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11. Februar 2010, 09:20 Uhr

Es kracht überall

Der schwarz-gelbe Koalitionsstreit eskaliert: CSU-Chef Horst Seehofer findet Hartz IV "eines Sozialstaats unwürdig". FDP-Chef Guido Westerwelle widerspricht und prangert die "sozialistische Diskussion" an. Auch bei der Kopfpauschale gibt es wieder Zoff.

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Eigentlich sollten sie Partner sein: FDP-Chef Guido Westerwelle und CSU-Chef Horst Seehofer liegen in fast allen Politikfeldern überkreuz© Axel Schmidt/DDP

Alle Krisentreffen haben nichts gebracht: Allein an diesem Donnerstag haben CSU und FDP auf gleich drei wichtigen Politikfeldern Streit vom Zaun gebrochen. Mit Blick auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts will CSU-Chef Horst Seehofer Hartz IV weitgehend neu regeln. Die bisherigen Regelungen seien "eines Sozialstaats unwürdig", kritisierte Seehofer in der "Süddeutschen Zeitung" - und rechnet dabei auch mit höheren Kosten. "Wir dürfen da nicht nur nach Kassenlage entscheiden", sagte er. So müsse es künftig wieder möglich sein, Hartz-IV-Empfänger bei einmaligen Anschaffungen zu unterstützen, wie etwa beim Kauf einer Waschmaschine. Auch sollten die Zahlungen zum Beispiel an die regional unterschiedlich hohen Lebenshaltungskosten angepasst werden können, forderte er.

Das genaue Gegenteil von Seehofer postulierte FDP-Chef Guido Westerwelle in einem markigen Gastkommentar für die "Welt". Die Diskussion über das Hartz-IV-Urteil trage "sozialistische Züge": "Wie in einem pawlowschen Reflex wird gerufen, jetzt könne es erst recht keine Entlastung der Bürger mehr geben, das Geld brauche man für höhere Hartz-IV-Sätze."

Statt über die Frage zu diskutieren, wer mehr staatliche Leistungen bekommt, sollten die Leistungen des Steuerzahlers in den Mittelpunkt gerückt werden. "Dieses Umsteuern ist für mich der Kern der geistig-politischen Wende, die ich nach der Diskussion über die Karlsruher Entscheidung für nötiger halte denn je", schreibt Westerwelle. In Deutschland habe man zu lange die Verteilung optimiert und darüber vergessen, wo Wohlstand herkomme. "Es scheint in Deutschland nur noch Bezieher von Steuergeld zu geben, aber niemanden, der das alles erarbeitet. Empfänger sind in aller Munde, doch die, die alles bezahlen, finden kaum Beachtung", erklärt Westerwelle. Stattdessen pochte er auf die versprochenen Steuersenkungen und ein durchlässiges Bildungssystem.

FDP-Vize warnt vor Wahlbetrug

Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Andreas Pinkwart ging noch einen Schritt weiter als Westerwelle und warnte die Union unmissverständlich vor Wahlbetrug. Teile der Union wollten sich nach und nach von ihren Wahlversprechen absetzen, sagte er dem "Handelsblatt". "Mich erinnert das an das Wahlversprechen der SPD aus dem Bundestagswahlkampf 2005, die Mehrwertsteuer nicht zu erhöhen", sagte Pinkwart. Das sei eine eindeutige Wählertäuschung gewesen. Er warnte die Union davor, "in die gleiche Richtung zu laufen".

Pinkwart kritisierte die Union, eine Steuerreform von der Steuerschätzung im Mai abhängig zu machen: "Wenn es um die Rettung von Banken oder Konzernen wie etwa Opel geht, ist irgendwie immer Geld da. Wenn es aber darum geht, denen mehr von ihrem Geld zu belassen, die den Karren ziehen, dann soll angeblich kein Geld da sein."

Streit auch um die Kopfpauschale

Der Streit ums Geld flammte am Donnerstag auch bei der koalitionsinternen Debatte um die Gesundheitsreform neu auf. Hier steht die Union den FDP-Plänen für eine Kopfpauschale zunehmend kritisch gegenüber. "Eine Reform zulasten Dritter, nämlich zulasten des Steuerzahlers, wird nicht ohne weiteres durchsetzbar sein", sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Johannes Singhammer (CSU) der "Süddeutschen Zeitung". Er wandte sich damit gegen das Vorhaben von FDP-Gesundheitsminister Philipp Rösler, einen einheitlichen Beitrag für alle Versicherten unabhängig von ihrem Einkommen einzuführen und soziale Härten mit Steuermitteln auszugleichen.

Offener Widerstand kommt auch aus dem Finanzministerium. Laut "Süddeutscher Zeitung" haben die Beamten von Ressortchef Wolfgang Schäuble (CDU) ermittelt, wie hoch die Einkommensteuer steigen müsste, um die Kopfpauschale zu finanzieren. Diese liegen nach Einschätzung von Experten zwischen 20 und 35 Milliarden Euro.

Die Antwort: Allein um 20 Milliarden Euro zusätzlich einzunehmen, müsste der Spitzensteuersatz der Einkommensteuer auf 73 Prozent steigen und ab einem Einkommen von 120.664 Euro gelten, berichtet die Zeitung aus einem Schreiben von Staatssekretär Hartmut Koschyk. Dass dies politisch ausgeschlossen ist, liegt auf der Hand.

DPA/AFP/APN
 
 
KOMMENTARE (10 von 47)
 
jps-mm (12.02.2010, 13:53 Uhr)
Nichts ist gut in Deutschland
Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung haben über 70% der Bürger kein Vertrauen in den deutschen Staat.

Seit dem Amtsantritt der Merkel hat sich die Menschenrechtslage in Deutschland drastisch verschlechtert. Selbstverständlich wird auch die Verletzung von Bürgerrechten schwerster Art - mit Billigung der Merkel - unverändert fortgesetzt. Straftäter gegen Bürgerrechte dürfen es sich bei der Merkel auf der Regierungsbank bequem machen. Im übrigen hintertreibt die Merkel systematisch die Verfolgung von Straftätern gegen Bürgerrechte.

Für all das ist die Merkel verantwortlich. Und die Merkel möchte noch den Anschein erwecken, als sei alles in bester Ordnung. In Deutschland werden Menschenrechte fortgesetzt in schwerster Weise verletzt. Deutschland ist ein asozialer Unrechtsstaat.

Hajo (12.02.2010, 07:37 Uhr)
Herr Pinkwart hat recht ,
aber er wird wohl mit seiner Meinung nicht weit kommen . Viele in der Koalition haben die Wahlversprechen schon vergessen oder zur Seite geschoben ganz nach dem Spruch von Adenauer , was interressiert mich mein Geschwätz von Gestern. Die Regierung sollte wirklich einmal überlegen ob die ganzen Gelder die auf unserem Globus von uns verteilt werden noch Zeitgemäß sind. Hier sind bei genauer Betrachtung bestimmt zig Milliarden einzusparen. Aber zu solchen Entscheidungen gehört auch Mut den unsere Politiker jedoch vermissen lassen. Natürlich ist es schöner in der Welt als der große Spender dazustehen und es ist wesentlich einfacher die Geldbörse aufzuhalten statt geschlossen, es sind ja nur Steuergelder die wir alle erarbeiten müssen. Geld hat Deutschland genug , es wird nur an vielen falschen Stellen unkontrolliert ausgegeben. Aber das Problem hatten auch alle vorherigen Regierungen. Neue Ideen haben es eben sehr schwer in den Betonköpfen unserer Politiker einen Platz zu finden.
Sozimod (12.02.2010, 00:29 Uhr)
Lieber Prologo
Ich war einer der geblendeten SPD Wähler 1998 und 2002. Was für ein Jubel ging einher Helmut Kohl abgewählt. Jetzt wieder eine sozaildemokratische Regierung mit grünem Anstrich. Hoffnungen auf Modernität, Atomfreie Politik, sowie Friedenspolitik.
Es kam alles ganz anders. Die Entäuschung über 11 Jahre Regierungsbeteiligung, sowie das Bewustsein eine Koalition gewählt zu haben, dass die Menschen( erste ALG II Bezieher)in den Suizid trieben, soziale Werte verkauft haben, haben mich auf Jahre traumatisiert. Natürlich macht Frau Merkel wie in den vor Jahren nichts. Hat sie von Kohl gelernt. Alles aussitzen. Politik besser verkaufen(um mehr geht ja nicht mehr). Die vielen Versprechungen und Gesetzesänderungen, die eigentlich den Bürger entlasten sollte. Nur Real spürt er davon nichts. Nein, wenn ein Kaufmann eine Inventur durchführt, hat er ein Ergebnis. Er stellt fest wo er sein Geld verbrannt hat, stellt die Weichen für eine sichere Zukunft. Hier sind wir virtuell reich, real aber über 60 Prozent nicht. Nicht einmal wohlhabend.
Die schere ging zu weit auseinander. Die Steinmeiers, Schröders, Trittin, Künast, Merkel, Zu Gutenberg, Jung hinterlassen ein Scherbenhaufen.
Wegkehren soll das wieder der Arbeitnehmer, Hartz IV Bezieher, unterer und Mittelstand. Das Ergebnis: Die Menschen werden wegverwaltet wie in den schlimmsten DDR Zeiten. Die SPD hat mit Hartz IV(ein Model Graf Lamsdorf), Leiharbeit den Weg zu Lohndumping und Hunger beschleunigt. Unter Mitwirkung der Grünen. Nein, von denen ist keiner besser, oder hat Visionen. Das 100 Punkte Programm der Linken hätte für einen Umschwung gesorgt. Wenn auch nur vorübergehend. Bei der CDU/CSU, FDP weissich, was ich bekomme. Von der SPD und den Grünen wurde ich betrogen.
Nojiko (12.02.2010, 00:24 Uhr)
Ach, und auch wenn die CDU nicht gerade meins ist, so kann ich dennoch respektieren, dass sowohl ihre Stammwähler als auch ihre Aktivisten seit über 50 Jahren zu einem klar umrissenen, wenn auch vielleicht nicht zweckmäßigen Programm stehen. Wenigstens haben die eine Meinung. Wenngleich wir uns alle langsam fragen sollten "Was für eine Politik wollen wir haben" und nicht mehr länger "Was für eine Politik bekommen wir zum 'Wählen' vorgegeben" !
Nojiko (12.02.2010, 00:18 Uhr)
Merkel sowieso!
@Prologo: Ohne Zweifel - die Frau muss weg! Abgesehen von alldem, was Sie aufzählen, kommt dazu noch ein nie dagewesenes Maß an Inkompetenz, Wendehälsigkeit, Rückgratlosigkeit und: Eine m.E. gefährliche Tendenz zur Entmündigung und Überwachung sowie zur Unterwanderung der Grundrechte - WENN hier einer eine SED-Vergangenheit weiterpflegt, dann ist es definitiv Frau Mäkel!
MfG
N.
Johann58 (12.02.2010, 00:17 Uhr)
@prologo
Das Grunduebel ist nicht Merkel, das Grunduebel ist die CDU, die in ihrer Selbstgefaelligkeit die Jahre der Opposition nicht genutzt hat um sich zu erneuern und an die aktuelle Situatuion anzupassen. So blieb dann letztendlich nur noch Angela Merkel uebrig, die als politisches Ziehkind von Kohl nahtlos an die Kohl'sche Zeit angeknoepft hat.

Die saft und kraflosen Herren der CDU sind dann nicht Manns genug Angela die Grenzen aufzuzeigen oder jemanden zu finden der die Partei im 21. jahrhundert fuehrt. ES GIBT NIEMANDEN DER DAS KANN!
Sozimod (11.02.2010, 22:44 Uhr)
FDP hat sich selbst erlegt!
Aber die CDU Führung möchte ich nicht davonkommen lassen. Meine Befürchtung, der rechte Rand wird stärker, konkretisiert sich. Siehe Baden Würthenberg. Filbinger, Oettinger alles sehr rechte.

Ich möchte die Gunst nutzen darauf aufmerksam machen, das am 20.03.2010 eine Demo in Essen statt findet.

Wir bezahlen eure Schulden nicht!

Erwerbslosenforum, DIE LINKE, Verdi Gewerkschaft, Verbände rufen auf.

Die Verursacher sollen vernatwortlich gemacht werden, nicht immer die arbeitende Bevölkerung, Hartz IV Empfänger, ect.

Millionärssteuer( wird von Millionären selbst gefordert.

Mindestlohn nicht unter 10 Euro/Std.

Bedingunsloses Grundeinkommen

30 Std. Woche

In Niedersachsen den Buß und Bettag wieder einführen.

Raus aus Afghanistan

FDP muss unter 5 Prozent. Die Grünen müssen unter 12 Prozent, SPD unter 15 Prozent, CDU unter 30 Prozent.

Das wäre die richtige Abstrafung für eine völlig verkorkste Wirtschafts und Sozialpolitik.
n8g8 (11.02.2010, 22:06 Uhr)
@Prologo
Hihi, Sie meinen die berühmten zwei Prozent minus X???
Naja, Sie haben schon Recht, in diese Richtung könnte Guido in NRW ordentlich bürgerlich mobil machen. :-)))
Nur ich glaube es nicht, dass er noch so lange durchhält. Es gibt ein paar Hotelier-fans, die vorher die Reißleine ziehen. Sonst kassieren sie als Abgeordnete gleich mal n paar tausend Euro weniger für ihre lukrativen Vorträge und ihr außer-demokratisches Fingerchenheben im Parlament. Wenn schon Fernbedienung, dann richtig!!! Außerdem gehören Subjekte diesen Schlages zu den Pfenningfuchsen, die keinerlei Gehaltsabschläge bei sich dulden und nur für alle anderen predigen.
Und jetzt genieße ich die Dekadenzler auf dem Wiener Opernball im Drei-Viertel-Takt!!!
Schönen Abend noch *wünsch*.
Bis demnächst in diesem Kino!
n8g8 (11.02.2010, 20:39 Uhr)
@Prologo
Danke zurück, immer wieder gerne. :-)

Diese "Äußerung" ist meiner Vermutung nach die Einläutung des westerwelligen Rücktritts ... Und zwar vor der NRW-Wahl.

Was meinen Sie?
n8g8 (11.02.2010, 19:48 Uhr)
Historisch schwach!!!
Werte Mitforisten,

habt Ihr diese journalistische Analyse schon gelesen?

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,677225,00.html

Die römische Dekadenz und der Untergang wurden erst durch die Sklavenhaltung möglich.
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