ist der einzige Grund, weshalb sich der Herr Gabriel dagegen sträubt. Denn dann fliest auch für Ihn weniger Bestechungsgeld... ääääh, ich meine natürlich Beraterhonorar!
.
Aber glauben Sie ruhig weiter alles , was Ihnen unsere Politiker erzählen - Sie haben schon Recht, die sagen immer die Wahrheit und lügen NIE... Kaufen sie ruhig weiter deutsche Autos (die in den USA, Brazilien, Rumänien gebaut werden) in dem blinden Glauben, damit UNS was Gutes zu tun. Schon recht.
Herr_Lich (31.01.2008, 13:00 Uhr)
Business as usual!
Der Grund, warum solche Verbindungen meistens nicht mehr als einen Sturm im Wasserglas auslösen, dürfte sein, daß auch viele der politischen Gegner ihre lukrativen Beraterverträge in den Taschen haben und Geschäftsbeziehungen pflegen. Bei Pharmaindustrie, Automobilindustrie, Energiewirtschaft usw. geht es um Milliarden, da sind ein paar Millionen an "Werbemaßnahmen" in der Politik doch nur Peanuts.
Molo2 (31.01.2008, 12:07 Uhr)
Also
ich leugne nicht den Klimawandel, verursacht durch was auch immer. Aber einige sollten doch langsam merken das die Initiative der Franzosen und Italiener mit der Umwelt rein garnichts zu tun hat. Diese Beiden Länder haben durch die deutschen Übernahmen der letzten Jahre massiv an Einfluss und Macht verloren. (somit auch Geld) Das jetzt die Umweltkarte gespielt wird kann man schon als Verzweiflungstat werten. Erschreckend ist nur das soviele deutsche (wie hier im Forum z.B.) auf den Zug aufspringen und freiwillig an dem Ast sägen auf dem sie sitzen. Da ist mir ein Sigmar Gabriel lieber da er deutsche Interessen vertritt.
Malt (31.01.2008, 12:04 Uhr)
Drastisch ausgedrückt...
...stellt man momentan diesen Juraprofessor genau dafür vor Gericht, was in der Beziehung zwischen Politik und Wirtschaft längst Usus ist: Tust du mir einen Gefallen, dann tu ich dir auch einen.
.
Der Mann hat ja auch niemanden dazu gezwungen, sondern hat sich einfach an die Gesetzmäßigkeiten der modernen kapitalistischen Denke gehalten. als Politiker wäre er vermutlich glatt eine Stufe hochgepurzelt!!!
HeinzManfred (31.01.2008, 11:44 Uhr)
Das ist immer so
Es zeigt deutlich wie sehr die Politiker verstrickt sind und zwar Alle .
Unter der Schröder Regierung wurde die größte „ Reform „ gemacht
angeführt vom Namensgeber Hartz der inzwischen Vorbestrafte hat den Betriebsrat bestochen . Glaubt Jemand so ein Mann hätte Interesse am schaffen von Arbeitsplätzen ? Sein Interesse war ganz einfach Löhne runter , mit Hartz 4 ist kein Arbeitsplatz entstanden außer für Beamte von Post und Telecom die sonst in Pension gemusst hätten . Die Behörde ist größer geworden und die Menschen werden unter Druck gesetzt das Sie zu Löhnen arbeiten sollen die dem Versklaven nahe kommen .
Da Alle Politiker irgendwo verstrickt sind aber letzt endlich das Ziel der Lobbyisten gleich ist , nämlich Löhne und Sozialleistungen runter steuern wir einer wunderbaren Zeit entgegen und geben den Extremparteien ordentlich Futter . Aber es könnte auch die CDU sein die sich zur Diktatur hoch kämpft . Schäuble ist dabei Überwachungsstaat dann Ermächtigungsgesetz und dann arme Bürger . Es ist den Politikern auch egal wenn Sie Löhne mit Steuergeldern aufstocken . Hauptsache Ihre Gönner machen Gewinne dadurch geht es Ihnen nicht schlecht .
Im Prinzip sind Politiker noch unmoralischer als Hartz , denn Der hat seine Gegner gekauft ( Ein Schwein ist wer sich kaufen lässt ) !
Politer werden gekauft und manchmal für sehr wenig Geld .
Darum ist es wohl nicht angebracht bei diesen Leuten von Moral zu sprechen .
Noch eine schöne Woche Manfred Joho
Malt (31.01.2008, 11:16 Uhr)
Mir gehen....
...diese korrupten Arschgesichter geschlossen auf den Sack. Sorry für die deutlichen Worte, aber ich hab' echt langsam die Schnauze voll. WIR ALLE werden nach Strich und Faden verarscht, und es finden sich immernoch so Schafe, die tatsächlich glauben, einer wie der Gabriel würde das nur tun, um uns bzw. unsere Industrie und damit unsere Arbeitsplätze zu schützen. WACHT MAL AUF! Wen dem jemand genug Geld bieten würde, würde der uns OHNE MIT DER WIMPER ZU ZUCKEN allesamt verraten und verkaufen!
Hier geht es alleine darum, die Kosten für seine VW/Audi Kumpanen zu minimieren um deren Gewinn zu maximieren - vermutlich bekommt er dafür auch ne fette Provision!
.
Und von wegen Umweltschutz - wenn es tatsächlich darum gehen würde, hätte man schlicht und ergreifend einen Verkauf von Neufahrzeugen mit Verbrennungsmotoren ab dem Jahr 2013 oder 2015 in Deutschland verboten. Was glaubt ihr denn, wie schnell plötzlich Autos mit alternativen Antrieben aufgetaucht wären? Aber nix. Die Hersteller müssen ja erst mal Ihre Kosten reinholen (bzw. den maximalen Gewinn rausquetschen), um die teuren Entwicklungen der besonders umweltschonenden 4 - 6 Liter V6 bzw. V8 Motoren reinzuholen.
Dieses scheinheilige Geschwätz steht mir bis hier. In unserer Regierung GEHT ES NICHT EINEM um die Umwelt. Es wurde nur erkannt, dass das Thema, aufgrund seiner Brisanz, ein prima Totschläger ist!!!
stardrg (31.01.2008, 10:59 Uhr)
wann....
Erstmal beruhigend das sich die CO2 Hysterie in Grenzen hält. Evtl hat sich Herr Gabriel ja doch mal von Wissenschaftlern beraten lassen, oder logische Schlüsse gezogen. Wäre das möglich? An alle CO2 Gläubigen hier, informiert euch doch mal selber. Wissenschaft hat nichts mit Konsens zu tun, sondern mit Beobachtung, Hypothese, Fehlerbeseitigung ... und wie gehts weiter? Leider sind wir bei der CO2 Hysterie bei der Hypothese hängengeblieben...Verkauft sich besser, kann man mehr Kohle mit machen. Und na klar....CO2 ist schuld...sonst werd ich hier noch gesteinigt. Woran solls eigentlich schuld sein?? Passiert grade was ungewöhnliches??
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